Gestern vor 100 Jahren wurde das ‚Weiße-Rose-Mitglied‘ Willi Graf geboren.

„Tief verwurzelt im katholischen Glauben, angewidert vom mörderischen Vernichtungswillen Hitlers und seiner Anhänger und schockiert durch die Verbrechen, die er als Sanitätssoldat an der Ostfront miterleben musste, entschloss sich Willi Graf zum aktiven Widerstand im Kreis der ‚Weißen Rose'“,

so berichtete aktuell Deutschlandfunk Kultur.

Willi Graf übernahm die gefährliche Aufgabe in der „Weißen Rose“, Unterstützer für den Widerstand gegen Hitler zu werben. Auch bei seinem letzten Weihnachtsfest 1942 in Saarbrücken warb er Kameraden als Helfer an. Wenig später, am Vormittag des 18. Februar 1943, flog die Weiße Rose auf. Am 19. April 1943 wurde Willi Graf zum Tode verurteilt.

Kurz nach seinem 25. Geburtstag am 2. Januar 1943, hatte Graf in seinem Tagebuch vermerkt:

„Ob es der richtige Weg ist? Manchmal glaube ich es sicher, manchmal zweifle ich daran, aber trotzdem nehme ich es auf mich, wenn es auch noch so beschwerlich ist.“

Gewissheit, dass das was er tat, der richtige Weg war, erhielt er durch seine Verankerung im christlichen Glauben. Dies betont auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann in einer aktuellen Würdigung des Handelns von Willi Graf:

„Wesentliche Grundlage, ja Fundament für seine Erkenntnis der verbrecherischen, menschenverachtenden Untaten des Naziregimes war sein christlicher Glaube.“

Bereits der Schriftsteller Ludwig Harig charakterisierte Willi Graf bei einer Lesung im Dezember 1997 u. a. wie folgt:

„Aus Willi Grafs Briefen und Tagebüchern geht hervor, dass es kein parteipolitischer, kein analytisch vorbereiteter, kein rational geplanter, strategisch durchgeführter Widerstand war, sondern ein Widerstand aus dem Herzen heraus. Seine Frömmigkeit als praktizierender Katholik gab ihm die Kraft.“

Die tiefe Frömmigkeit war schon dem jugendlichen Willi Graf eigen. Am 2. Januar 1918 wurde er in eine katholisch-gläubige Familie hineingeboren. Als Gymnasiast schloss er sich dem katholischen „Bund Neudeutschland“ an und trat bald auch dem katholischen „Jugendbund des Grauen Ordens“ bei.

Bis zum Schluss gab ihm sein Glauben Kraft, Hoffnung und Trost. In der letzten Nachricht tröstet er seine Angehörigen:

„Seid stark und gefaßt und vertraut auf Gottes Hand, der Alles zum Besten lenkt, wenn es auch im Augenblick bitteren Schmerz bereitet.“

Seiner Schwester Anneliese konnte er über den Gefängnisgeistlichen noch eine letzte Botschaft an seine Freunde mitgeben:

„Du weißt, dass ich nicht leichtsinnig gehandelt, sondern aus tiefster Sorge und in dem Bewusstsein der ernsten Lage gehandelt habe. Du mögest dafür sorgen, dass dieses Andenken in der Familie, den Verwandten und bei den Freunden lebendig und bewusst bleibt.“

Und weiter betonte er seine Hoffnung über den Tod hinaus:

„Für uns ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang wahren Lebens, und ich sterbe im Vertrauen auf Gottes Willen und Fürsorge. Vieles möchte ich Dir noch sagen, aber es ist ja so schwer, in letzter Minute davon zu sprechen.“

Bischof Ackermann verwies bei seiner Würdigung des Handelns von Willi Graf darauf, dass es auch heute Diktaturen und Despoten gebe, die sich „den Mantel angeblicher Werte“ umhängten. Weiter sagte er:

„Deshalb ist dieses Beispiel, dieses Zeugnis inspirierend und wichtig auch für heute: Glaube, Verstand und Mut sind die Kräfte, die davor bewahren, falschen Heilsversprechen auf den Leim zu gehen.“

Quellen: domradio.de, deutschlandfunkkultur.de und domradio.de