Foto: Altarfenster St. Marien Sonnefeld - Weihnachten 2018

„Weihnachten ist nicht etwas, das vor ca. 2000 Jahren geschehen ist und uns heute nicht mehr betrifft. Weihnachten findet heute statt! Doch nicht alle Menschen sind bereit und fähig, sich zu freuen.“

In einer wunderschönen und sehr sinnlich erfahrbaren Christmette erinnerte unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor in der St. Marien-Kirche in Sonnefeld bei Coburg vor deren beeindruckendem Altarfenster die Gottesdienstbesucher an das Ereignis der Menschwerdung Gottes, nach dem wir unsere Zeit rechnen und das Menschen seit jeher ehrfürchtig staunen lässt.

Mit folgenden einführenden Worten stimmte der Geistliche aus Nigeria die Gottesdienstbesucher in der vollen Kirche auf das Weihnachtsereignis ein:

„Warten – das fällt uns oft schwer, Kindern wie Erwachsenen. Wir warten nicht gerne, weil uns meistens die nötige Ruhe fehlt. Aber wir haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Freude viel größer wird, wenn wir länger auf etwas gewartet haben. ‚Vorfreude ist die schönste Freude‘ sagen wir manchmal. Vielleicht haben wir das in den vergangenen Adventswochen auch gespürt. Heute hat unser Warten auf das Weihnachtsfest ein Ende, jetzt ist es endlich soweit. Wir sind eingeladen zu einem Fest, das Christen an diesem Tag und in dieser Nacht auf der ganzen Welt feiern: den Geburtstag von Jesus. Jesus wird von uns ‚Sohn Gottes‘ genannt, und doch war er auch ein richtiger Mensch. Er wurde von seiner Mutter Maria geboren, damals vor rund 2000 Jahren im Stall bei Bethlehem. An dieses Ereignis – vor langer Zeit – das uns im Krippenspiel von Kindern aus unserer Gemeinde deutlich gemacht wird, wollen wir uns heute so erinnern, dass es für uns lebendig wird.“

In meditativen Gedanken lieferte Pater Peter tiefgehende Impulse für die Christmetten-Besucher, darüber nachzusinnen, ob dieses Ereignis, das die Welt und ihre Beziehung zu Gott veränderte, auch heute noch die entsprechende Bedeutung in den Herzen erlangt. Dazu betonte er etwa:

„Dass Jesus damals in Bethlehem geboren wurde, das wissen wir. Aber tun wir genug, damit er auch in unserer Welt einen Platz findet?“

Oder:

„Weihnachten ist nicht etwas, das vor ca. 2000 Jahren geschehen ist und uns heute nicht mehr betrifft. Weihnachten findet auch heute statt! Doch nicht alle Menschen sind bereit und fähig, sich zu freuen.“

In seiner Predigt ging Pater Peter dann näher auf den lieben und menschenfreundlichen Gott ein, der uns Menschen in seinem Sohn Jesus ganz nahe gekommen ist und unser menschliches Leben mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid angenommen hat und für den jeder einzelne von uns wichtig und wertvoll ist.

Hier die Worte seiner Predigt zur Lesung (Jes 9, 1-6) und zum Evangelium (Lk 2, 1-14) mit dem Thema „Dem Jesuskind einen Platz anbieten“:

Was wäre Weihnachten ohne Tannenbaum und ohne Krippe? Beide gehören zum festen Brauch an diesem Festtag. In vielen Häusern und in fast jeder Kirche wird an Weihnachten eine Krippe aufgebaut, um so die Geburt des Erlösers bildhaft darzustellen.

Dieser Brauch geht vermutlich auf Franz von Assisi zurück. Er stellte die Weihnachtsgeschichte nachweislich erstmals im Jahr 1223 mit lebenden Personen und Tieren nach. Als Schauplatz wählte er eine Futterkrippe in einem Wald nahe des Klosters Greccio. Er nutzte die anschauliche Szenerie, um Gläubigen, die nicht lesen konnten, das Weihnachtsevangelium des Lukas in Bildern näherzubringen.

Dieser hat vor fast 2000 Jahren das Weihnachtsgeschehen in Bilder, die dem Denken seiner Zeit entsprachen, gefasst. Vorlagen dazu fand er in den Ankündigungen des Messias in den Büchern des Alten Testamentes, besonders bei Jesaja. Die heutige Lesung zeugt davon. Der Prophet spricht davon, dass das Volk ein großes Licht sehen wird, das in der Dunkelheit leuchtet und es wird große Freude sein, wenn der Friedensfürst geboren wird.

Somit war es für den Evangelisten Lukas selbstverständlich, dass die Geburtsszene von hellem Licht umstrahlt und dass die Botschaft von Gottes Friedensinitiative von Engeln überbracht wird.

Lukas wusste auch, dass der Messias der Überlieferung nach aus dem Stamm Davids kommen musste. Darum konnte nur Bethlehem, die Stadt Davids, der Geburtsort sein. Zudem waren die Menschen damals der festen Überzeugung, der Messias würde auf der Seite der Armen stehen. So entstand bei ihm das Bild, dass dieser nur in ärmlichen Verhältnissen geboren werde. Das Bild von dem Erlöser in der Krippe und den Hirten, den Ärmsten der Armen in dieser Zeit, spiegelt diese Annahme wieder.

Die im Weihnachtsevangelium wiedergegebene Szene ist nicht im klassischen Sinne authentisch, da das Wesentliche der Weihnachtsbotschaft für die Augen unsichtbar ist. Es ist die Botschaft eines tiefgläubigen Menschen.

Seit Franz von Assisi haben Menschen immer wieder die Geburt Jesu szenisch dargestellt. Dazu benutzten sie Bilder und Orte, die ihrer Vorstellungskraft entsprachen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Krippen in unserer Region dem bäuerlich geprägten Milieu entstammen. Die Menschen wollen damit zum Ausdruck bringen:

Jesus wird in unsere eigene Welt hinein geboren. Allen Krippen dieser Welt ist eine Botschaft gemeinsam: Jesus will in die Lebenswirklichkeit aller Menschen kommen, die in ihrer Not auf ihn ihre Hoffnung setzen.

Tatsächlich genügt die Erinnerung an die Geburt des Gottessohnes in Bethlehem allein für unser Heil nicht. Der schlesische Dichter Angelus Silesius schrieb im 17. Jahrhundert:

„Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir: du bliebest in alle Ewigkeit verloren.“

Jesus will in unsere Welt kommen, in unser Leben.

Jeder von uns sollte sich seine Krippe bauen, sich Verhältnisse vor Augen führen, in denen er lebt und Jesus dort Mensch werden lassen. 

Er kommt dort zur Welt, wo wir leben und arbeiten. Er will unser Leben teilen, uns erlösen von all unseren Lasten einschließlich unserer Schuld. Jesus will zu uns kommen, in unser Herz. Er will in uns Gestalt annehmen, so dass wir ein zweiter Christus sein können, um sein Wirken fortzusetzen. Anders ausgedrückt:

Die Krippe mit dem Kind muss in uns Platz finden. Der Stall, in dem Jesus zur Welt kommt, sind wir. Wenn wir diesen Ort nicht hergeben, fällt Weihnachten bei uns aus.

All die Geschenke, die wir geben und erhalten, werden sinnlos, wenn wir nicht das göttliche Geschenk annehmen: Jesus, an den wir aus tiefem Herzen glauben.

‚Bring Christ back to Christmas‘ ist auf einer Weihnachtskarte zu lesen. Jesus muss Mittelpunkt des Weihnachtsfestes werden, sonst bleibt es sinnlos und leer. Wenn Christus nicht mit seinem Leben und seiner Botschaft in uns Gestalt annimmt, dann sind wir wie eine Kerze, die nicht brennt, dann tragen wir nicht dazu bei, die Dunkelheit dieser Welt zu vertreiben.

Im Evangelium heißt es: „Maria legte ihr Kind in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“.

Die Herzen der Menschen sind die eigentliche Herberge für Gott.

Aber in vielen ist kein Platz für ihn. Sie sind voll von anderen Dingen. Bieten wir ihm als Geburtsort unser Inneres, unser nicht immer fehlerfreies Herz an, auch wenn es manchmal mehr einem Stall als einer guten Herberge ähnelt.

Bauen wir unsere eigene Krippe, keine Grotte in Bethlehem, auch keine Bauernkrippe, nein, eine Krippe mit unserer Lebenssituation, unserer Familie, unserem Arbeitsplatz, unseren Ängsten und Sorgen. Bieten wir dem Jesuskind dort einen Platz. So wird Weihnachten zu einem gesegneten Fest und wir werden von Herzen froh. Amen.

 

Pater Dr. Peter Uzor ist Gemeindepfarrer im Seelsorgebereich St. Otto Ebersdorf bei Coburg. Für seine Doktorarbeit in Dogmatik wurde er an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausgezeichnet.

Wenn Sie Sehnsucht nach Mehr haben, dann besuchen Sie gerne seine Gottesdienste!