Frank Richter gehörte in den 1980er Jahren zur Bürgerrechtsbewegung und zum organisierten Widerstand in der DDR, war gewählter Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte und 1989 hauptamtlicher Mitarbeiter in der Koordinierungsgruppe des Arbeitskreises Gerechtigkeit und der Arbeitsgruppe Menschenrechte, zweier Gruppen, die zur Initiierung des Massenprotestes gegen die SED-Herrschaft wesentlich beigetragen haben.

Als Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung vermittelte Frank Richter in letzter Zeit zwischen „besorgten Bürgern“, Pegida-Anhängern und ihren Kritikern. Aktuell kandidierte er bei der Bürgermeisterwahl der Stadt Meißen und lag mit einem vorläufigen Ergebnis von 36,7 Prozent klar vorn, während der AfD-Kandidat eine herbe Schlappe hinnehmen musst.

Im Interview mit dem christlichen Medienmagazin Pro sprach Frank Richter, der auch Theologe ist und sich in der DDR bereits Anfang der 80er Jahre in der Jungen Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens engagierte, darüber, was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält und warum es dabei auf jeden Einzelnen ankommt.

Dabei beschreibt der 52-jährige die Welt, wie sie sich heute darstellt, mit Blick auf Krieg, Gewalt und Gräueltaten als „an vielen Stellen aus den Fugen“. Und weiter:

„Wir bewegen uns hinsichtlich der Friedlichkeit unserer Welt auf einer Rutschbahn nach unten.“

Das hasserfüllte Reden, das sich aufgrund des Nicht-Verstehens mit der Folge von negativen Gefühlen und der  „Erfahrung von Ohnmacht und Überforderung“ entwickelt, benennt Richter als „eine fatale Entwicklung“.

Dennoch sei Frieden eine „Ursehnsucht der Menschen“, zwar eine Utopie, aber eben auch „ein Ideal, ein Wert der das Zusammenleben der Menschen bestimmt“ und damit „sehr real“. Diese Sehnsucht werde „nicht sterben, solange wir leben“. Dazu betont Frank Richter:

„Deswegen werden auch alle Kräfte, die sich um Frieden bemühen, immer wieder auferstehen. Da bin ich ganz sicher.“

So gelte es  „die freiheitlich-demokratische Grundordnung wahrzunehmen und wertzuschätzen“. Als problematisch benennt Richter, dass es „auf allen Ebenen der Gesellschaft sehr viel Egoismus, Individualismus und Missbrauch dieser Ordnung“ gebe.

Dazu betont Richter:

„Ich schätze das Wort des früheren Verfassungsrichters Wolfgang Böckenförde: ‚Der demokratische Staat steht auf Grundlagen, die er selbst nicht garantieren kann.‘ Was sind die Grundlagen? Respekt, wechselseitige Wertschätzung, Wahrhaftigkeit, Allgemeinwohlorientierung, Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Solidarität.“ Das ist die „Software“, der Kern des gesellschaftlichen Zusammenhalts.“

Und genau das könne der freiheitliche Staat mit seinen regierenden Verantwortlichen nicht selbst schaffen. Dies sein „unser aller Aufgabe“. Für diese Aufgabe betont Richter die Beduetung der Kirche und sagt:

„Gesellschaftlicher Zusammenhalt wächst in der Kirche, er wächst in Gemeinschaften, überall dort, wo Menschen sich ihrer Werte bewusst werden und diese auch leben.“

Wenn dies nachhaltig verloren ginge, werde die staatliche Ordnung „fundamental ins Rutschen kommen“ und der innere Frieden gefährdet, so Frank Richter.

Bei der Verständigung mit Flüchtlingen, mit denen eine „robuste Religiosität ins Land“ komme, seien seiner Ansicht nach Christen besonders gefordert, weil sie im Gegensatz zu vielen areligiösen Menschen, gerade im Osten Deutschlands, einen Zugang zur Religiosität der Flüchtlinge finden können.

Das komplette Interview gibt es im aktuellen christlichen Medienamagzin Pro.

Quelle: pro-medienmagazin.de

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