Foto: Fred Palumbo, World Telegram staff photographer, Fulton J. Sheen NYWTS, cropped, CC0 1.0

Fulton Sheen: „Wir sind wertvoll, weil er uns liebt“

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Nach einem Bericht von Vaticannews ist der US-amerikanische Erzbischof Fulton Sheen (1895-1979) am 24. September 2026 in St. Louis seliggesprochen worden. Rund 50.000 Menschen nahmen an der Feier teil, die Kardinal Luis Antonio Tagle im Auftrag von Papst Leo XIV. leitete. Bekannt wurde Sheen vor allem durch seine Fernsehsendung „Life Is Worth Living“ mit bis zu 30 Millionen Zuschauern wöchentlich und der ABC-Serie The Fulton Sheen Program. Der Geistliche erhielt 1953 sogar einen Emmy als herausragende Fernsehpersönlichkeit. Hinter seiner öffentlichen Bekanntheit stand ein Glaube, den er über Radio und Fernsehen einem breiten Publikum vermittelte. Das Time-Magazine nannte ihn „den ersten ‚Teleevangelisten‘“.

Fulton Sheen wurde am 8. Mai 1895 in El Paso im US-Bundesstaat Illinois geboren. 1919 empfing er die Priesterweihe und trat in den Dienst der Diözese Peoria. Sein kirchlicher Weg führte ihn später nach New York, wo er ab 1951 als Weihbischof wirkte, und anschließend nach Rochester.

Aus dem Porträt auf katholisch.de geht hervor, dass Sheen zugleich ein akademisch gebildeter Theologe war. Er studierte unter anderem in Washington, Löwen (Leuven, Belgien) und Rom und lehrte von 1926 bis 1950 in Washington. Bereits vor seiner Fernsehkarriere wurde er durch die Radiosendung „The Catholic Hour“ bekannt.

Dem Bericht zufolge erkannte Sheen früh, welche Möglichkeiten die Medien für die Verkündigung boten. Seine Fernsehsendung „Life Is Worth Living“, auf Deutsch „Das Leben ist lebenswert“, lief von 1952 bis 1957. Dabei sprach er über aktuelle Fragen ebenso wie über grundlegende Themen des menschlichen Lebens.

Katholisch.de beschreibt seinen Fernsehauftritt als schlicht: Sheen trug sein Bischofsgewand, hinter ihm stand eine Tafel. Zur Ausstattung gehörte außerdem eine Marienstatue, die den Spitznamen „Unsere Liebe Frau vom Fernsehen“ erhielt. Seine Worte erreichten Menschen weit über das katholische Publikum hinaus. Rund 8.000 Briefe habe er wöchentlich erhalten, darunter zahlreiche Zuschriften von Nichtkatholiken.

In seiner Dankesrede zur Emmy-Verleihung verwies Sheen mit Humor auf die Grundlage seiner Verkündigung:

„Ich denke, es ist Zeit, meinen vier Autoren – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – Tribut zu zollen.“

Vaticannews erinnert daran, dass sich Sheens Engagement nicht auf Radio und Fernsehen beschränkte. Von 1950 bis 1966 leitete er die US-Niederlassung der päpstlichen Missionswerke und unterstützte die weltweite Missionsarbeit der Kirche. Bei der Seligsprechungsfeier würdigte Bischof Louis Tylka von Peoria seinen Einsatz mit den Worten:

„Er verkündete furchtlos das Evangelium in kulturell schwierigen Zeiten.“

 

EWTN hebt die geistliche Grundlage dieses öffentlichen Wirkens hervor: Sheen verbrachte täglich eine Stunde im Gebet vor dem Allerheiligsten. An dieser eucharistischen Anbetung habe er auch nach langen Reisen festgehalten, manchmal erst spät in der Nacht. Diese Zeit mit Gott habe seine Person, sein Leben und seinen Dienst prägen sollen.

Wie EWTN erläutert, setzte Sheens Seligsprechung neben der kirchlichen Anerkennung seines vorbildlichen christlichen Lebens ein anerkanntes Wunder auf seine Fürsprache voraus. Dieses Wunder war die Genesung des Neugeborenen James Fulton Engstrom.

Nach einem Bericht der Diözesanzeitung The Catholic Post kam James am 16. September 2010 ohne Puls zur Welt. Noch am selben Tag begann sein Herz nach 61 Minuten der Wiederbelebung zu schlagen. Die Eltern hatten den bereits verstorbenen Fulton Sheen um seine Fürsprache bei Gott gebeten.

Dazu gibt EWTN folgende Worte von Bischof Tylka wieder: „Nach 61 Minuten begann das Kind unerklärlich und ohne medizinische Hilfe, einen Puls und einen Herzschlag zu haben.“

Laut The Catholic Post wollten die Ärzte den Tod gerade feststellen, als das Herz zu schlagen begann.

EWTN zufolge entwickelte sich der Junge anschließend ohne bleibende Schäden. Die Kirche erkannte das Geschehen nach medizinischer und theologischer Prüfung als Wunder auf Sheens Fürsprache an. Für eine spätere Heiligsprechung wäre laut EWTN in der Regel ein weiteres anerkanntes Wunder erforderlich, das nach der Seligsprechung geschieht und seiner Fürsprache zugeschrieben wird.

CNA Deutsch nennt die weiteren Schritte des Verfahrens: Das zuständige medizinische Expertengremium bestätigte den Fall bereits 2014 einstimmig. Papst Franziskus erkannte das Wunder am 5. Juli 2019 an. Das Seligsprechungsverfahren war 2002 unter der Leitung der Diözese Peoria eröffnet worden.

 

Wie katholisch.de rückblickend erläutert, wurde eine ursprünglich für Dezember 2019 geplante Seligsprechung jedoch kurzfristig verschoben. Hintergrund waren Fragen zu Sheens Amtsführung als Bischof von Rochester. Dabei ging es um seinen Umgang mit Priestern, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde.

Dem Beitrag zufolge betonte die Diözese Rochester damals ausdrücklich, dass keine Beschwerden oder Hinweise auf ein persönliches unangemessenes Verhalten Sheens vorlägen. Eine weitere Prüfung seiner Amtsführung habe sie dennoch für erforderlich gehalten. Im Februar 2026 teilte Bischof Tylka schließlich mit, dass der Heilige Stuhl die Fortsetzung des Verfahrens ermöglicht habe.

Im Bericht von Vaticannews über die Seligsprechung wird deutlich, wie Kardinal Tagle Sheens Aufgabe verstand: Der Geistliche habe das Evangelium immer wieder neu zu erzählen gewusst. Tagle bezeichnete ihn als:

„Pförtner an der Tür von Gottes Haus“.

Vaticannews zufolge stellte Bischof Tylka von Peoria, wo Sheen wie anfangs erwähnt seinen ersten Dienst antrat, dabei gerade Sheens tägliche Anbetung als entscheidende Grundlage seines Wirkens heraus. Neben der Erinnerung an den bekannten Fernsehstar stand damit seine persönliche Beziehung zu Gott im Mittelpunkt.

Papst Leo sieht ihn „als Vorbild für die Verkündung des Glaubens.“

Bereits im Vorfeld der Feier zitierte CNA Bischof Tylka mit einer Einschätzung zu Sheens bleibender Bedeutung:

„Sein Leben und sein Wirken inspirieren weiterhin unzählige Menschen dazu, Jesus Christus tiefer kennenzulernen und zu lieben.“

 

Das National Catholic Register zitiert Sheen mit dem Gedanken, dass Gottes Liebe nicht von unserem Wert abhänge, sondern uns diesen Wert schenke. In deutscher Übersetzung bringt er diese Überzeugung so auf den Punkt:

„Gott liebt uns nicht, weil wir wertvoll sind; wir sind wertvoll, weil er uns liebt.“

 

Quellen: katholisch.de, ewtn.de, thecatholicpost.com, catholicnewsagency.com, vaticannes.va, ncregister.com

Hinweis: Papst Leo XIV. wurde von Fulton Sheen inspiriert

Auf ihrem Instagram-Account berichtet die Vatikan-Journalistin Courtney Mares am 25. September 2026, dass sie auf dem Flug nach Paris mit Papst Leo XIV. – an Bord der päpstlichen Maschine – über seine persönlichen Erinnerungen daran gesprochen habe, wie er als Heranwachsender den seligen Fulton Sheen im Fernsehen verfolgt hatte – nur wenige Stunden nach Sheens Seligsprechungsfeier in St. Louis. Dazu erklärte der Papst:

„Wir haben ihn als Familie angesehen. Es war eine Möglichkeit, … als Familie Zeit miteinander zu verbringen – im Licht der Wahrheiten und Lehren, die er auf so begeisternde und lebendige Weise vermittelte.“

Und weiter:

„Seine Botschaft kam bei den Menschen wirklich an, und ich glaube, sie hat uns als Familie geholfen.“

 

Als sie Papst Leo zum ersten Mal darauf angesprochen habe, dass er Fulton Sheen im Fernsehen verfolgt hatte, habe der 71-jährige gescherzt: „Ja, so alt bin ich schon.“

Überdies habe Papst Leo eingeräumt, dass er gerne an der Seligsprechung des seligen Fulton Sheen in St. Louis teilgenommen hätte. „Während der Seligsprechungsfeier gestern erhielt ich Nachrichten mit der Frage: ‚Warum waren Sie nicht hier?‘“, erzählte der Papst und sagte weiter: „Das wäre wirklich schön gewesen.“

siehe HIER

 

 

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