
Pater Christoph Kreitmeir: „Die Gastfreundschaft ist in allen Religionen ein hohes Gut“
Seine Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 2 Kön 4,8-11.14-16; Evangelium: Mt 10, 37-42) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir unter die Überschrift „Gastfreundschaft lohnt sich“.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Mittlerweile bin ich nun über 40 Jahre im Orden der Franziskaner. Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo Franziskanerbrüder zum Betteln über Land gingen und die Menschen ihnen Kartoffeln, Eier, Weizen und vieles mehr gaben. Die Brüder brachten das Geschenkte dann in ihr Kloster und die Brüdergemeinschaft lebte zum Teil von diesen Naturalspenden.
Die Kollektierbrüder – so hießen sie – waren damals sehr geschätzt, sie brachten „Gott ins Haus“, waren meistens nicht so gestelzt wie die Priester, wussten von Heiratswilligen zwei Dörfer weiter und hatten nicht selten auch friedensstiftende Wirkung.
Diese Zeiten der über´s Land ziehenden Franziskaner, Kapuziner, Karmeliten und anderen Bettelorden ist längst vorbei. Der Bezug zur Kirche und seinen Vertretern ist leider distanzierter geworden.
In buddhistischen Ländern wie Thailand oder Sri Lanka zum Beispiel ist es bis heute eine Ehre und eine gläubige Pflicht, den Mönchen auf ihren Bettelgängen Essensgaben zu geben. Es verbessert das eigene Karma.
Im alten Israel gab es viele Propheten, Gottesmänner, die auch über Land zogen, Gott repräsentierten und einen guten Bezug zum gläubigen Volk hatten. Wir hören heute von Elischa, einem solchen Propheten. Er nimmt die Gastfreundschaft einer vornehmen Frau an, ja er kehrt immer wieder auf seinen Wegen über´s Land bei ihr ein. Die Gastfreundschaft dieser Frau und ihres Mannes ging so weit, dass sie ein Zimmer für ihn einrichteten, wo er sich zurückziehen konnte. Elischa erkundigte sich bei seinem ihn begleitenden Diener, wie er sich erkenntlich zeigen könnte. Dessen Botschaft war: „Die Frau ist kinderlos und ihr Mann ist schon alt.“ Kinderlosigkeit galt in archaischen Gesellschaften fast als Himmelfahrtskommando, weil dadurch die Versorgung im Alter nicht gewährleistet war. Elischa versicherte der Frau (und ihrem Mann) mit wunderschönen Worten, dass es sich wirklich lohnt, einen Gottesboten und somit Gott gastfreundschaftlich zu behandeln. Seine Worte waren: „Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen.“
Elischa ist ein Prophet, der Menschen erfahrbar macht, dass Gastfreundschaft Segen bedeutet und Segen bringt. Gottes Geist kann lebendig werden und Frucht bringen.
Auch Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, spricht in seinen heutigen Weisungen ebenso davon. Wer seine Jünger aufnimmt, der nimmt ihn auf und wer ihn aufnimmt, der nimmt Gott selbst auf.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil er Gottes Bote ist, wird selbst zum Beschenkten. Gastfreundschaft ist eine Win-Win-Situation. Jeder wird beschenkt und bereichert und spürt dabei Dankbarkeit und gegenseitige Wertschätzung. Dabei ist die materielle Beherbergung nicht das Wichtigste. Es geht um das Präsenzwerden von Gott mitten unter uns.
Armut wird dann zu Reichtum.
Demut zu Stärke.
Teilen zu Gewinn und Vermehrung.
Gottessehnsucht zu Erfüllung.
Wo Menschen sich auf Gott einlassen, passiert etwas, da verändert sich etwas.
Wenn Gott in einem Leben dann Bedeutung gewinnt, dann ändert sich nicht nur das persönliche Karma ins Positive, sondern man findet neue Orientierung, Stärke, Mut und Zuversicht. So jemand wird auch sein Kreuz sinnstiftend tragen und in so manchem Verlust einen Gewinn entdecken können.
Die Nachfolge Jesu führt immer wieder zu einem Miteinander mit Gleichgesinnten, um dann die Welt verändernde Botschaft Gottes auch dorthin bringen zu können, wo sie noch nicht ist.
Die Gastfreundschaft ist in allen Religionen ein hohes Gut, sie stiftet Beziehungen, weitet den Horizont und bereichert im Teilen.
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt!“ (Heb 12, 2)


