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Nach 2,5 Monaten ist unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir nach Operation und anschließender Reha nun wieder im Dienst für den Mitmenschen. Wir freuen uns von Herzen über seine erste Predigt nach längerer Zeit, die Pfarrer Kreitmeir in seiner Email an uns als „schwere Schule des Lebens“ beschreibt.

In seiner Auslegung zum Evangelium am ersten Adventssonntag (Mk 13, 33-37) stimmt er auf die Adventszeit in diesem besonders komischen Jahr 2020, dem sog. Coronajahr, ein.

Hier seine Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Die Adventszeit will für uns eine Zeit der stillen Besinnung, der Vorbereitung auf Weihnachten und des Bedenkens der Geburt Jesu Christi sein …

ABER … im gerade gehörten Evangelium ist von diesen Gedanken gar nichts zu hören. Bestimmend ist die Aufforderung zur Wachsamkeit, damit die Ankunft des „Hausherrn“ nicht verpasst wird.

Wer ist eigentlich dieser Hausherr, wer ist eigentlich Herr in meinem Haus, in meiner Seele, in meinem Herzen, in meinen Gedanken?

Diese Frage drängt sich mir auf.

An was halte ich mich, was gibt mir wirklich Halt, nicht nur in guten Tagen, sondern vor allem in Tagen der Dunkelheit, der Krankheit, der Einsamkeit?

Zufällig fand ich folgende Geschichte, die mich mit ihrem Inhalt ansprach, während ich mich mit diesen Fragen auseinandersetzte. Ich möchte sie Ihnen gerne erzählen:

VON DER HOFFNUNG, WO ES NICHTS MEHR ZU HOFFEN GIBT – Herkunft unbekannt

Einmal kamen Schüler zu ihrem Meiser und fragten: „Wenn alles hoffnungslos ist, wie kann man da noch hoffen?“ Der Meister antwortete: Immer gilt: Halte der Einsamkeit stand und warte, denn alle Hoffnungslosigkeit kommt aus der Angst vor Einsamkeit und aus der Ungeduld.“

Die Schüler aber gaben sich nicht zufrieden und erzählten von den Schicksalen anderer Menschen. Der erste: „Wenn ein Kind, das Licht seiner Eltern, unheilbar auf den Tod liegt – wo ist da die Hoffnung?“ Der zweite: „Wenn einen die Geliebte verlassen hat, und war sie doch das Leben – wie töricht ist da die Hoffnung!“ Der dritte: „Wenn einer fortgeführt wird in die Fremde und keine Brücke führt zurück – worauf da noch hoffen?“

Und wieder antwortete da der Meister: „Der Einsamkeit standhalten und warten!“

Und weil sie ihn um ein Zeichen nach diesen dunklen Worten baten, gab er ihnen ein Samenkorn: „Wenn das Neue kommen soll, muss das Alte sterben“, sagte er und entließ sie.

Ich möchte kurz innehalten und meinem Unmut Luft machen. Das Ganze befriedigt mich wirklich nicht. Oft sind schöne Geschichten und weise Worte ja ganz nett, wenn man aber wirklich Geistesnahrung braucht, weil es einem dreckig geht, dann kann man solche „Meisterworte“ wirklich vergessen.

Die Geschichte geht aber noch auf interessante Weise weiter …

Die Gegend aber war unwegsam und die Nacht dunkel. Weitab von des Meisters Haus kamen die drei vom Weg ab, irrten umher und fielen in ein Höhlenloch; das war sehr tief, doch sie blieben unverletzt. Wie sie dort auf dem weichen Moose lagen und sich ihrer Lage bewusst wurden, fiel ihr Blick nach oben, und sie sahen den Mond; der beschien ihr Elend.

„Es ist hoffnungslos“, begann der eine, „wir kommen aus eigener Kraft nicht heraus, man wird uns nicht finden, und unsere Schreie werden in der Einsamkeit verhallen. Wenn ihr hier vor mir sterben solltet, bleibe ich allein und einsam. Soll ich darauf warten? Und soll ich ein Samenkorn pflanzen, dessen Früchte ich nicht mehr essen kann – welchen Sinn macht das?“ Dann beugte er sich nieder, weinte, wurde still und tat seinen letzten Atemzug.

Sprach der zweite Schüler: „So geht es mir auch, doch untätig auf den Tod warten will ich nicht.“ Darauf begann er an den steilen Wänden der Höhle hinaufzuklettern, erreichte wohl die halbe Höhe und rutschte dann aber ab. Im Fallen schlug er gegen die Wand und blieb tot unten liegen.

Der dritte Schüler blickte auf seine beiden Gefährten und dachte bei sich: „Angst, einmal allein zu bleiben, muss ich nicht mehr haben, denn ich bin allein. Schwach, wie ich bin, kann das Warten mich nur stärken.“ Dann blickte er um sich, sah Pflanzen und Sträucher auf dem Grund der Höhle und hörte hinter sich eine Quelle. Da fuhr er mit der Hand durch das Wasser, streichelte den Boden, der ihm Nahrung geben konnte. Wie er das tat, fiel sein Blick auf das Samenkorn, das ihm beim Sturz aus der Höhe aus der Tasche gefallen war. Er nahm es und setzte es auf die Erde.

Am nächsten Morgen fielen Sonnenstrahlen in die Höhle; die wärmten ihn. Kräuter, Beeren und Wasser waren seine Nahrung Tag für Tag. Das Samenkorn aber keimte, und über die Tage, die Wochen und die Jahre wuchs der Keimling zu einem Trieb und der Trieb zu einem Baum, und seine Krone strebte der Höhlenöffnung entgegen.

Da dankte der Schüler Gott, kletterte den Stamm empor, verließ die Höhle und rannte in das Haus des Meisters. „Es gibt Hoffnung, auch wenn keine Hoffnung mehr ist“, rief er. „Du hast es gewusst, ich danke dir.“ Da lächelte der still und sprach: „Wohl habe ich es gesagt, aber ich wusste es nicht, denn ich war noch nie ganz ohne Hoffnung.“

 

Schwestern und Brüder im christlichen Glauben, der Meister sprach von etwas, was er letztlich selbst nicht kannte. Der Schüler musste durch die harte Schule des Lebens gehen und lernte das kennen, was wirklich nährt. Und das gefällt mir an dieser Geschichte, die keine so Heiapopeiageschichte ist, sondern unsere oft nicht so leichte Wirklichkeit widerspiegelt.

Wir alle dürfen in diesem besonders komischen Jahr 2020, dem sog. Coronajahr, erneute eine Adventszeit beginnen. Sie wird anders sein. Sie wird uns noch mehr lehren wollen, worauf es echt ankommt und was uns wirklich nährt.

Wir Schüler und Schülerinnen in der „Schule des Lebens“ dürfen dabei auf einen Meister bauen und vertrauen, der seine Lehren nicht nur vorbrachte, sondern sie auch wirklich lebte.

Und er sagte immer wieder und lebte es vor: „Seid (also) wachsam!“

Amen!

 

Vor zwei Jahren gab uns Pfarrer Kreitmeir folgendes Statement zum Thema Hoffnung: