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Pater Christoph Kreitmeir: „Schein oder Sein?“

In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 12,38-44) schaut unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir heute auf heiße Luft, Wichtigtuerei und echte innere Größe im Glauben.

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Schein oder Sein? Diese Frage beschäftigt nicht nur Jesus und seine Zeitgenossen, sie begleitet die Menschen seit Jahrtausenden und stellt uns immer wieder neu vor Herausforderungen.

Heutzutage werden uns in den Medien immer wieder Menschen vorgestellt, die im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. B-Promis und wirkliche Prominente erzählen offen aus ihrem Leben, wir können Zeugen werden von Hochzeiten und anderen mehr oder weniger interessanten persönlichen Ereignissen von sogenannten Stars und Sternchen. Durch diese öffentliche Zurschaustellung drängen sich diese Menschen in den Vordergrund – oder werden dahin gedrängt – ohne dass immer deutlich ist, worin der Verdienst liegt, den sie sich erworben haben.

Geht es überhaupt um Verdienst oder geht es nur noch um heiße Luft und Wichtigtuerei?

Zur Zeit Jesu waren die Schriftgelehrten in seinen Augen solche Menschen. Sie drängen sich auf, heischen nach Aufmerksamkeit, indem sie sich auffällig kleiden. Sie wollen auch entsprechend ihrem äußeren Rang behandelt werden. Ihr Verdienst für die Allgemeinheit hingegen darf angezweifelt werden.

Im Gegensatz dazu die arme Witwe, deren Opfer ohne Jesu Hinweis sicher kaum beachtet worden wäre. Sie strebt auch gar nicht danach, sich in den Vordergrund zu drängen. Es ist für sie genug, das getan zu haben, was ihr möglich ist und wozu sie sich von Gott aufgefordert fühlt.

Im heutigen Vergleich zur Witwe aus dem Evangelium sind Menschen, die ohne großes Aufhebens für andere da sind, die sich kümmern, die einfach helfen, wo Hilfe benötigt wird.

Vielleicht gerade da, wo Nachbarn einander zur Seite stehen, wo unzählige Helfer benötigt werden, die nie im Rampenlicht stehen werden. Aber auch in Ihrer und meiner Nachbarschaft. Wie z.B. der Vater, der 48 Jahre lang seine schwerstbehinderte Tochter gepflegt hat. Manchmal kann man so etwas in der Regionalzeitung lesen. Er bekam das Verdienstkreuz am Bande … Meistens überlesen wir so etwas aber.

Solchen Menschen ist es nicht wichtig, im sogenannten Licht der Öffentlichkeit zu stehen, es ist ihnen eher peinlich. Ihnen ist es wichtig, mit dem, was sie haben, das Beste für sich und für andere zu gestalten. Dabei brauchen sie meistens gar nicht viel und – das ist das Erstaunliche dabei – sie sind in ihrem Inneren in Frieden und mit dem Schicksal versöhnt.

Folgende Geschichte will dies verdeutlichen. Sie heißt: Ein Stein ist besser als Gold und stammt von Werner Trutwin.

Ein König von Nepal spazierte einmal durch die Straßen seiner Stadt. Da saßen viele Mönche, Bettler und Krüppel, die die Vorrübergehenden um eine Gabe baten. Der König beachtete sie nicht. Aufmerksam wurde er aber, als er einen Alten sah, der mit einem Stein Nüsse aufschlug, von denen er einige selbst aß, anderen den Passanten zum Kauf anbot. Er schien dabei glücklich zu sein.

Der König gab ihm eine Goldmünze und sagte: „Ich gebe dir dieses Geld, wenn du mir dafür deinen Stein gibst.“ Der Mann prüfte sorgfältig die Münze und ließ sie in der Sonne funkeln. Doch gab er sie dem König rasch zurück und sagte: „Mächtiger König, deine Goldmünze ist rund und nicht so glatt wie mein Stein. Mit dem Stein kann ich meine Nüsse besser öffnen.“

Der König konnte vor Erstaunen nichts sagen. Während er noch nachdachte, fügte der Arme hinzu: „Außerdem würde mir dieses Gold meinen inneren Frieden rauben.“

Amen.