Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

Seinen Impuls zum Sonntagsevangelium (Mt 13, 44-52) stellte Pfarrer Rainer Maria Schießler unter die Überschrift „Wahre Schätze“ und erklärt, was Jesus damit meint, wenn er von einem Schatz spricht.

 

Hier (mit freundlicher Genehmigung) die Worte Pfarrer Schießler, die er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Schon das Wort „Schatz“ genügt, um in einem Menschen Neugier, Phantasie und Sehnsucht zu entfachen. Jesus spricht vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle und meint den Glauben, der uns das Reich Gottes wie einen Zufall finden lässt und für das sich jeder Einsatz lohnt.

Jesus geht es um den Schatz in unserem Herzen, in dem die Erfahrungen der ganzen Menschheit gespeichert sind als ein Geschenk Gottes, das uns aus dem Paradies geblieben ist.

Manche finden diesen Schatz nie, weil sie weder das Zutrauen noch das Vertrauen in sich selbst und in ihren eigenen Wert haben.

Je mehr Raum dieses göttlichen Geschenk unserer Phantasie erhält, um so intensiver umgibt uns von allen Seiten das Reich Gottes, das von Erbarmen, Versöhnung über Achtsamkeit und Ehrfurcht bis zum Frieden reicht.

Diese Geborgenheit im Reich Gottes verleiht uns die Gelassenheit, in unseren mitmenschlichen Begegnungen und den Ereignissen unserer Welt freundschaftlich zu sein.

Der Schatz in uns akzeptiert auch keine einengenden Gesetze und Regeln, die unser Menschsein blockieren könnten. Der Glaube erhält uns jung, aber nur wenn wir nach Neuem Ausschau halten und nicht nur den alten Landkarten folgen.

Wer den Schatz des Gottvertrauens im Herzen trägt, empfindet sich auch im höchsten Alter noch jugendlich.

Er ruht sich nicht auf seinen Lebenserfahrungen aus, macht sie vor allem nicht zum Programm für Jüngere, sondern lässt sich neugierig auf Neues ein.

Eine Kirche, die Zukunft gestalten will, kann nicht nur Antworten aus der Vergangenheit finden. Sie muss sich auf die Grundlagen des Lebens besinnen, bereit sein, den Acker zu kaufen, um den Schatz zu heben, und alles daransetzen, die Perle zu bekommen.

Die Phantasie und die Kreativität des Glaubens vertragen keine abgedroschenen Erklärungen und überholte Begründungen. Der Glaube hält sich nicht ständig an dem, was immer schon war, diese Illusion hat Jesus schon in seiner Zeit zerbrochen; er ist neugierig für alles, was sein könnte. Der schweizerische Dichterpfarrer Kurt Marti hat es so ausgedrückt: „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“

Wer nicht glaubt, dass der Glaube ein lebendiges Abenteuer ist, hängt an einem toten Glauben, er wird dem Gott der Überraschungen nicht trauen.

Amen.

 

Hier ein wunderschöner Song von Peter Maffay im Duett mit Katie Melua – passend zu den Worten von Pfarrer Schießler: