Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, die 2004 und 2009 für das Amt der Bundespräsidentin kandidierte und derzeit für den SPD-Vorsitz gehandelt wird, sprach aktuell mit der Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim über ihren Glauben, für den sie sich im Erwachsenenalter bewusst entschied.

Die heute 76-jährige wurde im Kindesalter nicht getauft, weil ihr Vater das aufgrund von schlechten Erfahrungen mit der evangelischen Kirche nicht wollte. Ihre katholische Mutter habe sie und ihren Bruder aber „immer mitgenommen zur Messe“, was bei ihr „angeschlagen“ habe, so Gesine Schwan. Dazu betonte sie:

„Ich bin gerne in die Kirche gegangen. Nachher sogar regelmäßiger als meine Mutter.“

Später entschied sie sich dann ganz bewusst für den katholischen Glauben und ließ sich taufen. Dazu sagte die gebürtige Berlinerin:

„Im Alter von rund 20 wurde mir dann klar, dass ich mich ganz fundamental als gläubige Christin verstehe.“

Die katholische Kirche habe ihr dabei vom theologischen Ansatz her näher gelegen als die evangelische.

Weiter brachte sie im Interview mit der Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim zum Ausdruck, dass sie in ihrem Leben Gottes Nähe auch in schwierigen Lebensphase rückblickend vernommen habe und dass sie „gern und regelmäßig“ bete. Den christlichen Glauben habe sie auch an ihre Kinder und Enkelkinder weitergegeben, mit denen sie heute öfters gemeinsam in die Kirche gehe.

Den sehr lesenswerten Interviewbericht, indem Gesine Schwan detailliert die Bedeutung des Glaubens für ihr Leben beschreibt und darlegt, wie sie zur Glaubensmission und zu Zweifeln im Glauben steht sowie begründet, warum ihr die katholische Theologie zusagt, gibt’s unter

kiz-online.de

 

In einer Weihnachtsumfrage des Magazins Bunte im Jahr 2012 bekannte sich Gesine Schwan zu ihrem Glauben mit folgendem Statement:

„In meinem Leben spielt der Glaube eine zentrale Rolle. Aber nicht als sichere Bank, sondern als ständiges Bemühen und Wagnis, das ich aber eben auch wegen Gottes liebender Zuwendung wagen kann. Er gibt mir die Kraft, den Problemen unserer Welt ins Auge zu schauen und nicht an ihnen zu verzweifeln, sondern immer wieder an Verbesserungen zu arbeiten und auf sie zu hoffen. Meinen Alltag bestimmt er als immer mitlaufende Orientierung. Als Hilfe, auch in widrigen Situationen durchzuhalten, und als Chance, für die vielen kleinen Freuden des Alltags, die nicht selbstverständlich sind, dankbar zu sein. Meinen Glauben praktiziere ich im Gebet, in der Messe, in immer wiederkehrenden Überlegungen darüber, was jeweils in einer gegebenen Situation Gottes Wille sein mag. Gehadert habe ich auch, ja, und ich finde, dass man hadern darf. Das ist in der jüdischen Tradition besser verankert als in der christlichen. Im Rückblick auf mein bisheriges Leben scheint es mir, dass Gott es auch in meinen Niederlagen gut mit mir gemeint und mir neue Perspektiven eröffnet hat.“

Quelle: Bunte 52/2012 (S.128)