Horst Eckel ist der letzte noch lebende Spieler des sogenannten „Wunders von Bern“ im Jahr 1954, als Deutschland zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde. Nach seiner Fußball-Karriere studierte der gelernte Werkzeugmacher auf dem zweiten Bildungsweg Kunst und Sport für das Realschullehramt und war ab dem Schuljahr 1973 bis zu seiner Pensionierung als Lehrer an der Realschule in Kusel tätig. Im Interview mit Norbert Demuth von domradio.de zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sprach der 86-jährige auch darüber, was der christliche Glaube für sein Leben bedeutet und ob er an Wunder glaubt.

Das sogenannte ‚Wunder von Bern‘ sei eher „harte fußballerische Arbeit“ gewesen als ein Wunder. Dazu sagt Horst Eckel, der 1954 beim WM-Triumph 22 Jahre alt war:

„Ich glaube an Gott, aber ich glaube auch daran, dass man seinen eigenen Weg im Leben finden muss und dafür eben manchmal hart arbeiten muss. Und ab und zu hilft auch der liebe Gott.“

Zur Frage nach dem Fußball-Gott sagt Horst Eckel:

„Ich glaube, dass Gott überall zu finden ist, also warum nicht auch im Fußball?“

Darauf erwidert sein Gesprächspartner, dass von Wundern sonst eigentlich nur in der Bibel die Rede ist, und stellt dem 54er-Weltmeister die Frage, ob er an Wunder glaube und ihm schon mal eines passiert sei. Woraufhin Horst Eckel äußert:

„Ich habe die Frau geheiratet, die ich liebe, das ist für mich ein ‚Wunder‘. Dieses Wunder hält nun schon 60 Jahre an und schenkte uns zwei tolle Töchter.“

Der Glaube an Gott hilft Horst Eckel vor allem im täglichen Leben, wobei er für ein aktives Glaubensleben eintritt. Dazu sagt er:

„Ich denke, der Glaube an Gott ist sehr wichtig, egal ob im Sport oder im alltäglichen Leben.“

Nach seinem Verständnis sollte man aber keine passive Glaubenshaltung im Sinne von ‚Lieber Gott mach mal‘ an den Tag legen, „sondern selbst aktiv werden“. Deshalb sei er „oft für gute Zwecke unterwegs“. Dabei habe er „schon das eine oder andere Mal kleine Wunder erlebt“. Als Beispiel nennt er Erfahrungen im Blinden- oder Amputierten-Fußball.

Als sein Interviewpartner, Norbert Demuth, ihn auf seine evangelische Prägung anspricht und zur langen Frage ansetzt, ob sich die evangelische Kirche und die katholische Kirche nicht zu sehr um Kleinigkeiten streiten würden, s“tatt den großen Wurf – die Einheit- zu wagen“ und dass dann noch in „Fußballersprache“ mit der Frage „Vertändeln die Kirchen den Ball, statt endlich das entscheidende Tor zu schießen?“ verstärkt, antwortet Horst Eckel schlicht:

„Ja!“

Dass heute so viele Fußballer, sich zu ihren Glauben bekennen, findet Eckel gut und sagt:

„Ich finde es schön und wichtig, wenn Menschen zu ihrem Glauben stehen.“

Beeindruckend ist auch, wie der 86-jährige über die heutige Jugend im Fußball spricht und nichts von einer ‚Früher war alles besser‘-Mentalität an den Tag legt. U.a. sagt er:

„Lasst die jungen Leute sich in Ruhe entwickeln, dann werden sie auch zu guten Vorbildern.“

Angesprochen auf die von ihm unterstütze Initiative ‚Respekt! Kein Platz für Rassismus‘, äußert Horst Eckel, dass es bei einem Blick in die Geschichtsbücher oder auch in die Bibel schon immer Rassismus gegeben habe. Dazu betont er:

„Wenn die Menschen lernen, das, was sie nicht verstehen oder ihnen fremd ist, trotzdem zu respektieren und zu achten, wären wir ein großes Stück weiter.“

Manchmal helfe es, einfach die Hand zu reichen. Der Fußball könne, „Vorurteile aus der Welt schaffen und Menschen miteinander verbinden“.

Wenn er einen seiner Kollegen aus dem 54er-Finale heute wieder treffen könnte, wäre das Fritz Walter, zu dem er ein Vater-Sohn-Verhältnis gehabt habe und dem er bis heute sehr dankbar ist.

Quelle: domradio.de