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Pater Christoph Kreitmeir: „Der Mensch wird durch Jesu Christi Solidarität zum König“

In seiner Auslegung zum Evangelium zum heutigen Christkönigssonntag (Joh 18,33-37) geht unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir auf die besondere Würde ein, die wir Menschen in uns tragen und die es zu entdecken gilt.

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Ich mache mir ernsthaft Sorgen!

Nicht, weil die Coronazahlen so unendlich in die Höhe gehen, nicht, weil sich viele Krisenherde in der Welt zu echten Katastrophen auswachsen könnten, auch nicht, weil die Situation unseres durcheinandergeratenen Klimas besorgniserregend geworden ist und auch nicht wegen vieler anderer Gründe, die ich hier gar nicht aufzählen möchte.

Ich mache mir Sorgen um die Würde des Menschen!

Sie stand noch nie hoch im Kurs, aber ihr derzeitiger Kurswert geht so nach unten, dass ich es fast körperlich spüre. In den sog. sozialen Medien mutieren Mitmenschen zu Hass-, Wut- und Drohschleudern – das macht mir Sorgen. Wie gut, dass ich diese Medien kaum nutze! Totalitäre Staaten, wie China, Russland, aber auch Weißrussland, Nordkorea und einige andere, schalten Menschen gleich, knüppeln andere Meinungen nieder und treten die Würde des Menschen mit Füßen.

Dass Flüchtlinge im Grenzbereich zwischen Belarus und Polen ganz gezielt instrumentalisiert, missbraucht und deren Würde missachtet wird, geht mir echt unter die Haut.

Was wünscht sich denn der Mensch? Sicherheit, Wärme, Lieben und Geliebtwerden, eine Arbeit, ein Auskommen, genügend Nahrung, etwas Luxus, die Möglichkeit, sich in Wort und Tat einzubringen und vor allem Freiheit, Angenommensein und Wertschätzung.

Wertschätzung!?

Seit Wochen hängen in unserem Klinikum Plakate und Flyer, die um Wertschätzung von Pflegepersonal werben, die in unserer Gesellschaft nach wie vor denen, die tagtäglich den Kopf hinhalten, wenig Wertschätzung entgegenbringen.

Jesus spricht im heutigen Evangelium davon, dass er ein König ist, dessen Königtum nicht von dieser Welt ist. Er ist deshalb in die Welt gekommen, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Die Wahrheit nämlich, dass jedem Menschen eine königliche Würde innewohnt, die ihm von Gott gegeben wurde.

In der jüdischen Tradition wird folgender Satz überliefert: „Das ist die größte Sünde des Menschen, dass er vergisst, dass er ein Königssohn, eine Königstochter ist.“ Und der Dichter Wilhelm Wilms hat Jesu Wort etwas abgeändert, wenn er sagt:

jeder Mensch ist ein könig

jeder Mensch ist dazu

in die Welt gekommen

ein könig zu sein

so könig zu sein

nicht andere zu beherrschen

sondern andere zu erlösen

dass auch sie könig werden

in dem sinne war jesus christus könig

in einem befreienden sinne

nicht in einem triumphalistischen sinne

wie es manchmal ausgelegt wurde

er war könig

in dem sinne wie jeder mensch

könig sein könnte und müsste

jeder mensch ist ein könig

dazu ist jeder in die welt gekommen

um könig zu sein

könig zu werden.

Jesus als Christkönig und wir als Königskinder des Lebens durch die Höhen und Tiefen, das Lebenshemmende und Lebensfördernde, unsere Bedrängnisse und unsere Freiheit. Wir Königskinder des Lebens – was für ein optimistisches und zuversichtliches Bild vom Menschen. Wir dürfen durch alle Niedrigkeiten hindurch nie vergessen, dass wir Adel, Wert und Würde in uns tragen.

Unsere Lebensaufgabe – das ist meine feste Überzeugung – liegt auch darin, das Königskind in uns zu entdecken, zu fördern, zu nähren, es sich entwickeln zu lassen und, komme was wolle, es nie aus den Augen zu verlieren.

Wer dies einübt, der wird nicht nur positiver und wert-voller dem Leben in all seinen Belastungen, aber auch in seinen Geschenken gegenüber sein, er wird das Königliche im anderen auch entdecken, nähren und fördern.

Ein alter und kranker Mensch, der sich selbst nicht helfen kann, spürt sehr schnell, ob ihn der Pfleger oder die Krankenschwester nicht ganz ernst nimmt, oder ob er oder sie seine königliche Würde achtet, ob er oder sie behutsam mit ihm umgeht, dass er sich als Königskind fühlen kann. Ein Fremder oder Hilfesuchender kann sehr schnell unterscheiden, ob er nur geduldet wird, ob für ihn nur etwas getan wird, um vor der Öffentlichkeit etwas vorzeigen zu können, oder ob er als königlicher Mensch empfangen und gastfreundlich aufgenommen wird.

Wir brauchen nicht lange zu suchen. Es gibt genügend bloßgestellte Menschen, denen man ihr Verletzt-sein sofort ansieht oder es spürt.

Wann ist der Mensch ein Mensch? Wenn er ein König, eine Königin ist, nicht nur von Gottes Gnaden, sondern auch und besonders durch Jesu Christi Solidarität.

Er, der König, wurde wie ein Bettler, um uns, die wir oft wie Bettler im Schmutz liegen, aufzuheben und aufzurichten.

Ich will mir wieder verstärkt vornehmen, in meinem Mitmenschen die königliche Würde zu sehen, zu nähren und zu fördern. Gerade in den Mitmenschen, wo man es am wenigsten auf den ersten Blick vermutet, ist dieses Tun eine echte Aufgabe und fordert einen immer wieder neu heraus.

jeder mensch ist ein könig

dazu ist jeder in die welt gekommen

um könig zu sein

könig zu werden (Wilhelm Wilms)

Amen.

Mehr geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt’s unter

www.christoph-kreitmeir.de