Christian Huber im PG-Interview: „Christ-sein ist für mich Lebenseinstellung“
Ist der christliche Glaube für eine Erziehung im 21. Jahrhundert outdated? Pädagoge, Politiker und Autor Christian Huber bezieht im PromisGlauben-Interview Stellung!
Foto: Nela Dorner
Christian Huber ist Erzieher und Leiter einer Kindertagesstätte in Fürstenfeldbruck.
In der Politik ist er für Bündnis 90 / Die Grünen aktiv, seit 2020 Stadtrat in Germering und in dieser Funktion auch Integrationsreferent. Seit 2023 ist er Mitglied des Bezirkstags von Oberbayern.
Als Autor hat er eine Erzieher-Kolumne beim Don Bosco Magazin. Überdies erschien kürzlich bei Don Bosco Medien das Kartenset „Den Jahreskreis erleben. 30 Mitmach-Ideen und Rituale“.
Im Interview mit PromisGlauben-Chefredakteur Markus Kosian sprach Christian Huber über sein vielseitiges Wirken und die Bedeutung des christlichen Glaubens dabei.
Markus Kosian (MK): Hallo Christian, du bist Erzieher und Leiter einer Kindestagesstätte. Was ist für dich heute die größte Herausforderung in der Erziehung und welchen Tipp hast Du zur Bewältigung?
Christian Huber (CH): Eltern werden heute in den sozialen Medien von allen Seiten mit Do’s und Dont’s versorgt, ob sie wollen oder nicht. Das Wichtigste ist:
Erziehung passiert durch Beziehung.
Auf der Beziehungsebene spielt sich alles ab: Verständnis, Nähe, Vertrauen und auch der gesunde Umgang mit Grenzen. Kinder brauchen einen guten Mix daraus.
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MK: Als Religionslehrer in der Berufsschule begegnet mir immer öfter die Grundhaltung „Die Kinder sollen sich später einmal selbst entscheiden, woran sie glauben“. Was sagst du zu dieser Auffassung und ist Religionspädagogik überhaupt noch zeitgemäß?
CH: Ein klares Ja, nicht nur wir Erwachsene haben oft Fragen, Kinder haben nicht weniger wichtige Fragen. Natürlich sollen Kinder selbst entscheiden, sie müssen sogar, nur so kann eine Entscheidung „echt“ sein und tragfähig. Damit sie aber zu einer Entscheidung kommen können, brauchen sie Zeit und Raum, um sich ihre eigenen Bilder und Begriffe zum Glauben zu bilden. Kinder haben ein Recht darauf bei dieser, wie bei jeder anderen Entwicklung auch, adäquat begleitet zu werden.
MK: Du hast kürzlich das Kartenset „Den Jahreskreis erleben. 30 Mitmach-Ideen und Rituale“ bei Don Bosco Medien veröffentlicht. Was war deine Motivation dazu und was bietet dieses Kartenset?
CH: Ich erlebe die Auseinandersetzung mit religionspädagogischen Inhalten als etwas sehr Schönes und vor allem auch Ganzheitliches: Die Kinder nehmen dabei viel mit. Mit dem Kartenset möchte ich Kolleginnen und Kollegen, sowie Eltern und Interessierte einladen, sich einfach zu trauen und Dinge auszuprobieren. Vieles ist nicht neu und anderes wiederum für die eine oder den anderen schon. Jeder kennt die Geschichte von Sankt Martin, der seinen Mantel teilt. Die Erfahrung, dass Licht sogar mehr wird, wenn man es teilt, ist eine tolle Ergänzung, um nur ein Beispiel zu nennen.
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MK: Furcht und Angst sind Gefühle, mit denen sich Kinder, aber auch Eltern und alle Menschen regelmäßig konfrontiert sehen. Welche Chance / Wirkung siehst du dabei in der Ressource Glauben?
CH: Angst ist heute so gegenwärtig wie schon lange nicht mehr und das ist beim Blick auf die Welt um uns herum auch kein Wunder. Nicht nur für Kinder, aber auch besonders für sie, kann es außerordentlich hilfreich und unterstützend sein, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man mit alle dem nicht alleine ist, dass alles in einem größeren Zusammenhang steht und – so glaube zumindest ich – das Böse nicht das letzte Wort hat.
MK: Der ganze Themenbereich Krankheit, Tod und Trauer ist etwas, das wir nachvollziehbarerweise von uns wegschieben und vor dem wir unsere Kinder so lange wie nur möglich bewahren wollen. Wie ist deine Haltung dazu?
CH: Ich kann das nur zu gut nachvollziehen. Trotzdem sage ich immer:
Das Thema Tod und Trauer meldet sich nicht an und klopft nicht vorsichtig an der Tür, es reißt die Tür auf und nimmt dann den ganzen Raum dahinter ein.
Es ist deshalb gut für Erwachsene dazu bereits eine Haltung entwickelt zu haben und für Kinder, wenn sie Bilder und Worte in ihrem Repertoire haben, um ihre Gefühle und Vorstellungen dazu zu beschreiben.
MK: Du warst 5 Jahre in der Jugendhilfe mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung tätig. Wie kann deiner Meinung nach Integration gelingen? Was sind Voraussetzungen auf Seiten der Gesellschaft sowie auf Seiten der Geflüchteten?
CH: Zusammengefasst: Respekt und Achtung. Vor jedem Menschen, unabhängig davon, wo er geboren wurde.
Unsere gemeinsame Basis muss das Grundgesetz sein.
Artikel 1 besagt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Daraus ergibt sich für mich ganz klar: Null Toleranz im Hinblick auf Gewalt und Verbrechen, aber auch im Hinblick auf menschenverachtendes Wording, wie es auch Politiker in unseren Breitengraden salonfähig gemacht haben.
Foto: privat
MK: Du bist auch Parteimitglied bei Bündnis 90 / Die Grünen und seit 2020 Stadtrat in Germering. Auf deinen Antrag hin hat sich Germering dem Bündnis „Kinderfreundliche Kommunen“ angeschlossen. Wie schaffen wir es, dass Kinderrechte in unserer Gesellschaft stärker in den Mittelpunkt rücken?
CH: Zunächst einmal durch das Bewusstmachen, dass die Wahrung Kinderrechte nicht „nice to have“ ist, sondern durch die Kinderrechtskonvention bindend. Kinderrechte sind Menschenrechte. Aber auf mein Recht kann ich nur bestehen bzw. es einklagen, wenn ich es kenne. Deshalb ist einerseits wichtig Kinder und Jugendliche altersgemäß zu informieren, aber auch tatsächlich zu beteiligen durch verschiedene Formen der Partizipation. Nur wenn Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, dass ihre Meinung zählt und nicht nur gehört wird, bleibt unsere Demokratie lebendig, nur so kann sie sich wieder stabilisieren.
MK: Du bist Pädagoge, Politiker, Autor und Christ. Mit PromisGlauben wollen wir den Dialog über den christlichen Glauben und die damit verbundene Werte über Statements von Personen des öffentlichen Lebens neu anregen. Lass uns abschließend noch etwas über dein Christ-Sein sprechen. Was bedeutet Christ-Sein für dich?
CH: Ich glaube, es klang auch in den anderen Fragen immer wieder an. So muss es für mich auch sein:
Christ-sein ist für mich nämlich Lebenseinstellung. Basis und Kompass im Hinblick auf den Alltag und die damit verbundenen Fragestellungen.
Für mich ist wichtig sich immer wieder zu vergewissern: Es steht alles in einem größeren Zusammenhang und wir Menschen sehen mit unseren Augen immer nur einen Ausschnitt, das Gesamtwerk ist der Ewigkeit vorbehalten.
MK: Wie bist du zum Glauben gekommen und wie hat sich dein Glaube im Laufe deines Lebens gefestigt?
CH: Ich wurde nie kirchlich erzogen oder dergleichen. Natürlich kam ich, beispielsweise durch meine Oma, mit Kirche in Berührung, ebenso durch den Religionsunterricht. Mich haben die Fragen des Glaubens aber immer interessiert, sodass ich mich schließlich zum Studium der Theologie entschieden habe.
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MK: Wie verbindest du deinen Glauben mit deinem Wirken als Erzieher und als Politiker?
CH: Ganz klar durch die Werte, die mir wichtig sind.
Ich möchte Gutes für die Menschen:
Für die Kleinen und ihre Eltern im Kindergarten, aber auch für die Menschen jeden Alters in Germering und Oberbayern. Seit kurzem bin ich nebenberuflich auch als Systemischer Berater tätig: Besonders hier merke ich häufig, dass Menschen nach Antworten suchen. Dabei gebe ich keine Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden, aber manchmal hilft es Menschen, wenn ich kurz erzähle, wie meine Antwort wäre.
MK: Lieber Christian, vielen Dank für dieses Interview. Vergelt’s Gott!
Mehr Infos zu Christian Huber gibt es:
- auf seiner Webseite www.chrishuber.eu
- auf seinem Insta-Account instagram.com/chris.ffb/
- Sein inspirierendes Kartenset „Den Jahreskreis erleben“ ist überall erhältlich, wo es Bücher gibt.
Hinweis:
Im KEG Pausengong Podcasts ging Christian Huber kürzlich mit Pfarrer Rainer Maria Schießler ausführlich der Frage nach, wie Kinder und Jugendliche in dieser unruhigen Zeit mit Sorgen, Zukunftsängsten und Trauer umgehen – und was ihnen wirklich hilft.








