
Pater Dr. Peter Uzor: „Die Emmausgeschichte ist unser eigener Lebensweg“
Seine Predigt zum Evangelium am Ostermontag (Lk 24,13-35) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor unter die Überschrift „Bleib bei uns, Herr – vom Dunkel zur Begegnung“. Das große Thema ist Begegnung mit dem Herrn nach seiner Auferstehung.
Anbei die Worte seiner Predigt:
Es gibt Worte, die leise sind – und doch eine ganze Welt in sich tragen: „Wir aber hatten gehofft …“ (Lk 24,21).
Das ist kein lauter Aufschrei. Es ist der Satz eines Herzens, das müde geworden ist. Ein Satz, den auch wir kennen. Vielleicht nicht laut ausgesprochen – aber tief in uns: Wir hatten gehofft … auf Heilung, auf Versöhnung, auf einen neuen Anfang. Und dann kam es anders.
Das heutige Evangelium nimmt uns mit auf einen solchen Weg – den Weg nach Emmaus. Zwei Jünger gehen fort von Jerusalem. Weg vom Ort der Hoffnung. Weg von den Ereignissen, die sie nicht verstehen. Sie gehen – aber innerlich stehen sie still. Gefangen zwischen Enttäuschung und Ratlosigkeit.
Und genau dort geschieht das Entscheidende: Der auferstandene Herr kommt ihnen entgegen. Nicht als strahlender Sieger. Nicht mit überwältigender Macht. Sondern als Weggefährte. Als einer, der mitgeht. Der zuhört.
Das ist vielleicht das Erste, was wir heute lernen dürfen:
Christus kommt nicht erst dann, wenn unser Glaube stark ist. Er kommt gerade dann, wenn er schwach geworden ist.
Er geht mit uns – auch auf unseren „Emmauswegen“. Auf den Wegen, die wegführen von Hoffnung.
Auf den Wegen der Enttäuschung, der inneren Müdigkeit, vielleicht auch des Rückzugs.
Jesus drängt sich nicht auf. Er fragt: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ (vgl. Lk 24,17). Er lässt sie erzählen. Er nimmt ihre Trauer ernst.
Wie wohltuend ist das: Gott hört zu. Er korrigiert nicht sofort. Er belehrt nicht von oben herab. Er geht den Weg des Herzens.
Und dann – ganz behutsam – beginnt er, ihnen die Schrift zu erschließen. „Er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der ganzen Schrift über ihn geschrieben steht“ (Lk 24,27).
Die äußere Situation hat sich noch nicht verändert. Das Kreuz steht immer noch im Raum. Und doch geschieht etwas: Ihr Inneres beginnt sich zu verwandeln. Später sagen sie: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete?“ (Lk 24,32).
Das ist der zweite wichtige Schritt:
Die Auferstehung beginnt oft nicht außen – sondern innen. Als neues Verstehen. Als neues Licht. Als ein leises Brennen im Herzen.
Wie oft wünschen wir uns, dass Gott unsere Umstände sofort ändert. Aber viel öfter verändert er zuerst unseren Blick. Er hilft uns, unser Leben im Licht seines Planes zu sehen.
Auch die erste Lesung aus der Apostelgeschichte macht das deutlich: Petrus verkündet mit großer Klarheit: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt“ (vgl. Apg 2,24). Was wie ein Scheitern aussah, war in Wahrheit Gottes Heilsweg. Das Kreuz war nicht das Ende. Es war der Durchgang.
Und dann kommt im Evangelium der entscheidende Moment: das Mahl. „Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen“ (Lk 24,30). Da gehen ihnen die Augen auf. Im Brechen des Brotes erkennen sie ihn. In der Eucharistie.
Liebe Schwestern und Brüder, das ist kein Zufall.
Hier zeigt uns das Evangelium, wo auch wir heute dem Auferstandenen begegnen können: im Wort Gottes – und im Brechen des Brotes. Hier, in jeder Eucharistie, geschieht Emmaus neu. Hier geht der Herr mit uns. Hier spricht er zu uns. Hier schenkt er sich uns.
Und was geschieht danach? Die Jünger bleiben nicht sitzen. Sie brechen auf – sofort. Sie kehren zurück nach Jerusalem. Aus Resignation wird Sendung. Aus Enttäuschung wird Zeugnis. „Der Herr ist wirklich auferstanden!“ (Lk 24,34)
Das ist das Ziel des Glaubens: nicht nur Trost zu empfangen – sondern Zeugen zu werden.
Liebe Gemeinde, die Emmausgeschichte ist nicht nur eine schöne Erzählung. Sie ist unser eigener Lebensweg. Auch wir gehen manchmal mit schweren Herzen. Auch wir verstehen nicht alles. Auch wir sagen vielleicht: Wir hatten gehofft …
Aber das Evangelium sagt uns heute: Du gehst nicht allein.
Der Auferstandene ist längst an deiner Seite. Auch wenn du ihn nicht erkennst. Auch wenn dein Glaube müde geworden ist. Er geht mit dir. Er spricht zu dir. Er entzündet dein Herz. Und vielleicht bleibt uns am Ende nur ein einfaches Gebet – das aber alles sagt: „Bleib bei uns, Herr; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt“ (Lk 24,29).
Ein Gebet, das wir auch heute sprechen dürfen: Herr, bleib bei uns – in unseren Fragen, in unserer Müdigkeit, in unserer Hoffnungslosigkeit. Und er wird bleiben. Denn er ist der Auferstandene. Der, der Leben schenkt. Der, der unsere Wege verwandelt.
Amen.
Anbei das Lied „Bleib bei uns, Herr“, das die Worte von Pater Peter nachklingen lässt:


