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Pater Kreitmeir: „Die ‚Verklärung‘ Jesu auf dem Berg ist kein Märchen“

In seiner Predigt zum 2. Fastensonntag (Lesung: Gen 12, 1-4; Evangelium: Mt 17, 1-9) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg als besondere „Erfahrung, die man in seinem Leben vielleicht einmal oder zweimal miterleben kann und nie mehr vergessen wird“.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Fast wie ein Traum oder ein Märchen kommt uns die heutige Erzählung vor, wo Verstorbene erscheinen oder eine Wolke spricht. Wir schauen gleichsam durch ein Fenster hinter unsere alltägliche Wirklichkeit. Und genau solche Erfahrungen sind wichtig in unserem Leben. Wir müssen ab und an Abstand nehmen vom Alltagstrott, eine andere Position einnehmen – auf einen Berg gehen – und unsere Sinne für Wahrheiten schärfen, die uns sonst durch alle möglichen Ablenkungen verborgen bleiben. Wenn ich das so schreibe oder sage, dann fällt mir auf, dass das genau der Sinn der Fastenzeit ist.

Die Erzählung des Matthäus zeigt uns Jesus im Beisein der drei ersten Apostel in einer Begegnung mit Gott, seinem Vater. Ähnlich wie schon bei der Taufe am Jordan bestätigt dieser ihn als Sohn Gottes. Jesus begegnet Mose und Elija, zwei sehr wichtigen Gestalten des Heilsgeschehens des Volkes Israel. Beide sind tot und doch erscheinen sie und sind in lebendigem Austausch mit Jesus. Jesus vollendet im Austausch mit ihnen das Heilswirken Gottes.

Drei Jünger Jesu dürfen das miterleben, dürfen Zeugen dafür sein, dass die jenseitige und diesseitige Welt miteinander verbunden sind und beide Welten das Wirken Gottes erfahren dürfen.

Um Jesus war eine Atmosphäre von Licht und einem Weiß, wie es diese Welt gar nicht kennt. „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht“, so heißt es. Dies darf man als die höchste Steigerung des Glanzes und der Ausstrahlung sehen, die sonst von ihm ausgingen. Es geschah, als er betete, als er mit dem Vater, dem Höchsten und Kostbarsten in Berührung kam, als er in der Gegenwart Gottes war.

Der Karmelit Reinhard Körner meint, dass auch wir die Chance haben, Gott in unserem Leben immer wieder ganz besonders zu begegnen. Er nennt das „Sich Gott vergegenwärtigen“.

Zunächst geht es um ein bewusstes daran Denken, dass das Wirklichkeit ist, woran ich glaube: Gott ist da, er ist anwesend, auch, wenn das für die normale Sinneswahrnehmung verborgen ist.

Und dann geht es um ein Üben. Wer sich diesem „Gott ist immer da“ immer wieder bewusst wird, wem dies gelingt, der wird ein lichtvolles, ein beglückendes Gefühl spüren und sich ganz tief in Seiner Liebe gehalten fühlen. Und er wird dieses Gefühl ausstrahlen.

Wenn das Edelste eines Menschen nach außen dringt, dann wird die ganze Gestalt, selbst die Kleidung anders wahrgenommen.

In Jesus ist der Kern seiner Persönlichkeit, die innerste Instanz, die er Vater nennt, durchgebrochen und hat die Umstehenden mit hereingezogen. Es hat sich das ereignet, was mit dem Reich Gottes gemeint ist.

Die „Verklärung“ Jesu auf dem Berg ist kein Märchen, kein Traum und auch kein Fantasieprodukt, sondern sie ist eine Erfahrung, die man in seinem Leben vielleicht einmal oder zweimal miterleben kann und nie mehr vergessen wird.

Der göttliche Kern in uns, der Geist und die Kraft Jesu Christi wollen immer wieder hervorbrechen wie ein Licht in der Nacht. Wenn dies geschieht, dann wird das Gegenüber spüren und „sehen“, dass hier ein Mensch mit einem besonderen Geheimnis vor einem ist. Die „Jesusnatur“ und die „Gottesgegenwart“ wecken dies in uns allen, wenn wir mit ihm in Verbindung bleiben. Und dann …, ja dann, können wir dieses besondere Licht auch bei anderen wecken und zum Leuchten bringen.

Amen.

Hinweis: 

In seiner Predigtnimmt Pater Kreitmeir Bezug auf eine Aussage des Karmeliten Reinhard Körner. Das Buch „Die Übung, in Gottes Gegenwart zu sein“ vom Karmeliten Bruder Lorenz wiederum prägte die Spiritualität von Papst Leo XIV.

siehe HIER