
Gefängnisseelsorger Alexander Glinka zu Pfingsten: „Erst geht ein Licht auf – dann kann ein Feuer brennen“
In seiner Predigt zu Pfingsten, die der Gefängnisseelsorger und Pastoralreferent Alexander Glinka in der Wort-Gottes-Feier in der JVA Dortmund hielt, beschreibt er den Heiligen Geist als Kraft, die Menschen aus Angst, Verschlossenheit und innerer Blockade herausführen kann.
Dabei greift er ein alltägliches Bild auf: Wenn einem Menschen „ein Licht aufgeht“, wird plötzlich etwas klar. Pfingsten aber geht noch weiter. Der Heilige Geist schenkt nicht nur Erkenntnis, sondern entfacht ein inneres Feuer – ein Feuer der Hoffnung, der Veränderung und des neuen Lebens.
Anbei die Worte seiner Einführung und Predigt:
Kennen Sie den Ausdruck: „Da geht einem ein Licht auf“? Das sagt man, wenn man plötzlich etwas versteht. Wenn ein Gedanke klar wird. Wenn eine neue Idee kommt. Wenn man eine Sache auf einmal anders sieht. Man könnte auch sagen: Der Knoten platzt. Eine Blockade löst sich. Da kommt neue Kraft.
In Comics wird das manchmal mit einer Glühbirne über dem Kopf gezeigt. Ein Mensch versteht etwas – und plötzlich wird es hell. Es hat „Klick“ gemacht. Dieses Bild vom Licht hat tiefe biblische Wurzeln. In der Bibel steht Licht oft für Erkenntnis, Hoffnung und neues Leben.
Wo Gott wirkt, bleibt es nicht dunkel. Da wird etwas klar. Da kommt Bewegung hinein.
Heute feiern wir Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes. Im Evangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Und das ist mehr als ein schöner Satz. Das verändert die Jünger. Vorher waren sie ängstlich, verschlossen, unsicher. Dann kommt Gottes Geist – und auf einmal wird aus Angst Mut. Aus Schweigen werden Worte. Aus Unsicherheit wird Kraft. Aus einzelnen Menschen wird Gemeinschaft.
Pfingsten heißt: Gott lässt uns nicht allein. Jesus ist nach der Himmelfahrt nicht mehr sichtbar Teil dieser Welt. Aber er schickt uns seinen Geist als Helfer.
Einen Geist, der Licht schenkt. Einen Geist, der Feuer entfacht. Einen Geist, der Menschen begeistert. Darum soll es heute gehen:
Empfangt den Heiligen Geist.
Letzte Woche haben wir gehört: Jesus fährt in den Himmel. Er sagt seinen Jüngern: „Ich bin bei euch alle Tage – bis zum Ende der Welt.“ Ein starkes Versprechen.
Aber was machen die Jünger danach? Sind sie direkt mutig? Gehen sie sofort raus in die Welt? Nein. Sie gehen zurück in den Abendmahlsaal. Sie schließen sich ein.
Türen zu. Herzen zu. Mut weg.
Das ist menschlich. Ein Versprechen zu bekommen ist das eine. Daran festzuhalten, wenn es schwer wird, ist etwas anderes. Das kennen wir.
Jemand sagt: „Ich stehe zu dir.“ „Ich liebe dich.“ „Ich vergesse dich nicht.“ Und trotzdem kommt Zweifel. Stimmt das wirklich? Gilt das auch morgen noch?
Glaube ist nicht sofort stabil. Vertrauen wächst. Vertrauen braucht Zeit.
So war es auch bei den Jüngern. Jesus sagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Er haucht sie an. Und vielleicht dachten sie erst einmal: „Ja gut … und jetzt? Ich merke nichts. Ich fühle nichts.“ Sie warten. Sie beten. Und erst einmal passiert: nichts.
Und dann kommt Pfingsten.
Die Apostelgeschichte erzählt: Die Jünger sind zusammen. Plötzlich kommt ein Brausen vom Himmel, wie ein starker Sturm. Das ganze Haus wird erfüllt. Über ihnen erscheinen Zungen wie von Feuer. Sie werden vom Heiligen Geist erfüllt. Und auf einmal verstehen Menschen aus verschiedenen Ländern, was sie sagen.
Kurz gesagt:
Aus Angst wird Mut.
Aus Schweigen werden Worte.
Aus verschlossenen Menschen wird Gemeinschaft.
Das ist Pfingsten.
Vorhin hatten wir das Bild mit der Glühbirne.
Da geht einem ein Licht auf.
Man versteht plötzlich etwas. Ein Gedanke wird klar. Der Knoten platzt. Eine Blockade löst sich.
Aber Pfingsten ist mehr als eine Glühbirne. Pfingsten heißt nicht nur: „Ach so, jetzt habe ich es verstanden.“ Pfingsten heißt:
Da geht Feuer an.
Licht macht hell. Feuer macht warm. Feuer hat Kraft. Feuer bewegt etwas. Wir alle kennen Feuer. Es wärmt. Es fasziniert. Aber es hat auch Macht. Feuer muss man ernst nehmen. Gerade deshalb ist das Bild von Pfingsten so stark:
Gottes Geist kommt nicht wie eine kleine Deko-Lampe. Gottes Geist kommt wie Feuer.
Nicht zerstörerisch. Sondern stärkend. Wärmend. Bewegend. Wenn in einem Menschen ein Feuer brennt, merkt man das. Wenn einer wirklich begeistert ist, kann er andere mitreißen. Das steckt schon im Wort:
be-geistert.
Da ist Geist drin. Aber jetzt kommt der Punkt: Ein Lichtschalter geht schnell. Klick – Licht an. So hätten wir das Leben gerne.
Klick – keine Angst mehr.
Klick – keine Schuldgefühle mehr.
Klick – Sucht weg.
Klick – Beziehung repariert.
Klick – neuer Mensch.
Aber so läuft es meistens nicht. Wer schon einmal ein echtes Feuer gemacht hat, weiß:
Feuer braucht Zeit.
Man braucht Geduld. Manchmal muss man pusten. Manchmal geht es fast aus. Dann legt man nach. Und irgendwann brennt es. So ist es auch mit Veränderung. Veränderung kommt selten per Knopfdruck. Veränderung ist ein Prozess.
Auch Gottes Geist wirkt oft nicht wie ein Zaubertrick. Er wirkt wie ein Feuer, das langsam stärker wird.
Ein erster Gedanke. Ein ehrliches Gespräch. Ein Gebet. Ein kleiner Schritt. Ein Moment, in dem man sagt: „So kann es nicht weitergehen.“ „Ich will anders werden.“ „Ich will nicht nur meine Vergangenheit sein.“
Empfangt den Heiligen Geist.
Das heißt nicht: Jetzt wird alles sofort leicht. Aber es heißt: Du bist nicht allein. Gott kann in dir anfangen. Auch da, wo du selbst nicht mehr daran glaubst.
Meine Herren, vielleicht ist das heute die Einladung von Pfingsten: Nicht warten, bis alles perfekt ist. Nicht warten, bis die Angst weg ist. Nicht warten, bis das Leben von allein besser wird. Sondern anfangen. Mit einem ehrlichen Gedanken. Mit einem guten Wort. Mit einem Gebet. Mit einem ersten Schritt. Niemand kann Ihnen diesen ersten Schritt abnehmen. Aber Gottes Geist kann Ihnen Kraft geben, ihn zu gehen.
Erst geht ein Licht auf.
Dann kann ein Feuer brennen.
Und aus diesem Feuer kann neue Hoffnung wachsen.
Das wünsche ich Ihnen zu Pfingsten: Dass Gottes Geist in Ihnen etwas hell macht. Dass er Ihr Herz nicht kalt werden lässt. Dass er in Ihnen ein Feuer entzündet:
für Hoffnung,
für Veränderung,
für neues Leben.
Amen.
Anbei der Song „Feuer“ aus der Tabaluga-Reihe von Peter Maffay, der die Worte vom Alexander Glinka im übertragenen Sinn nachklingen lässt:

