Thema des Monats

Ist der Glaube an Gott irrational?

Philipp Möller, Mitbegründer der sog. „gottlosen“ Buskampagne, meint:

„Wer das Atom spalten kann und über Satelitten kommuniziert, der muss die dafür emotionale und intellektuelle Reife besitzen. Und eine Mythologie, die 2000 Jahre alt ist und von einer primitiven Hirtenkultur entwickelt wurde, wird uns dabei nicht weiterhelfen.

Auch Stephen Hawking, einer der renommiertesten Astrophysiker unserer Zeit, negiert die Existenz eines Gottes: „Das Universum braucht keinen Gott.“

Richard Dawkins, Biologe und der wohl bekannteste Vertreter des „Neuen Atheismus“ teilt diese Ansicht, denn die Wissenschaft biete eine „überzeugendere Erklärung“ des Universums. Er bezeichnet den Glauben an Gott als Wahnvorstellung.

Es gibt aber auch Wissenschaftler, die das anders sehen:

Harald Lesch ist Deutschlands wohl bekanntester Astrophysiker und zudem Naturphilosoph, Fernsehmoderator und Hochschullehrer.

Harald Lesch glaubt an Gott und bezeichnet sich als „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle“ .

Er sagt:

„Auf das Argument, Naturwissenschaft und Glaube schlössen sich aus, antworte ich: Freund, Du hast keine Ahnung von Naturwissenschaft.“

Auf einer Podiumsdiskussion gingen Wilhelm Vossenkuhl (Philosoph und emeritierter Professor für Philosophie an der LMU München) und Harald Lesch auf die Ansichten von Richard Dawkins und Stephen Hawking zum Zusammenhang von Glaube und Naturwissenschaft ein.

Auch John Lennox, emeritierter Professor für Mathematik der University of Oxford, ist anderer Meinung als Stephen Hawking und Richard Dawkins, die seiner Meinung nach Gott als Lückenbüßer-Gott festlegen, obwohl es in der biblischen Schöpfungsgeschichte eben nicht heißt „Am Anfang schuf Gott die Dinge, die wir nicht verstehen“. Lennox spricht von einer großen Verwirrung und legt sein Gottesbild dar.

Francis Collins ist ein US-amerikanischer Genetiker und Direktor des National Institutes of Health. Seit 1993 leitete er das Humangenomprojekt, in dem Hunderte von Wissenschaftlern an der vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Erbguts arbeiteten.

Als ehemaliger Atheist ist Collins heute gläubiger Christ und gilt als einer der prominentesten Verfechter des Konzepts einer theistischen Evolution. Seiner Ansicht nach sind christlicher Glaube und Evolutionstheorie vollständig miteinander vereinbar. Konzepte der Kreationisten weist Collins dagegen entschieden zurück.

Sein Verständnis von Wissenschaft und Glaube legte Francis Collins im Buch „Gott und die Gene: Ein Naturwissenschaftler begründet seinen Glauben“ dar.

Im YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“ wurde Harald Lesch vor kurzem mit der Zuschauerfrage „Kann es Gott aus wissenschaftlicher Sicht geben?“ konfrontiert.

Auch Max Planck, der als Begründer der Quantenphysik gilt und 1919 den Nobelpreis für Physik erhielt, ging von einem Schöpfer aus. Der Mensch habe die Wahl zwischen zwei Arten der Einstellung…

Was sagen eigentlich Theologen?

Stephen Hawking definiert Gott als einen Begriff den Menschen für das setzen, was sie nicht verstehen. Das sehen Theologen anders.

Papst Benedikt XVI. veröffentlichte 2006 die Enzyklika Deus caritas est („Gott ist [die] Liebe“), in der er sich der grundlegenden Botschaft des christlichen Glaubens zuwendete und gleichsam bei der „Kernkompetenz“ der Kirche ansetzte: der Botschaft von der liebevollen Zuwendung Gottes zu den Menschen und der menschlichen Antwort in Gottes- und Nächstenliebe.

Weiter erklärt Stephen Hawking, dass die Welt nicht an sechs Tagen entstanden ist und die Wissenschaft eine überzeugendere Antwort liefere. Das sehen Theologen genauso.

Dass die Bibel keine Schrift zur Erklärung physikalischer oder biologischer Zusammenhänge ist, äußern auch Theologen wie z. B. die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann oder der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Für Erzbischof Schick entsteht durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse

„kein Widerspruch zwischen christlichem Glauben und Wissenschaft“.

Gleichermaßen gelte für die Theorie des „Urknalls“ wie auch für das Higgs-Boson, dass ihnen ein göttlicher Schöpfungsakt zugrunde liegen müsse.

Quelle: welt.de

Margot Käßmann antwortete aktuell, gefragt nach der Schöpfung der Welt an sieben Tagen:

„Die Schöpfungsgeschichte ist ein wunderbares Bild. Sie ist die großartige Erzählung eines frommen Menschen, der die Schöpfung durch Gott beschreibt. Aber natürlich ist klar, dass der physikalische Vorgang nicht in sieben Tagen stattgefunden hat. Nur, ich kann das zusammendenken. Der verstorbene Physiker Hans-Peter Dürr hat gesagt, dass kein Mensch erklären kann, woher die Energie des Urknalls kam. Es gibt ja auch ein Staunen über die Welten des Kosmos, die wir überhaupt nicht kennen und entdeckt haben. Also, ich kann in der Schöpfung trotzdem göttliche Kraft sehen.“

Quelle: mallorcamagazin.com

Ein lesenswertes Interview zum Zusammenhang von Glaube und Naturwissenschaft mit Pater Christoph Gerhard (Wirtschaftschef der Abtei Münsterschwarzach und Hobbyastronom) gibt’s unter domradio.de

Pater Christoph Gerhard (Wirtschaftschef der Abtei Münsterschwarzach und Hobbyastronom):

„Wenn ich Naturwissenschaft betreibe, spielt zunächst mein Glaube überhaupt keine Rolle. Da geht es um eine andere Methode. Und bei meinem Glauben kann dir die Naturwissenschaft erzählen, wie groß eigentlich Gott sein muss. Und von der Seite aus finde ich es ungemein spannend, Wisssenschaft zu betreiben. Es gehört einfach zu meinen Glauben mit dazu.“

Buchempfehlung zum Thema: Der Arzt und Theologe Manfred Lütz hat ein sehr lesenswertes Buch zum Thema „Gott“ geschrieben, nach dessen Lektüre allzu einfache Antworten schwer fallen werden.

Lütz sagt:

„Die jüdisch-christliche Tradition glaubt daran, dass Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen hat. Das heißt: Gott ist der Welt transzendent, er ist nicht gleich mit der Welt.“

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