In seinem aktuellen Buch „Jessas, Maria und Josef“ betont der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler bereits im Untertitel des Bestsellers sein Credo:

„Gott zwingt nicht, er begeistert!“

In den Gedanken zum heutigen Sonntagsevangelium (LK, 4, 14-21) macht Pfarrer Schießler bewusst, dass Jesus uns mit dem Vater Unser ein Gebet geschenkt hat, das fern ab von engen Glaubenssätzen die Christen auf der ganzen Welt in geradezu einzigartiger Weise eint.

Hier die Gedanken von Pfarrer Rainer Maria Schießler, die er gestern auf seine Facebook-Seite gestellt hat:

„Die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) nehmen alle Gott als Schöpfer und Vater aller Menschen an. Bei diesem Gott kann man sich doch nicht beliebt machen, indem man seine Geschwister schlecht macht und schlecht behandelt!“ sagt Othmar Keel, ehemals Professor für Altes Testament an der Universität Freiburg/Schweiz.

Jesus, der nach dem Evangelium von heute mit starkem Selbstbewusstsein im Gebetshaus seiner Heimatgemeinde auftritt, hat uns das älteste Glaubensbekenntnis geschenkt. Es eint die Christen auf der ganzen Welt in geradezu einzigartiger Weise: Das Vaterunser.

Wenn Jesus sagt: So sollt ihr beten! steht dahinter seine ganze Autorität.

Im Aufeinanderzugehen und im Miteinander der Religionen müssen wir daher auf dieses älteste Glaubensbekenntnis zurückgehen, zumal es aus dem Mund Jesu kommt. Alle Bekenntnisse später enthalten bereits komplizierte und oft paradoxe Formulierungen nicht irrtumsfreier Menschen.

Glaubenssätze dürfen uns daher nicht wie zu eng gewordene Panzer einschnüren. So behindern sie nur die Freiheit der Gedanken und des Glaubens. Jesu Frohbotschaft war ein Protest gegen erstarrte religiöse Vorstellungen, die das Leben unsinnig schwerer machten und eine persönliche Gottesbeziehung fast unmöglich.

Das Vaterunser als das ursprüngliche Bekenntnis unseres Glaubens aber führt uns zu einem solidarischen Gemeinde- und Gemeinschaftsleben, das vertrauensvoll auf Gottes Fügung ausgerichtet ist. An einen solchen Gott glaubte Jesus von Nazareth und er bezeugte ihn mit seinem ganzen Leben.

Quelle: facebook.com (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Schießler)

 

Rainer Maria Schießler ist Stadtpfarrer in München und leitet dort die Pfarrgemeinden St. Maximilian und Heilig Geist. Er gilt durch unkonventionelle Seelsorge und teilweise medienwirksame Aktionen als „einer der bekanntesten Kirchenmänner“ in Bayern und wird als „Münchens bekanntester Pfarrer“ bezeichnet. Zuletzt trat er auch als Autor in Erscheinung und lieferte die Bestseller „Himmel, Herrgott, Sakrament: Auftreten statt austreten“ und „Jessas, Maria und Josef: Gott zwingt nicht, er begeistert“.