
Pater Christoph Kreitmeir: „Gottes Wort will gehört werden“
Seine Predigt am 7. Sonntag nach Ostern (Lesung: Apg 1, 12-14; Evangelium: Joh 17,1 – 11) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir unter die Überschrift „Gottes Wort will gehört werden“.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Stellen Sie sich bitte mal Folgendes vor: Eine Familie hat ein sehr altes Haus geerbt. Um es für die neue Zeit wohnfähig zu machen, bedarf es einiger Anstrengungen. So auch das Entrümpeln von Keller und Dachboden. Tagelanges Aufräumen auf dem Dachboden brachte viel hervor, das weggeworfen werden kann. Aber Gott sei Dank wurde das Aussortieren gründlich gemacht. Denn es wurde ein altes vergilbtes Schriftstück gefunden mit Musiknoten darauf. Und darunter konnte man den Namen L. v. Beethoven entziffern.
Der neue Hausbesitzer brachte das Schriftstück zu einem Kundigen, der es dann an einen Musikprofessor weitergab. Und dieser gab es in kundige wissenschaftliche Hände. Das Ergebnis war: Dieses kleine Musikstück war eine bisher unbekannte kleine Komposition dieses berühmten Musikers. Unbezahlbar. Besonders wertvoll!
Wertvoll, weil es von Ludwig van Beethoven war und bisher unbekannt. Wertvoll auch deswegen, weil es nun über die ganze Welt verbreitet werden konnte. Aber richtig wertvoll wird es erst, wenn die Noten auf dem Blatt durch ein Klavier oder andere Musikinstrumente zum Leben erweckt werden.
Die Noten wollen zum Leben erweckt werden, sie wollen Musik lebendig werden lassen, sie wollen unsere Seele in Schwingung versetzen und zum Klingen bringen.
Sehr ähnlich ist es mit den Worten Jesu, die wir gerade in seiner Abschiedsrede gehört haben. Sie sind zunächst nur Buchstaben auf Papier. Dieses Papier will von uns im Gerümpel des Alltages als etwas Besonderes entdeckt werden. Und es will gelesen, gehört werden. Es will vom Papier aus Leben in unserer Seele erwecken.
Buchstaben alleine sind nur Buchstaben. Sie können, wenn sie wertvollen Inhalt haben und zum Leben erweckt werden, Seelenleben, Menschenleben zu neuem Leben erwecken.
Die Worte der heiligen Schrift, die Worte Jesu sind Geist und Leben (vgl. Joh 6, 63), die eine spirituelle Kraft besitzen und wahres, ewiges Leben vermitteln.
Wir selbst sind die Instrumente durch die Noten zu lebendigen Melodien werden können. Wir selbst sind der Mund und die Hand, durch die Worte der heiligen Schrift lebendige und heilende Worte werden können. Wir selbst sind das Werkzeug und das Medium, durch das Gottes Trost und Treue, seine Güte und Liebe zu den Menschen kommen.
Jesus möchte, dass seine Melodie, die er in die Welt gebracht hat, nie vergessen wird. Er möchte, dass sie immer wieder entdeckt und gespielt wird – in unseren persönlichen Gebeten, im Gottesdienst, im Alltag.
Der Heilige Geist, um den wir in diesen Tagen vor dem Pfingstfest beten, er wird dafür Sorge tragen, dass diese Melodie harmonisch und voll erklingt und dass keine Mißtöne entstehen. Er wird dafür sorgen, dass diese Melodie das bewirkt, wozu Jesus in diese Welt gekommen ist: dass wir erkennen, wie sehr Gott an uns gelegen ist und dass er wirklich Vater ist, der nicht aufhört, uns zu neuem Leben zu rufen. Amen.
Anbei ein Kirchenlied, das die Worte von Pater Kreitmeir nachklingen lässt:


