Was hat der Dreifaltigkeitssonntag mit Islam, Judentum, Buddhismus, Humanismus und Individualismus zu tun? Und was bedeutet Dreifaltigkeit?

Zum heutigen Dreifaltigkeitssonntag liefert unser geistlicher Begleiter Christoph Kreitmeir neben seiner Predigt, in der er dem dreifaltigen Gott auf die Spur geht, Impulse von u. a. Blaise Pascal und Gerd Theißen, die nachempfinden lassen, was das heutige Fest mit den Religionen des Westens, den Religionen des Ostens, dem Humanismus und mit jedem einzelnen von uns zu tun hat.

 

Der dreieinige Gott ist ein Gott ohne Grenzen

 

Der Glaube an Gott den Schöpfer verbindet die Religionen des Westens:

Der eine und einzige Gott

offenbart sich als Abhängigkeit im Islam, als Gesetz im Judentum,

als Liebe im Christentum.

Und ist doch in allen drei Religionen der Barmherzige,

der Ursprung der Gebote,

der Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Der Glaube an den Heiligen Geist verbindet mit den Religionen des Ostens:

Der Geist wohnt in den Menschen

und wird mit ihnen eins:

Der Geist schafft aus dem Nichts.

Leben im Geiste ist Mystik des Nichts.

Der Geist schafft Harmonie mit dem Kosmos.

Leben im Geiste ist Mystik des Seins.

Östliche Mystik ist Erfahrung des Geistes.

 

Der Glaube an Jesus als menschgewordenen Gott verbindet mit dem modernen Humanismus.  

Der Mensch wurde in Jesus

zur Wohnstätte Gottes,

damit die Menschwerdung aller Menschen gelingt.

Alles, was sinnvoll ist,

verwirklicht sich zwischen Geburt und Grab.

Die Menschwerdung Gottes ist Gottes Humanismus.

(Gerd Theißen)

 

Blaise Pascal

„Es gibt ein Vakuum geschaffen von Gott im Herzen eines jeden Menschen, das von keinem Geschöpf gefüllt werden kann, sondern nur von Gott, dem Schöpfer, der durch Jesus bekannt gemacht wurde.“

 

Mehr Gedanken und Impulse zum Dreifaltigkeitssonntag gibt’s unter

christoph-kreitmeir.de

 

In seiner heutigen Predigt geht Pfarrer Kreitmeir dem Geheimnis zur Dreifaltigkeit nach. Hier sind seine Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag im Wortlaut:

Der christliche Glaube hält sich an den Einen Gott. Dennoch scheint er in der Bibel irgendwie „eingeteilt“ zu sein in Vater, Sohn und Heiligen Geist. Wie ist das zu verstehen?

Das Alte Testament ist da unmissverständlich: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott Jahwe ist einzig.[1] „Einer ist Gott.“[2] Oder auch: „Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott.“[3] Gott ist nicht aufgeteilt in verschiedene Wesen, von den jedes für einen ganz bestimmten Bereich zuständig wäre: für Wetter, Gesundheit oder Geld beispielsweise. Das wäre ein zutiefst nichtchristliches Denken.

Und doch stehen an anderer Stelle in der Bibel drei verschiedene „Titel“ nebeneinander. So soll „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft werden[4], und in einem Segensgruß schreibt Paulus: „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“[5] Also doch drei verschiedene …. – was eigentlich?

Im Lauf der Kirchengeschichte ist immer wieder versucht worden, dieses Geheimnis zu umschreiben. Jede Umschreibung wird das Geheimnis selber stehen lassen müssen, welches lautet:

Gott ist Einer, aber er hat sich auf drei verschiedene Weisen gezeigt.

Am Aufbau der Bibel als Ganzer lässt sich das deutlich machen. Das Alte Testament beginnt ganz weit geöffnet bei der Schöpfung. Mit dem Volk Israel dann handelt Gott im engeren Rahmen der Geschichte, und inhaltlich endet dieser erste Teil der Bibel mit der Erwartung des Messias. Alles wird auf den einen Punkt konzentriert.

Jesus ist für uns Christen dieser erwartete Messias (auf Griechisch: „Christus“), der vom Vater „Gesalbte“, der beauftragte Sohn.[6] Er führte seinen Auftrag aus, bis zum Tod am Kreuz,[7] dem entscheidenden Dreh- und Angelpunkt der Erlösung. Mit der Auferstehung Jesu Christi geht die Geschichte Gottes mit den Menschen wieder ganz weit auf.[8] Der Weg ist frei, dass Gott nun alle Menschen zu sich ruft und ihnen Jesus als Erlöser vor Augen hält.[9] Diese „Wirkungsweise“ ist der Heilige Geist.

Vernünftig bringt das kein Mensch nebeneinander, denn die Vernunft kann Gott gegenüber nie das letzte Wort haben. Es bleibt ein Geheimnis. Geschichtlich verstanden, als Hintereinander, wird es nachvollziehbar. Und doch handelt jedes Mal ein und derselbe Gott. „Gott ist Einer!“ Ja, er war schon immer Einer – in dreien. Denn bereits im Alten Testament spricht er von sich selbst in der Mehrzahl: „Lasset uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“. Oder: „Siehe, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse“.[10]

Der Begriff „Dreifaltigkeit“ ist ein Versuch, unseren Glauben an den guten, allgegenwärtigen und allumfassenden Gott ein Stückweit begreiflicher zu machen.

Wo die Vernunft nicht weiterkommt, da können Symbole und Bilder helfen.

Jedes einzelne Bild hat für sich genommen natürlich seine Grenze, aber es kommt dem Geheimnis auf andere Weise näher als Begriffe und Worte. Sie können das Geheimnis umschreiben helfen, dass der eine ewige Gott sich auf die Erde hinuntergebeugt hat und weiterhin erfahren werden kann.

 

 Vater  Sohn  Heiliger Geist
 Architekt  Baumeister  Handwerker
 Quelle  Flussbett  Wasser
 Kraftwerk  Elektrische Leitung  Strom
 Initiator  Management  Ausführung, Begabung
 Ziel  Weg  Begleiter

 

Wir Christen maßen uns nicht an, die göttliche Realität endgültig definieren oder begreifen zu können. Wir bezeugen aber, dass wir an einen Gott glauben, der uns nahe ist, der uns in Jesus begegnet und der uns mit seinem guten Geist begleitet.

Wir glauben an einen Gott der Beziehung, einen Gott, der sich uns mitteilt, trotz seines Ganz-Andersseins. Und wir glauben an einen Gott, den wir erfahren können, trotz unserer Begrenztheit. Gott sei Dank! Amen.

 


[1] Dtn 6,4 

[2] 1. Tim 2,5 

[3] Jes 44,6 

[4] Matth 28,19

[5] 2. Kor 13,13; ähnlich auch Eph 1,17 und 4,4-6; Gal 4,6

[6] Joh 1,1-3; Joh 14,9-11 

[7] Phil 2,8 

[8] Phil 2,9-11; 

[9] Röm 1,1-7 

[10] Gen 1,26 und 3,22