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Pater Kreitmeir: „Gottes Geist hat einen kalten Nord-Wind hereinfahren lassen, damit wir aufwachen“

In seiner Auslegung zur Lesung (Apg 2, 1-11) am Pfingstsonntag geht unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir auf das Wirken des Heiligen Geistes im „Hier und Jetzt“ ein.

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und  anschließend im Textformat:

 

 

Sie werden sich gleich wundern … warum?

Jetzt liest uns der Pater nochmals den gleichen Lesungstext vor, den wir doch gerade gehört haben. Fällt dem an Pfingsten nichts besseres ein ? Wir werden sehn …

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Sie freuten sich, beieinander zu sein. Am Himmel regte sich kein Lüftchen. So kam es, dass sie friedlich unter sich blieben.  …“

… irgendwie ist der Text ja doch a bisserl anders, was ich da gerade gehört habe … Haben Sie das auch gemerkt??

„… Es störte sie keiner – wer sollte sie auch schon stören? Sie frischten Erinnerungen an Jesus auf; sie erzählten sich dies und jenes – und das konnten sie in ihrer eigenen Sprache. Die Fenster öffneten sie nur gelegentlich, um ein wenig zu lüften.

In den Straßen um ihr Haus tummelten sich an diesem Tag Leute aus aller Herren Länder: Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Kappadozier – wie gesagt, aus aller Herren Länder. Sie unterhielten sich über vieles, manche auch über Jesus und seine Anhänger: „Man hört nichts mehr von der Sache. Sie scheint sich erledigt zu haben!“ Dann wechselten sie das Thema und sprachen wieder über die Schriftauslegung von Rabbi Benjamin am Morgen in der Synagoge. Sie gingen weiter, ohne etwas erlebt zu haben – der Pfingsttag, ein Tag wie jeder andere.

In der kleinen Gruppe aber hielt Petrus eine Rede: „Liebe Freunde in der Erinnerung an Jesus! Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Von den Juden haben wir nichts zu befürchten, denn langsam haben sie sich beruhigt. Warum sollen wir von der Sache wieder anfangen? Wir haben unsere Ruhe. Das ist gut so, das soll so bleiben! Dann und wann wollen wir uns treffen, um das Andenken an ihn in Ehren zu halten. Im Übrigen soll alles so bleiben wie es ist. Das ist für alle Beteiligte das Angenehmste. Fremde können in unserer Gruppe nur stören.“ Soweit Petrus.

Die Jünger trafen sich noch öfters, fingen an, sich zu langweilen – und die Mittelmäßigkeit erlebte Höhepunkte. Mit den Jahren starben sie. So ging die Sache Jesu zu Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten haben das gleiche Schicksal wie Eintagsfliegen.“

Na klasse! Belanglosigkeiten … Mittelmäßigkeit … Stören … nichts zu befürchten … der Pfingsttag, ein Tag wie jeder andere … sie gingen weiter, ohne etwas erlebt zu haben …

Da lebt das Leben nicht mehr. Wir alle kennen das: den Einbruch des Todes in unser Leben, das Gefühl der Erstarrung, der Leblosigkeit. Wenn man dann nicht resigniert hat, wenn man dann nicht schon seelisch-geistig tot ist, dann regt sich das Gefühl der Sehnsucht nach Leben, nach pulsierender Lebendigkeit, nach innerer und äußerer Bewegung, nach wirklichem Leben.

Es gibt Zeiten des Stillstandes und des schleichenden Todes: im Leben, in der Gesellschaft, in der Kirche … und es gibt Zeiten des Aufbruches, ob man will oder nicht.

Gorbatschov sagte – Sie wissen es alle – einen so richtigen Satz: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Und die Honeckers und Mielkes kapierten es nicht und wurden vom Leben überrollt …

Papst Johannes XXIII. öffnete die Fenster im Vatikan zum „Aggiornamento“, damit frischer Wind durch die verstaubten Zimmer blasen konnte und heute nach 50 Jahren wollen ganz viele nur noch die Fenster schließen und ihre Ruhe haben.

… Aber … so läuft das nicht … so läuft das nicht bei GOTT.

Da ruft Papst Benedikt XVI. 2009 ein besonderes „Priesterjahr“ aus und ahnte damals wohl nicht, wie viel Schande schlechte Priester über die Kirche bringen sollten. Fenster zu machen und Wegschauen geht nicht mehr – nirgendwo: nicht im normalen Leben, nicht in der Gesellschaft, nicht in der Kirche.

Gottes Geist hat in den letzten Jahren einen kalten Nordwind hereinfahren lassen, damit wir aufwachen, damit wir in allen Lebensbereichen merken: Leben will gelebt werden – das Leben ist stärker als der Tod. Das ist das Geheimnis der drei großen Glaubensfeste Weihnachten – Ostern – Pfingsten. Das Leben ist stärker als der Tod.

Wer sich dagegen sträubt, der wird an Belanglosigkeit und Mittelmäßigkeit untergehen – das Schicksal der Eintagsfliege …

Wer aber dem Geist Gottes, dem HL. GEIST traut, der wird gestärkt werden, der wird aufbrechen und leben. Dieser Geist wirkt auch heute – GOTT sei Dank. Ob wir es wollen oder nicht und oft ganz anders, als wir es uns wünschen.

So möchte ich am Hochfest von Pfingsten zum Hl. Geist beten – für mich, für Sie, für unsere Kirche und unsere Welt, weil ich fest daran glaube, dass das Leben stärker ist als der Tod:

Komm, Heiliger Geist.
Komm, Sturm, zerreiße die Wolken der Resignation
und des lähmenden Unvermögens.
Lass uns Licht sehen, Hoffnung und Zukunft,
und schenke uns neue Aufbrüche zu dir hin und zueinander.
Du, Gott, dem nichts unmöglich ist,
wir vertrauen auf dich!

Komm, Atem des Lebens und der Liebe.
Hauche uns an, damit wir unsere Gräber verlassen
und auferstehen zu neuem Leben.
Schenke uns den Geist der Barmherzigkeit,
der Güte und Geschwisterlichkeit,
damit die Liebe ohne Blockaden fließe
zu dir hin und untereinander.
Du, Gott, dem nichts unmöglich ist,
wir hoffen auf dich!

Komm, Feuer, das brennt, ohne zu verbrennen.
Taue das Eis in unseren Herzen,
heile, was krank und verletzt ist,
bewege, was festgefahren und festgelegt ist,
löse, was verhärtet ist,
bewege und erwärme uns für dich und füreinander
Du, Gott, dem nichts unmöglich ist,
erbarme dich unser!

(aus dem Gebet einer Schwesterngemeinschaft)

Anbei der Song „Ruah“ von Michael Patrick Kelly, in dem er mit mythischen Klängen und fließendem Rhythmus den Heiligen Geist besingt, auf dass er ihn zu Höherem mitnehme: