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Pater Christoph Kreitmeir: „Nichts geht verloren, was gehofft, geglaubt, geliebt wurde“

In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 13,24-32) inspiriert unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir zu einem Leben, das die eigene Lebenswegstrecke ab und zu vom Ende her betrachtet.

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Textformat: 

 

 

Wie stellen Sie sich das Ende der Welt vor?

Wir Menschen von heute sind live dabei in einer Fülle von Katastrophen, die uns erschrecken, die uns gleichzeitig aber auch seltsam unberührt lassen. Tsunamis, Flut- und Brandkatastrophen, eine weltweite Corona-Pandemie, sich zuspitzende Klimaprobleme, Zigmillionen von Hungernden und Dürstenden, Flüchtlingsbewegungen und vieles mehr nährt unsere Angst.

Als moderne und naturwissenschaftlich interessierte Weltbürger kennen wir die Ursachen und Abläufe von Naturkatastrophen und früher unerklärlichen Phänomenen. Aber nichts von diesem Wissen hat uns letztlich weiser gemacht oder dem Himmelreich näher gebracht. Und:

Der moderne Mensch zweifelt immer stärker an der Existenz Gottes.

Wie viel erschreckender muss das drastische Bild, das Jesus vom Ende der Welt malt, für seine Zuhörer und Zuhörerinnen damals gewesen sein. Alles, was bisher galt, wird sich verändern, das Unterste wird zuoberst gekehrt. Sogar Sonne, Mond und Sterne und der ganze Himmel werden erschüttert.

Himmel und Erde werden vergehen, allein die Worte Jesu bleiben bestehen und behalten auch über alle Katastrophen hinaus und durch sie hindurch ihre Gültigkeit.

Vermutlich würde Jesus mit solchen Texten heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Dennoch behält seine Mahnung auch heute noch ihre Gültigkeit.

Wer sich eine „geistige Wachheit“ erhalten hat, wer achtsam das Leben und die Lebensläufe beobachtet, wer auch immer wieder „angesichts des Todes lebt“, sein und das Leben überhaupt also vom Ende her betrachtet, der wird anders leben.

In unserem Leben ist es nämlich ratsam, die gesamte Lebenswegstrecke ab und zu besonders vom Ende her zu betrachten. Im geistlich-spirituellen Leben gibt es die Übung, sich in Gedanken immer wieder einmal auf sein Sterbebett zu legen und mit diesem Blickwinkel sein zurückgelegtes Leben anzusehen und gleichzeitig das Hier und Jetzt wahrzunehmen. Folgende fünf Punkte, die Sterbende nach einer Langzeitstudie am meisten bereuen, können dabei eine große Hilfe sein (Quelle: beobachter.ch):

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie es andere von mir erwarteten.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.
  • Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Wer so leben lernt, der wird einerseits dankbarer und versöhnter und andererseits entschiedener leben. Fragen wie diese können ihm helfen, sein Leben zu bereichern (Quelle: ichi.pro).

  • Wie möchte ich die kostbare Zeit nutzen, die ich noch habe?
  • Wie kann ich meine Zeit mit Freude und Sinn füllen?
  • Was möchte ich der Welt zurückgeben?
  • Mit wem möchte ich mich verbinden, um Wiedergutmachung zu leisten und meine Wertschätzung und Dankbarkeit auszudrücken?
  • Wenn ich wüsste, dass meine Zeit begrenzt ist – sie ist es ja !!! -, wie würde ich diejenigen behandeln, die mir am nächsten stehen? Was würde ich mit ihnen für sie tun? Was würde ich ihnen sagen wollen?
  • UND: Worauf freue ich mich?

Wenn wir nun also in einer Zeit leben, in der Katastrophenmeldungen zum Alltag gehören, dann ist es umso wichtiger, sich der Bedeutung von Jesu Wort wieder neu bewusst zu werden, sich wieder neu in ihm und der Frohen Botschaft zu verankern, die sein Kommen für die Menschen und für die ganze Welt bedeutet:

Die apokalyptischen Zustände, von denen Jesus in Mk 13, 24-32 spricht, finden in jedem Leben früher oder später angesichts des eigenen Todes statt.

Das Ende beinhaltet – gläubig gesehen – aber einen neuen Anfang, wie es auch immer wieder in der Natur geschieht. Nichts geht verloren, was gehofft, geglaubt, geliebt wurde.

Nutze die Zeit, lerne etwas, erkenne! Öffne dich für die Möglichkeit einer heilsamen, tröstenden und heilenden Begegnung mit dem Menschensohn, der durch die Katastrophe hindurch ins neue Leben führt. Er hat dir Proviant mit auf die Reise gegeben: Sein Wort in der Bibel, seine Nähe in den Sakramenten, seine Gemeinschaft in der Gemeinschaft der Glaubenden.

Die tiefgläubige moderne Mystikerin Madeleine Delbrel, die als Sozialarbeiterin an den Brennpunkten sozialen Lebens in Frankreich arbeitete, bringt den Wert des Proviantes von Gottes Wort auf den Punkt, wenn sie sagt:

Bis auf den Grund

Das Wort Gottes trägt man nicht in einem Köfferchen

bis ans Ende der Welt:

Man trägt es in sich,

nimmt es mit sich auf die Reise.

Man verstaut es nicht in einem Winkel seiner selbst,

in seinem Gedächtnis

wie im Regal eines Schrankes.

Man lässt es sinken bis auf den Grund seiner selbst,

bis zur Angel, in der unser ganzes Selbst sich dreht.  (Madeleine Delbrel)

Und von dort aus nährt es uns in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Es ist also lebensnotwendig, überlebensnotwendig über den Tod hinaus, den geistig-geistlichen Proviant anzulegen und sich gleichzeitig damit von Gott beschenken zu lassen.

Das für uns Christen Entscheidende ist, dass Jesus Christus kommt, um uns um sich zu sammeln. Die Gemeinschaft mit Gott, in die er uns ruft und sammelt, ist stärker als der Tod und hält länger als selbst der Himmel und die Erde.

Amen.

Anbei der Lobpreis-Song „Das ist mein König“ von Tobias Hundt, der die Predigtworte von Pater Kreitmeir schön musikalisch unterstreicht: