Foto: Henning Schlottmann (User:H-stt), Vogel hans-jochen IMG 0974b, cropped, CC BY 4.0

Der früherer SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist, wie seine Ehefrau Liselotte mitteilte, am Sonntagmorgen im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Vogel war eine große Persönlichkeit im politischen Geschäft. Orientierung gab ihm der christliche Glauben, zu dem er sich ganz selbstverständlich bekannte.

Von 1960 bis 1972 war Hans-Jochen Vogel Oberbürgermeister von München, anschließend Bundesbau- sowie Justizminister, später Regierender Bürgermeister von Berlin. 1983 war er SPD-Kanzlerkandidat und von 1987 bis 1991 SPD-Parteichef.

Die BILD bezeichnete ihn in ihrer Würdigung zu seinem Tod als „Urgestein der Sozialdemokraten“ und „SPD-Legende“, der innerhalb der SPD „zeitlebens als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen“ gegolten habe.

Seit 2006 lebte er mit seiner Ehefrau im Münchner Altersheim „Augustinum“. Bereits beim Einzug in das Pflegeheim sei ihm und seiner Frau klar gewesen: „Das ist unsere letzte Station.“

Auch in dieser Lebensphase war Vogel ein gefragter Interviewpartner und Talkshow-Gast, dessen Meinung Gewicht hatte. 2014 war er Gast in der Sendung ‚Maischberger – Unser Rat der Weisen: Was zählt im Leben?‘. Damals sagte er mit Blick auf das Thema Tod, das in der Umgebung eines Altersheims zum Leben dazugehört:

„Der Tod ist einem in dieser Umgebung näher, weil von den 600 Bewohnern im Jahresdurchschnitt 60 sterben. Man wird also immer stärker damit konfrontiert, dass der Tod ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens ist. Da spielen auch religiöse Gedanken zunehmend eine Rolle. Wir hatten z.B. Zusammenkünfte, in denen über die einzelnen Bitten des ‚Vater Unser‘ gesprochen wurde. Also diese Dinge gewinnen, wenn der Tod nicht weit ab irgendwo passiert, sondern in der nächsten Nähe, schon erheblich an Bedeutung.“

Über seinen Glauben und sein Bild von Gott berichtete Hans-Jochen Vogel einmal in einem Artikel im Magazin „Christ in der Gegenwart“. Damals schrieb er:

„Gott sagt mir, dass es für mich einen archimedischen Punkt gibt. Dass der Mensch nicht allmächtig ist und dass er für sein Tun und Lassen einer über-irdischen Instanz Rechenschaft schuldet. Von diesem Gott habe ich eine personale Vorstellung. Eine Vorstellung, die auch die Existenz einer unmittelbaren Beziehung einschließt, die mir das Wort ‚Du‘ erlaubt. Dieser Gott ist für mich der Gott des Evangeliums, der mir durch das Evangelium Orientierung für mein Handeln gibt und mich durch sein Wort auch wissen lässt, dass der Tod nicht das absolute Ende bedeutet, sondern das Tor zu einer neuen Form meines Seins bildet. Das alles gibt mir Halt.“

Auch wenn er nicht alles verstehe und sich auch mitunter frage, „warum Gott Dinge zulässt“, beruhige er sich mit der Vorstellung, „dass der menschliche Verstand eben nicht ausreicht, um Gottes Absichten zu ergründen“. Weiter erklärte Vogel, dass Gottvertrauen eben letzten Endes „ein Akt des Glaubens“ ist. Weiter betonte er damals, dass sein Glauben ihm lebenswichtige Orientierung geben würde, was er wie folgt zum Ausdruck brachte:

„Ungeachtet mancher Anfechtungen und Gefährdungen hilft mir dieser Glaube, mich immer wieder zu engagieren, wo es Not tut zu widerstehen, Wesentliches wahrzunehmen, Unwesentliches an mir abgleiten zu lassen und so mit mir selbst ins Reine zu kommen. Und das ist ja nicht wenig.“

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, verneigten sich Politiker aus den eigenen Reihen wie auch aus anderen Parteien vor der dem Menschen Hans-Jochen Vogel und der mit seinem Menschsein verbundenen Lebensleistung. So bezeichnete ihn etwa SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil als „ganz großartiger Mensch“, der Deutschland „über Jahrzehnte geprägt“ habe. Arbeitsminister Hubertus Heil nannte Hans-Jochen Vogel einen „wunderbaren Menschen“, der „unserer Demokratie gedient“ habe. Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte, dass Deutschland mit Hans-Jochen Vogel „eine herausragende Persönlichkeit“ verliere. Vogel habe „durch seine glaubwürdige Politik und authentische Art“ über Parteigrenzen hinweg „höchstes Ansehen“ genossen, so Söder weiter.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte im sozialen Netzwerk Facebook, Vogels Wirken für Deutschland sei nicht ohne sein bewusstes Christsein zu verstehen.

Quellen: bild.de, katholisch.de, Menschen bei Maischberger (Sendung vom 22.4.2014), christ-in-der-gegenwart.de, sueddeutsche.de, evangelisch.de, pro-medienmagazin.de