
Pater Christoph Kreitmeir: „Gott kennt sich aus im Auf und Ab des menschlichen Lebens“
In seiner Predigt zum 2. Sonntag nach Weihnachten (Lesung: Eph 1, 3-6.15-18; Evangelium: Joh 1,1-5.9-14) betont unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, dass Gott den Menschen durch die Geburt seines Sohnes „ewigkeitsfähig“ gemacht hat.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
„I´m dreaming of a white christmas …“
Dieses Lied haben wir in den letzten Wochen auf allen Kanälen gehört und es wollte in uns eine Weihnachtsidylle mit leichtem Schneefall und weißer Landschaft wecken.
Weiße Weihnachten haben wir nur noch selten, überhaupt so richtig eingeschneite Landschaften, wie wir sie noch vor 20 oder 30 Jahren kennen. Einerseits gibt es da ganz schön viel Einschränkungen durch diese Witterung, andererseits verzaubert so ein Winter unsere Landschaft aber wirklich in eine Zauberlandschaft und unsere Seelen kommen zur Ruhe …
Ich erinnere mich an einen Nachmittag an Neujahr vor vielen Jahren als ich durch die Landschaft wanderte und dabei die vom Nebel, der zum Reif geworden war, wie in eine Zuckerschicht eingehüllten Zweige und Äste der Bäume bewunderte. Es fiel mein Blick auf eine Szene, die sich in meine Seele tief eingeprägt hat: Ein weißes Ackerfeld grenzte sich kaum vom nebligen Himmel ab. Der Himmel ging fast nahtlos in die Erde über …
Der Himmel ging fast nahtlos in die Erde über … Der Himmel ist auf die Erde gekommen…
Liebe Schwestern und Brüder, genau dieses haben wir an Weihnachten vor gut einer Woche gefeiert:
Der Himmel ist auf die Erde gekommen. Gott hat den Menschen durch die Geburt seines Sohnes „ewigkeitsfähig“ gemacht.
Gott „hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch die Gemeinschaft mit Christus im Himmel“, so haben wir im Brief des Apostels Paulus an die Epheser gehört. Er „hat uns aus Liebe im voraus bestimmt, seine Söhne und Töchter zu werden.“
Wenn wir diese Worte an uns heranlassen, dann spüren wir: Wir sind mit „allem“ Segen gesegnet, nicht nur mit „etwas“ Segen.
Himmel und Erde verschwimmen ineinander – das sah ich an jenem Nachmittag und dann fiel mir noch ein Herz auf, das jemand in den Schnee eingemalt hatte. Ich dachte mir: Schau, es kann noch so kalt sein und neblig trüb, da gibt es jemand, der am Neujahrstag ein Herz in den kalten Schnee malt, weil er Liebe im Herzen verspürt …
Und dieser Gedanke passt wunderbar zu den tiefen Worten aus dem Johannesevangelium, wo es heißt: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.“ Gleichsam aus der Fülle des liebenden Herzens fließt über die Hand ein gemaltes Herz in die Kälte des Schnees …
Liebe Schwestern und Brüder, gut eine Woche nach Weihnachten kommt es darauf an, dass wir uns genau diesen Blick bewahren und – trotz allem – sehen und spüren, dass wir beschenkt, begnadet, gesegnet sind. Sich diesen Blick für die restlichen Tage des neuen Jahres zu bewahren, darauf kommt es für mich an. Dieser Blick, den wir an Weihnachten so lieben, wenn Kinderaugen uns entgegenstrahlen und sich unverdorben über Weihnachten und sein Geheimnis freuen können.
Nur in der offenen, einfachen Haltung eines Kindes werde ich etwas vom Weihnachtsgeschehen erahnen und bewahren, in der Haltung des dankbaren Sich-Beschenken-Lassens, in der Haltung des Staunens und Bewunderns.
Erwachsene wollen gerne alles rational erklären und verstehen und doch sehnen sie sich nach echter Offenheit, echter Erfahrung, echter Liebe, die meistens nicht rational und vernünftig sind.
Die Menschwerdung Gottes an Weihnachten ist auch so eine Erfahrung, die wir nicht erklären können, sondern nur emotional erfahren.
Was für ein Weihnachtsgeschenk von Gott: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“. Das kann ich nicht begreifen, ich kann nur staunen, danken und aus diesem Geschenk heraus immer wieder neu beginnen.
Gott ist Mensch geworden, Gott kennt sich aus im Auf und Ab des menschlichen Lebens.
Er wird an meiner Seite sein, an meiner Seite bleiben und mich begleitend stärken. Mich und uns alle hier … Amen.

