Alexander Glinka: „Wir gefallen Gott, wenn wir menschlicher werden“
Unser geistlicher Begleiter Pastoralreferent Alexander Glinka, der als Gefängnisseelsorger in der JVA Dortmund arbeitet, hat in seiner Predigt zu Weihnachten die Gefängnisinsassen mit der Weihnachtsbotschaft zu einem neuen Leben ermutigt. Seine Worte erreichen aber auch jeden Einzelnen von uns außerhalb der Gefängnismauern, die wir alle nicht frei von Sünde sind.
Zu Beginn des Gottesdienstes in der JVA Dortmund stellte Alexander Glinka seiner Predigt u.a. folgende Worte voran:
Heute feiern wir das Weihnachtsfest. Wir feiern nicht da, wo wir gerne wären,
sondern wir feiern es hier, wo wir gerade sind. Ich will Ihnen die Situation heute nicht schönreden. Es ist heute nun mal so, wie es ist. Daher müssen wir es auch nehmen, wie es ist.
Zu Weihnachten 2025 nach Christus feiern wir das Ereignis der Geburt Christi.
Und jetzt könnte man sagen: „Ein Kind wurde doch nur geboren – was ist daran besonders?“ Sie, Sie, Sie, Sie oder Sie – wir alle wurden doch auch als Babys geboren, oder nicht? Wurde aus Ihrem Geburtstag ein weltweiter Feiertag? Mit Liedern, Geschenken und einer Botschaft für alle? Das sind Fragen, die ich Ihnen heute Morgen stelle…
Für uns Christen ist dieses Fest so groß, weil wir glauben: „Gottes Liebe hat eine menschliche Gestalt angenommen.“
Das war der STARTSCHUSS: Gottes Liebeserklärung an die Menschen. Und ich verrate Ihnen etwas: Gott liebt die Menschen – besonders die im Schatten.
Woran sieht man das?
Die frohe Botschaft wurde nicht den Mächtigen im Licht verkündet, sondern den Menschen in der Dunkelheit. Der „König der Könige“ kommt – aber nicht in Paläste, sondern zu den Hirten am Rand. Die Hirten waren die ersten, die davon durch einen Engel hörten.
Gott kommt nicht mit großem Knall als „Herrscher der Herrscher“, sondern als zartes Kind, das keine Angst machen will. Still und leise. In einer stillen Nacht.
Anbei die Worte der Predigt von Alexander Glinka in der JVA Dortmund zu Weihnachten 2025, die er unter die Überschrift „KRIPPE statt KRISE“ stellt:
Weihnachten: Friede, Freude – und alles ist gut? Ist denn aktuell alles gut bei uns? Ich glaube nicht!
Wir leben in Zeiten, die viele sehr müde machen… Die Welt steckt im Dauer-Krisenmodus. Aber gucken wir nicht zuerst in die große Welt. Gucken wir in unsere eigene Welt: Jeder von uns hat seine eigene Krise. Für manche ist die Krise sichtbar, für manche unsichtbar. Und heute – an Weihnachten?
Die Frage bleibt: Was gibt uns Halt? Gibt es etwas, das größer ist als unsere Krisen? Ja. Es gibt sie! Es ist die zeitlose Zusage Gottes.
Gerade in solchen Zeiten verkündet uns Weihnachten eine Botschaft, die bombenfest und krisensicher ist. Es ist die Frohe Botschaft, die der Engel in der Heiligen Nacht sagt: „Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine große Freude: Heute ist der Retter geboren! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“
Wichtig ist: Diese Worte fallen nicht in eine Welt, in der alles gut ist. Sondern in eine Nacht, in der vieles unsicher ist. Und genau da sagt Gott: Fürchtet euch nicht.
Und jetzt kommt mein Satz für heute:
Gucken Sie nicht nur auf ihre KRISE. Gucken Sie auf die KRIPPE. KRIPPE statt KRISE!
Die Krippe ist kein romantisches Deko-Stück. Sie ist ein Zeichen. Ein Zeichen: Gott ist da.
Nicht weit weg. Nicht nur „oben“. Sondern mitten drin.
Und noch stärker: Gott guckt nicht nur von oben. Er kommt nach unten zu uns. Gott wird Mensch!
Der neue Papst Leo hat es so gesagt: „Die Krippe ist ein wichtiges Zeichen. Sie erinnert uns daran, dass wir Teil eines wunderbaren Heilsabenteuers sind, in dem wir nie alleine sind.“
Und „Heilsabenteuer“ heißt ganz einfach: Gott schreibt mit uns eine Rettungsgeschichte. Eine Geschichte, in der du nicht allein bist. Eine Geschichte, in der ein Neuanfang möglich ist.
Schauen wir auf die Krippe
Josef. Maria. Das Kind. Einfache Verhältnisse. Keine Herberge. Sorge. Gefahr. Flucht. Sie hatten Sorgen, Probleme und Ängste – quasi eine Krise: Jedoch hatten sie etwas, was größer war als alles zusammen: Ihr Glaube.
Dieser Glaube gab ihnen eine liebevolle Zuversicht: „Es kann gut werden – trotz allem.“ Trotz Sorgen. Trotz dem Film im Kopf.
Was bedeutet das für uns?
Diese Zusage Gottes zeigt uns: Friede ist möglich.
Und wie gefällt man Gott? Wir gefallen Gott, wenn wir menschlicher werden.
Menschlicher werden bedeutet:
- Dem anderen auf Augenhöhe begegnen.
- Mit Verständnis und Liebe handeln.
- Verzeihen, wo Hass regieren möchte.
Gott selbst hat uns gezeigt, wie das geht: Er wurde Mensch. Nicht als Herrscher mit Knall. Sondern als Kind. Zart. Verletzlich. Ohne Angst zu machen.
Die Liebe des Himmels wird Teil dieser Welt.
An Weihnachten wird die Liebe des Himmels Teil dieser Welt. Eine Liebe, die Frieden schenkt. Aber dieser Friede beginnt nicht irgendwo weit weg. Er beginnt bei uns.
Machen wir Frieden – indem wir es wie Gott machen: werden wir menschlicher!
- wenn wir einander in den Blick nehmen.
- wenn wir uns nicht über andere stellen.
- wenn wir nicht vergessen: Ich bin nicht der wichtigste Mensch auf der Welt.
Unsere Aufgabe an Weihnachten
Werden wir durch diese Botschaft wieder ein Stück menschlicher. Jeder von uns kann seinen Teil beitragen: Wir können Frieden schaffen. Denn Gott wurde Mensch. Und was ein Mensch kann – das können auch andere Menschen.
Mein Wunsch für uns alle hier – die hier im Haus leben oder arbeiten
Möge uns die Botschaft dieser Nacht begleiten und verändern. Tragen wir sie hinaus: Auf Augenhöhe. Mit Liebe. Mit Verständnis. Und mit dem Willen, Frieden zu schaffen. Amen.



