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Pater Christoph Kreitmeir: „Außergewöhnliche Erlebnisse sind Proviant für die ‚Saure-Gurken-Zeiten'“

In seiner Auslegung zum Evangelium zur Verklärung Christi (Lk 9,28-36) nimmt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Krietmeir den Zuhörer bzw. Leser mit auf eine Fantasiereise zum inneren Schutzraum.

 

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Jesus nimmt drei seiner Jünger – Petrus, Johannes und Jakobus – mit auf einen Berg, um sie an einer besonderen Erfahrung teilhaben zu lassen. Hoch über den Dingen – der Berg steht in der Bibel auch immer wieder als Ort der Gotteserfahrung – geschieht Außergewöhnliches mit ihm: Er veränderte sein Aussehen, sein Gewand wurde leuchtend weiß und zwei ganz besondere Gottesmänner der Vergangenheit – Elija und Mose – waren auf einmal präsent und wie lebendig. Sie tauschten sich mit Jesus aus. All das waren so besondere Erlebnisse, dass Petrus sie festhalten wollte: Wir wollen drei Hütten bauen, damit diese Begegnung noch anhalten kann.

Schwestern und Brüder im christlichen Glauben, auch wir wollen die schönen, die außergewöhnlichen und die besonderen Erlebnisse in unserem Leben festhalten und konservieren, damit wir Proviant für die „Saure-Gurken-Zeiten“, die gefühlt ja viele sind, haben.

Nach über zwei Jahren Coronapandemie sind wir alle mehr oder weniger erschöpft. Jetzt wäre ein Aufatmen dran gewesen, ABER nun zehrt der brutale Angriffskrieg in unserer Nachbarschaft auch an unseren Seelen und unseren Kräften.

Deshalb plädiere ich heute dafür, dass wir „Hütten bauen“, dass wir uns ein Refugium schenken, in dem wir aufatmen und auftanken können.

Ich möchte mit Ihnen heute eine Fantasiereise zum inneren Schutzraum machen.

Sie will uns Entspannung, Erholung und Erkenntnis schenken, schädliche Einflüsse abgleiten lassen, unsere seelische Widerstandskraft (Resilienz) stärken und uns dazu einladen, in uns zu ruhen. Ich habe sie im Internet gefunden und leicht abgeändert:

Fantasiereise zum inneren Ort – Mein Schutzraum

In dieser Fantasiereise spreche ich Dich mit Du an. Gleite nun langsam in deine Fantasiewelt – meine ruhige Stimme begleitet dich auf deiner Reise – schließe nun bitte die Augen.

Nimm den Atem deines Körpers wahr – fühle das Ein und Aus – das Heben und Senken – fühle dich in deinen Körper ein – nimm ihn liebevoll wahr – nimm deinen Brustkorb wahr – richte deine Aufmerksamkeit auf diesen – wenn es dir etwas schwerfällt, dann lege eine Hand auf und versuche dort die Körperstelle zu erfühlen.

Fühle nun deine Hand und die Stelle des Brustkorbes, in der du dich wahrnimmst – nimm dieses Gefühl des Wahrnehmens liebevoll an – sieh vor deinem inneren Auge ein wundervolles Tor – es glänzt und strahlt in vielen Farben – deine Hand gleitet über die Oberfläche und es fühlt sich sehr angenehm an.

Wenn du magst, kannst du nun das Tor durchschreiten – hinter diesem Tor befindet sich ein für dich angenehmer Raum der Geborgenheit und des Schutzes – der Raum ist ganz und gar nach deinen Wünschen und Bedürfnissen gestaltet – die Decke, die Wände, der Boden, die Möbel –es kann sein, dass dich dieser Raum an einen anderen Raum erinnert – oder ein Raum ganz nach deiner Phantasie ist – du kannst es dir hier gemütlich machen – hier bist du ganz und gar beschützt – hier kann dir nichts passieren – dies ist dein Schutzraum.

Fühle das Gefühl der Geborgenheit und Wärme – nimm das Gefühl der Liebe wahr – erspüre den Schutz dieses Raumes – hier an diesem Ort bist du vollkommen umsorgt – hier kann dir nichts geschehen – hier darfst du sein, wer du bist – voll und ganz – genieße einen kurzen Augenblick das Gefühl des Beschütztseins – du bist sicher.

Nimm vor deinem inneren Auge nun eine Kugel in deiner Hand wahr – du hältst eine durchsichtige und golden schimmernde Kugel in deiner Hand – sie ist voller Energie – konzentriere dich jetzt auf deinen Atem – spüre deinen Atem – spüre das Heben und Senken deines Brustkorbes – fühle, wie der Atem in deinen Körper fließt und wieder herausströmt – atme ein und spüre wie der Atem deinen Brustkorb hebt – übertrage dein Gefühl für deinen Atem in die Kugel – mit jedem Atemzug wird die Kugel größer und größer – spüre wie der Atem die Kugel immer mehr erweitert – fühle mit jedem Atemzug die Größe der Kugel – ein und aus – ein und aus – spüre die Kugel – ein und aus – ein und aus – spüre die Kugel – ein und aus – spüre nun, wie die Kugel deinen ganzen Körper umfängt – spüre wie das Gefühl der Geborgenheit und Wärme dich voll und ganz umfängt – spüre, dass dein Schutzraum nun deinen ganzen Körper umfängt.

Du bist beschützt und umsorgt – nimm alle deine Gefühle für diesen Bereich wahr – fühle das Vertrauen – fühle, dass du hier sicher bist, alles ist gut – hier bist du Zuhause – fühle dich geliebt – richte deine Aufmerksamkeit nochmals auf deine Kugel – es kann sein, dass du viele unterschiedliche Farben oder auch einzelne Farbschichten wahrnimmst – merke dir deine eigenen Wahrnehmungen – erspüre deine Empfindungen – bleibe in Zukunft immer in deinem Schutzraum und lasse alles was dich belasten könnte an dir abgleiten – erinnere dich immer an diesem Raum.

Nimm deine Wahrnehmungen – Gefühle – Geborgenheit – Schutz –  Liebe und Vertrautheit mit in die wache Welt. Der Schutzraum bietet dir einen geschützten Bereich in der wachen Welt. 

Begib dich nun auf deine Heimreise – fühle die Entspannung und die wohlige Wärme — nun kehre langsam mit geschlossenen Augen aus der Phantasiewelt zurück — fühle deine Füße — deine Arme — balle leicht deine Fäuste — gibt etwas Kraft hinein — bewege deine Füße — atme ganz tief ein und aus — strecke Arme und Beine — räkle dich, wenn du magst — öffne nun die Augen, atme nochmals tief durch — du bist vollkommen zurück in der wachen Welt.

 

„Wir wollen Hütten bauen …“, sagte Petrus zu Jesus auf dem Berg der Verklärung. Wenn es nach solchen besonderen Erlebnissen wieder in die Niederungen des Alltags zurückgeht, dann leben wir aus solchen Erfahrungen. Sie geben uns Kraft, Energie, Trost und Weiter-mach-willen. Gott sei Dank. Amen.