
Pater Christoph Kreitmeir: „Die Erfahrung von Liebe verändert das Leben eines Menschen“
Seine Predigt zum 30. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 1.Thess 1,5-10; Evangelium: Mt 22,34-40) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir unter die Überschrift „Liebe, eine göttliche Lebenskraft“.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Im Evangelium des heutigen Sonntages hörten wir von dem Wichtigsten unseres Glaubens. Wissen Sie noch, was das Wichtigstes unseres Glaubens ist? … Die Liebe !
Die Gottesliebe über alles. Und die Nächstenliebe, die gleich wie die Selbstliebe sein soll.
Liebe … Unser früherer Papst Benedikt XVI. hatte eine päpstliche Lehrschrift genau über das Wichtigste unseres Glaubens mit folgendem Titel geschrieben: Deus caritas est – Gott ist die Liebe.
Und der große jüdische Religionsphilosoph Martin Buber sagte einmal, dass das am meisten missbrauchte Wort auf dieser Welt das Wort „Liebe“ ist. Wenn Gott die Liebe ist, dann ist folgerichtig auch das Wort „Gott“ unendlich missbraucht worden … bis heute.
„Welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz?“ wurde Jesus von einem Gesetzeslehrer gefragt. Jesu Antwort ist erhellend und befreiend zugleich und sie ist die große Zielmarke für jeden Menschen, der sich Christ nennen möchte.
Das wichtigste Gebot im Gesetz ist Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.
Über Jahrhunderte galt eher die Gottesfurcht oder die Angst vor Gott an der Stelle von Gottesliebe. Und die Nächstenliebe war für Christen die Leitlinie Nummer Eins. Die Selbstliebe wurde dabei nicht nur vergessen, sie war moralisch verpönt und wurde als Egoismus gebrandmarkt. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich da Gott sei Dank einiges verändert, die Liebe zu Gott und das „wie dich selbst“ wurden neu entdeckt.
Wenn ich die Frage des Gesetzeslehrers an Jesus etwas umformuliere und an uns Heutige richte, dann kommen interessante Antworten dabei heraus. „Was ist das Wichtigste in deinem Leben?“
Wenn man Umfragen glauben will, dann ist das Wichtigste im Leben von heutigen Menschen – gläubig, andersgläubig oder ohne religiösen Bezug – die Gesundheit, Liebe und Beziehungen, Selbstbestimmung, eine sinnvolle Arbeit, Glück, Heimat, Zufriedenheit und Sinn. Leider gibt es, wenn man führende Politiker oder Wirtschaftsbosse weltweit ansieht, auch andere Werte, die für diese dann das Wichtigste im Leben ist: Macht, Geld, Einfluss, Kariere und ähnliches mehr.
Trotzdem sticht aber die Liebe immer wieder hervor, sie hat eine herausgehobene Stellung in der Wertehierarchie von uns Menschen.
Liebe … Uns alle bewegt sie und wir spüren, wenn sie unser Leben ergriffen hat, dass wir verändert werden, manchmal bis in den Kern unseres Seins.
Die Erfahrung von Liebe und Verliebtsein verändert das Leben eines Menschen.
Nicht selten löst sie eine Art seelischen Wachstumsschub aus. Dies ist auch leicht verständlich. Wenn sich jemand geliebt fühlt, festigt dies das Selbstwertgefühl und führt zu einer positiven Lebenseinstellung.
Ich möchte Ihnen heute einen für mich als schönsten empfundenen Text über die Liebe nahe bringen. Er stammt aus dem sehr lesenswerten Büchlein „Der Prophet“ von Khalil Gibran und lautet „Von der Liebe“. Sie finden ihn mehrfach im Internet, wie z. B. hier:
Der Dichter Khalil Gibran beschreibt die Liebe nicht nur als ein Gefühl, sondern als eine göttliche, alles umfassende Kraft.
Lassen Sie diese Zeilen an sich herankommen und Sie werden die Macht der Liebe spüren – und sei es nur kurz. Wenn Sie dies erleben können, dann werden Sie merken, welchen Nachhall dieses „göttliche Gefühl“ haben kann. Dann werden Sie auch verstehen, mit Kopf, Herz und Intuition, was Jesus uns sagen wollte. Amen.
Hinweis: Mehr Infos zu und geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite:

