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Unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor aus Nigeria, den die Zeitung Die Welt als „froher Pfarrer in Bayern“ betitelte, ist Gemeindepfarrer in der Diaspora im nördlichen Franken in der Pfarrei St. Otto Ebersdorf bei Coburg. In der Osternacht hielt er eine grandiose Predigt zur Bedeutung von Ostern, die unter dem Thema stand:

„Osternacht heißt Geduld haben mit Gott.“

Kurzweilig und prägnant formulierte Pater Peter seine Gedanken zur Osternacht. Die Menschen, die sich auf den Weg in die Osternacht im Örtchen Sonnefeld bei Coburg machten, waren sichtlich berührt von seinen Worten, darunter auch Bürgermeister Michael Keilich.

Pater Peter stellte uns von PromisGlauben seine bedenkenswerten Worte zur Osternacht zur Verfügung.

Hier ist die Predigt im Wortlaut:

„Ostern wächst aus der Nacht. Aus der Grauzone zwischen Gestern und Morgen. Es ist Nacht, wenn wir uns treffen. Wieder einmal: Stille Nacht, heilige Nacht. Damals, als Jesus geboren wurde: das Licht der Völker, das Kind auf Stroh gebettet – da war es auch Nacht. Und in der Krippe war schon das Kreuz angedeutet. Und wer hätte damals geahnt, wie es enden würde – mit diesem Kind?

Wieder ist es Nacht. Und ich muss mir immer und immer wieder die Augen reiben, muss meine Ohren scharf stellen. Denn: Nach dem ersten Augenschein ist da eine große Leere. Das Kreuz ist weg. Der Stein ist weg, aber was der Stein frei gibt, ist ein einziges großes Fragezeichen:

ER ist nicht da! Das Grab – leer. Wohin meine Sehnsucht auch Ausschau hält – nichts.

ER ist weg! Über alle Berge – oder: Weiß der Himmel, wohin!

Die einen sehen rot, die anderen schwarz.

Die einen sehen Engel, die anderen sehen nichts.

Und die drei Frauen, die aufbrechen, um dem Toten eine letzte Ehre zu erweisen, kommen mit dem Schrecken davon.

Ostern ist zunächst einmal die Konfrontation mit der Nacht der Leere, der Abwesenheit.

ER ist nicht mehr da. Da, wo du ihn vermutet hattest: im Grab. Nur du bist da – mit deiner Hoffnung, deiner Sehnsucht, deinen Tränen und deinen Träumen.

Hätte, wäre, könnte, sollte, müsste… Alle Möglichkeitsformen zerplatzen wie Seifenblasen, alle Denkansätze verirren sich im Niemandsland. Und alle Worte – noch nie gehört – klingen wie aus einer anderen Welt herüber:

Auferstanden – Voraus sein – Wiedersehen in Galiläa.

Worthüllen wie aus einer anderen Welt. An Ostern ist das Grab leer – und es endet für Viele die schöne Geschichte mit diesem Jesus aus Nazareth.

Tot, mausetot. Ende und Aus.

Es scheint auch das Aus für Gott zu sein. Für Viele ist er abwesend, nicht erst seit Karfreitag.

„Selten weist etwas so stark auf Gott hin und ruft so dringend nach Gott, wie gerade das Erleben seiner Abwesenheit!“

Dieser Gedanke des tschechischen Theologen Tomas Halik hat mich aus meiner Nachtversunkenheit angeblitzt:

Ob da was dran ist, frag ich mich, frag ich Sie?

Wenn jemand weg ist, den ich mag, den ich schätze, den ich liebe, dann … ja, dann vermisse ich ihn und spüre oft erst, was mir jemand bedeutet.

Aber Gott? Wer vermisst Gott? Wem fehlt etwas in seinem Leben, wenn ER fehlt? Ihnen, dir, mir?

Oder vermissen Sie ihn nur, wenn Sie nicht weiterwissen, wenn Krankheit, Schuld, Schicksalsschläge oder Tod Sie aus der Bahn werfen?

Erleben Sie Gott auch oft so abwesend? Ist er für Sie auch oft so fern? Stehen Sie oft ratlos vor der Leere?

Fragen über Fragen: Ostern stellt Fragen, stellt manches in Frage: Allen voran – diese:

„Wo bist du, Gott? Bist du? Warst du – wirst du sein? Werde ich sein? Wird es wahr sein?

Aber auch dies spüre ich: Ich suche dich, Gott. Im Schweigen und Rufen. Seitdem du mich berührt hast, bin ich wund nach dir. Du fehlst mir.

Ohne dich bin ich nicht ganz. Bist du denn ganz – ohne mich?

Da kommen die Frauen zum Grab. Sie suchen im Rahmen ihres Erfahrungshorizontes. Sie suchen, weil auch sie wund sind – vor Liebe. Und weil Liebe doch nicht aufgibt, sich nicht einfach mit den Fakten zufrieden gibt, oder?

Wie so viele Angehörige von Opfern suchen auch sie den Ort auf, wo sie die verlorene Hoffnung vermuten …

Festhalten am Bekannten, Vertrauten – woran auch sonst?

Aber immerhin: Sie machen sich auf! Sie gehen los.

Es ist noch sehr früh. An der Sollbruchstelle zwischen alter Nacht und neuem Tag könnte allein der Grabstein ein Problem darstellen. Bei genauerem Hinschauen ist dies aber gar nicht das Problem. Die ‚wunde Stelle‘ ist eine andere:

Der wesentliche Unterschied zwischen Glauben und Atheismus ist die Geduld! Der Ungläubige sieht die Leere und schließt voreilig daraus, dass Gott nicht da ist. Der Glaubende wartet und harrt aus und hat Geduld mit Gott!“,

sagt wieder Thomas Halik.

Ich reibe mir die Augen, ich befeuere mein Herz, mein Gehörgang ist offen:

Ostern feiern – hieße vor allem dies: Geduld haben … mit Gott?

Ausharren, sehnsüchtig bleiben, dran bleiben, sich ausstrecken und – erwarten.

Vielleicht ist dies ja genau der Raum, in dem Gott auf mich wartet, sich zu mir hin ausstreckt – und mit Geduld auf mich wartet.

Ostern wird nicht von jetzt auf gleich. Aber es wird!

Die Botschaft hör ich wohl: Er lebt – er geht voraus nach Galiläa – es gibt ein Wiedersehen … Halleluja Jesus lebt!

Aber – da muss ich erst einmal hinkommen, mit all meiner Trägheit, meinem Zweifel, meinem Erschrecken.

Sitzenbleiben ist allerdings keine österliche Alternative.

Die Menschen der Osterevangelien kommen auf einmal in Fahrt. Da springt man auf, da läuft man los – als wäre auf einmal ein Schalter umgelegt.

Also nicht: Bitte warten Sie! Sondern: Bitte erwarten Sie!

Bitte haben Sie Geduld mit Gott.

Bitte haben Sie Geduld mit Erfahrungen mit Gott.

Bitte bleiben Sie dran, legen Sie nicht auf: Nicht so schnell –

Glaube ist ein Weg und kein Haus.

Und: Bitte, Gott – hab auch Geduld mit uns. Wir haben es so eilig, wir wollen schnelle Erfolge, wir können’s kaum erwarten.

Für diese Nacht:

Du bist, und ich werde.

Du lebst, und auch ich werde das erleben.“

 

 

Wolfgang Büscher, der für die Welt, wie anfangs erwähnt, Pater Peter porträtierte, beschloss seinen Artikel mit den Worten:

Ein erstaunlicher Mann.

In diesem Artikel beschreibt Pater Peter u. a., wie das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen in Nigeria funktioniert, gibt eine allzu naive Haltung diesbezüglich zu bedenken und beschreibt sein Ankommen in Deutschland wie folgt:

„Als ich verstand, die Deutschen sind, auch wenn sie ihren Kant und ihren Heidegger nicht mehr kennen, dennoch in ihrem Tun und Denken kantianisch, sie sind – wieder fällt er ins Englische – ‚heideggerian‘, da war ich in Deutschland angekommen.“

Den kompletten, sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel „Pater Peter aus Nigeria, froher Pfarrer in Bayern“ gibt’s unter:

welt.de