
Pater Christoph Kreitmeir: „Eine tiefe Zu-Frieden-Heit und ein wahres Glücksempfinden bekommen wir, wenn wir die Herausforderungen des Lebens als Zu-Mut-ungen Gottes ansehen und als Chancen annehmen“
In seiner Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: Jer 20, 7-9; Evangelium: Mt 16, 21-27) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir in Auslegung der Lesung und des Evangeliums, was es bedeutet, aus tiefster Überzeugung, Christ zu sein.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Erinnern Sie sich mit mir nochmals an die Worte der Lesung, wo der Prophet Jeremia davon spricht, dass er sich von Gott hat betören lassen, dass er zum Gespött der Leute wurde, dass er von Gott nicht loskommt und ein Feuer in seinem Herzen spürt … Kennen Sie so etwas?
Sie haben sich für etwas, für jemanden entschieden und das hat Konsequenzen. Jede Entscheidung für etwas, für jemanden, zieht zeitgleich die Entscheidung gegen etwas, gegen jemanden nach sich. Alles hat seinen Preis. Wenn man aber weiß wofür, dann kann man Entscheidungen leichter treffen und charakterstark durchhalten. Wenn man´s aber nicht (mehr) weiß, dann werden Entscheidungen zur Qual.
„Der Mensch erträgt fast jedes Wie, wenn er weiß wofür.“ (nach Friedrich Nietzsche) Dieser Satz spricht davon, dass wir immer um ein Wofür suchen sollen, um die vielen „Warum“ in unserem Leben aushalten zu können, um zu wissen, wofür und für wen man lebt. Wer dies weiß, dem wachsen ungeahnte Kräfte zu.
Der Prophet Jeremia gehört nicht mehr sich selbst, er hat sich von Gott betören lassen. Auch, wenn er sich von Gott lossagen wollte, es würde nicht gehen, weil ein Feuer – das Feuer, das jeder kennt, der von Gott berührt und betört wurde – , in ihm brennt. Es wird leichter zu ertragen, wenn er sich zu Gott bekennt und für Gottes Sache eintritt. Jeremia lebt in einem regelmäßigen Dialog mit Gott, der ihn in seinen Bann gezogen hat. Sein Verhältnis zu seiner Umgebung hat sich dadurch verändert, für ihn ist die Wahrnehmung Gottes zu seiner eigenen geworden. Er sieht die Verlogenheit und Falschheit hinter so vielen Dingen … Er muss als Prophet für Gott sprechen und kommt damit natürlich bei den Leuten meistens nicht gut an.
Den Konflikten ausweichen, sich selbst schonen, nicht mehr an IHN denken, ist aber kein gangbarer Weg für ihn. Er hat es versucht. Er leidet am Unverständnis und am Spott der anderen, an der eigenen Isolation, aber er gehört sich selbst nicht mehr – das ist wichtig!
Wie ein Verliebter, der seine Liebe in dichterische Sprache bringt, spricht er vom Feuer im Herzen, eingeschlossen in seinem Inneren …
Seine Wunde ist seine tiefste Kraftquelle. Dies geht über sein Begreifen und über das einfache Glücklichsein hinaus.
Und so sind wir bei JESUS, der Petrus im Evangelium so hart zurechtweist, weil dieser ihn von seinem von Gott vorgezeichneten Weg abbringen will. Jesus sagt einen schweren und einen so wahren Satz: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“
Jesus steht vor der Entscheidung: Was bin ich bereit, für meine Überzeugung auf mich zu nehmen? Was heißt Leben, wenn man sich und seine Überzeugungen, wenn man sein tiefstes Inneres verleugnen soll?
Und Jesu Antwort ist klar: wenn es nicht anders geht, dann muss man den Preis zahlen, das Leid annehmen und ertragen. Und es gibt viele Situationen, wo die Liebe und die Menschlichkeit nur so zu retten sind.
Haben Sie sich eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, was denn geworden wäre, wenn Jesus sich von Petrus hätte umstimmen lassen? Dann hätten wir keinen Grund, heute am Sonntag zusammen zu kommen und unsere Erlösung zu feiern.
Und so verstehen wir auch klarer diesen Kernsatz aus dem heutigen Evangelium: „Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer es aber um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen für das ewige Leben.“
Unser Leben ist oft von schwierigen Wegstrecken gezeichnet. Sie bleiben keinem von uns erspart. Wie schnell gehen uns dann dunkle Gedanken im Kopf herum und kommen uns über die Lippen: „Hätte ich doch … mich anders entschieden … mich getrennt … den leichteren Weg gegangen … der Nachfolge Jesu entsagt …“
Wer diesen Weg geht, kommt vom Regen in die Traufe, wird innerlich schwächer, anfälliger für Falschpropheten und Wege des kurzen Glücks, die aber einen Katzenjammer hinterlassen. Eine tiefe Zu-Frieden-Heit und ein wahres Glücksempfinden bekommen wir, wenn wir die Herausforderungen des Lebens als Zu-Mut-ungen Gottes ansehen und als Chancen annehmen, auf diesem Weg zum Leben zu kommen, zu einem Leben nach der Art Gottes, damit das Feuer im Herzen nicht erlischt. Ausgelöschte Lebensfeuer, kalte und leere Seelen gibt es schon viel zu viele. Amen.
Hinweis: Mehr Infos zu und geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite:

