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Seine Auslegung zur heutigen Sonntagslesung (1. Korinther 7,32-35) zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 1,21-28) stellt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir unter den Titel „Ohne Sorgen leben“. Welch spannender Titel in Zeiten wie diesen…

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Friedrich II. von Preußen, auch Friedrich der Große genannt, erlies am 13. Januar 1745 einen Kabinettsbefehl, wonach in seiner bevorzugten Residenzstadt Potsdam ein Schloss zu erbauen war.  2 Jahre später war es fertig und er gab dieser Perle der Baukunst den Namen „Sans souci“, was so viel wie „sorgenfrei“ oder „ohne Sorgen“ bedeutet.

Fernab von den Alltagssorgen eines Regenten schuf er sich ein Idyll, wo er abschalten und umschalten konnte. Dort musizierte und komponierte er, ging mit seinen geliebten Hunden spazieren und traf sich mit den führenden philosophischen und literarischen Geistern der damaligen Zeit, um geistig voranzukommen. Interessanterweise traf Friedrich der Große dort auch wichtige Entscheidungen, die Weltpolitik machten.

Der Apostel Paulus wünscht in seinem ersten Brief an die Korinther – wir haben gerade einen Teil davon gehört – seiner von ihm gegründeten Gemeinde in Korinth: „Ich wünschte, ihr wäret ohne Sorgen … damit ihr euch in rechter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet.“

Auch hier der Wunsch, ohne Sorgen – sans souci – leben zu können, um frei zu sein, frei zu sein nicht nur von etwas, sondern frei zu sein für etwas Größeres als man selbst ist: Glück, Sinn, Gott …

Sorgen kommen und gehen, sie begleiten uns leider immer und tagtäglich, wie ein bekanntes Lied des Kabarettisten Jürgen von der Lippe es besingt:

Guten Morgen, liebe Sorgen
Seid ihr auch schon alle da?
Habt ihr auch so gut geschlafen?
Na dann ist ja alles klar

Wenn ein Tag so wunderschön beginnt ist alles drin
Heute bleibt die Dusche kalt, das Wasserrohr ist hin
Wir gleiten auf den Fliesen aus und prellen uns den Steiß
Als Krönung schmeckt der Kaffee heute irgendwie nach Schweiß

Guten Morgen, liebe Sorgen
Seid ihr auch schon alle da?
Habt ihr auch so gut geschlafen?
Na dann ist ja alles klar
 

Die Zeitung ist geklaut, was soll’s? Die schreiben eh nur Dreck
Ein Zettel auf’m Tisch, für mich? Aha, die Frau ist weg …

Ach ja, die Sorgen des Alltags … Und dann noch die großen Sorgen um die Kinder, den Partner, das Einkommen, die Rente … Und dann die gaaanz großen Sorgen um die Gesundheit, die Sicherheit und noch einige andere mehr.

Unbeschwert, unbesorgt, leichtherzig, belebt, froh und heiter, unbekümmert, unbefangen und gelassen wollen wir alle mehr oder weniger leben. Ganz ohne Sorgen werden wir aber nie leben können.

Wir können im Laufe unseres Lebens aber sehr wohl lernen, ohne falsche Sorgen zu leben, uns von ihnen zu verabschieden.

Der Satiriker Wilhelm Busch nannte in seiner „frommen Helene“ da schon einen tückischen und falschen Weg, Sorgen los zu werden: „Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör.“ Alkoholmissbrauch vertreibt nur kurz die Sorgen, er produziert wie auch andere falsche Lösungsstrategien viel größeren Kummer und noch mehr Sorgen.

Mittlerweile gibt es sehr viele Ratgeber, wie man gut und auf richtige Weise seine Sorgen in Zaum halten und vielleicht ab und zu auch loswerden kann. Ich habe als persönlich Betroffener und Interessierter, aber auch als professioneller Seel-Sorger schon einige dieser Ratgeber mit Gewinn gelesen und könnte nun verschiedenste Lösungsstrategien aus Spiritualität, Philosophie und Psychologie aufzählen. Dies würde aber den Rahmen einer christlichen Predigt sprengen. Da ich aber ähnlich wie Paulus wünsche, „ihr wäret ohne Sorgen“, möchte ich doch wenigstens sehr erprobte Tipps eines Papstes als Wege zu einem sorgenverminderten Alltag nennen. Dieser Papst Johannes XXIII. wurde von den Menschen „der gütige Papst“ genannt.

Güte und Gelassenheit sind wohl Früchte steten Einübens der Punkte, die er uns ans Herz legen will, wenn wir sorgenfreier leben wollen. Sie werden die „10 Gebote der Gelassenheit genannt“

  1. Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. (Leben)
  2. Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern… nur mich selbst. (Sorgfalt)
  3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin … nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt. (Glück)
  4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen. (Realismus)
  5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele. (Lesen)
  6. Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen. (Handeln)
  7. Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt. (Überwinden)
  8. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit. (Planen)
  9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben. (Mut)
  10. Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld. (Vertrauen)

Amen.

 

Anbei der Klassiker „Über den Wolken“ vom Liedermacher Reinhard Mey, der die Sehnsucht nach einem Ort der Sorgenfreiheit beschreibt: