
Pater Christoph Kreitmeir: „Gott schützt seine Familie“
In seiner Predigt zum Fest der Heiligen Familie (Lesung: SIR 3,2-6. 12-14; Evangelium: MT 2,13-15. 19-23) betont unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir die Bedeutung der Familie für unser Leben.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Familie – ist für viele ein Ort der Geborgenheit. Für andere ist es ein Ort der Enttäuschungen und Traurigkeiten.
Vielleicht war beides, Geborgenheit oder Enttäuschung, auch an diesem Weihnachtsfest für viele Realität. An Weihnachten, gerade an Weihnachten wünschen sich ganz viele Menschen einen Hort der heilen Welt, für den das Bild „Familie“ steht.
Familie hat auch mit Heimat zu tun.
Wir brauchen Heimat. Heimat in diesem Zusammenhang verstanden sind Menschen, mit denen ich schöne und gute, aber auch schwere und belastende Zeiten teilen kann. Heimat sind Menschen, die mich annehmen, die für mich persönlich da sind, auch und vor allem, wenn ich krank bin oder wenn ich alt bin. Unter Heimat verstehe ich Menschen, die Ja zu mir sagen, zu meinen guten Seiten wie auch und gerade zu meinen Fehlern und Schwächen. Menschen können mir auf diese Weise Heimat sein. Ich selbst kann das auch, ich selbst kann auch Heimat für andere geben und schenken.
Jesus Sirach spricht zum Beispiel von der Achtung der Kinder den Eltern gegenüber. Wenn der Weisheitslehrer vom „Schätze sammeln“ spricht, wenn er denen „Erhörung ihrer Gebete“ verspricht, wenn er ein langes Leben denen verheißt, die ihre Eltern ehren, dann zeigt er, wie wertvoll dieses Verhalten vor Gott ist und wie sinnvoll es ist, Achtung vor den Eltern zu haben. Es gilt, für die Eltern da zu sein, wenn sie im Alter krank und gebrechlich sind.
Die Liebe zu den Eltern deckt viele Sünden zu.
Hat der Weisheitslehrer Jesus Sirarch aber daran gedacht, wie belastet gerade das Verhältnis zu den Eltern sein kann? Die Schuld dafür kann bei beiden liegen. Eltern und Kinder können sich im Laufe der Zeit Verletzungen und Wunden zugefügt haben. Versöhnung ist da schwer.
Jesus Sirach spricht ganz wichtige Eigenschaften an, die für ein Zusammenleben wichtig sind. Es sind Geduld, Rücksichtnahme, Barmherzigkeit und Einfühlung.
Jeder braucht diese Erfahrungen. Jeder macht immer wieder die Erfahrung von Schwäche. Wenn wir Rücksicht auf die Eltern im Alter nehmen, dann geben wir ihnen das, was sie uns hoffentlich geschenkt haben, als wir Kinder waren. Und, wenn nicht, dann können wir durch unser Trotzdembeispiel und Über-unseren-Schatten-springen
Wie aber können wir das alles leben? Dazu ist eines notwendig – die gegenseitige Liebe. An Weihnachten haben sich die meisten von uns besonders schön angezogen. Paulus nennt eine Kleidung anderer Art: „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!“ „Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält!“
Wenn in der Bibel von Kleidung gesprochen wird, dann geht es um eine tiefe innere Haltung. Diese Kleidungsstücke, diese „inneren Haltungen“ sind es, von denen unser Miteinander bestimmt werden soll. Diese inneren Haltungen, auch Tugenden genannt, können wir uns erwerben, uns redlich darum bemühen.
Familie ist immer schon gefährdet gewesen.
Die „Heilige Familie“ war ebenfalls gefährdet. Man trachtete dem Kind nach dem Leben. Josef, Maria und Jesus mussten fliehen, wie so viele Familien heute auch fliehen müssen. Glück ist zuweilen sehr brüchig und fragil. Doch im Evangelium fällt mir eines auf.
Gott schützt seine Familie.
Drei Mal hat Josef einen Traum, indem ihm der Engel Gottes sagt, was er zu tun hat. Durch die Weisungen im Traum findet Josef die Heimat auf Zeit, die Gott ihm zugedacht hat. Ein Traum ist eine von vielen Möglichkeiten, in denen Gott Menschen seinen Willen zeigt.
Josef und Maria waren ganz offen für den Willen Gottes. Sie lebten in tiefer Verbundenheit mit Gott. Darum konnten sie Gottes Willen erkennen, kamen mit ihm in Schwingung. Sie waren offen für Gottes Anruf. Eine Familie kann auch ein Ort sein, an dem wir das Glauben lernen, Eltern wie Kinder. Sie kann ein Ort sein, wo wir gemeinsam in den Glauben hineinwachsen. Familie kann ein Ort sein, in dem wir miteinander uns auf dem Weg wissen zu Gott, wo wir mit Gott verbunden leben.
Ein echter Glaube an Gott kann Kraft geben, die Herausforderungen, die ein Zusammenleben in der Familie mit sich bringt, anzunehmen.
Der Glaube an Gott kann helfen, in der Liebe und Güte zu wachsen und zu reifen. Diese gültige Weisheit wurde auf wunderbare Weise in dem Lied aus Taize „Ubi caritas et amor, deus ibi est“, „Wo die Liebe und die Güte ist, da wohnt Gott“ zum Ausdruck gebracht. Der Glaube, die Liebe und die Güte und dadurch Gottes Anwesenheit kann auch unsere Familien in Anfechtungen und Schwierigkeiten schützen und wie ein Kitt sein, der alles zusammenhält. Amen.
Hinweis: Mehr geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite unter:


