Foto: © Julia Martin / Kloster Münsterschwarzach

Zum heutigen kirchlichen Fest Allerheiligen schrieb Pater Anselm Grün in einem Impuls auf seinem Instagram-Kanal, dass das Fest Allerheiligen unseren Blick auf Menschen lenkt, „die Gott durch seinen Heiligen Geist verzaubert hat, durch die er auf je persönliche Weise sein unsichtbares Licht in den Menschen sichtbar gemacht hat“. 

Mit Verweis auf den Soziologen Hans Joas betont der Benediktinermönch in seinem Insta-Post, dass das Heilige „der Welt einen anderen Glanz verleiht“. Weiter schreibt Grün:

„Auch im Menschen ist das Heilige, das ihn verzaubert, berührt und verwandelt.“

Im bewussten Begehen des Festes Allerheiligen können wir auch unsere „unantastbare Würde“ tiefergehend erkennen, erklärt der Bestsellerautor weiter, wobei er betont:

In uns ist etwas, das dem Zugriff der Welt entzogen ist, worüber die Welt keine Macht hat. Dort sind wir frei, dort sind wir ganz wir selbst.“

 

An Allerheiligen findet auch der Ritus des Friedhofganges statt, wobei der Gedenktag Allerseelen, der im Kirchenjahr am 2. November terminiert ist, vorweggenommen wird, so dass am Feiertag des 1. Novembers mehr Menschen die Möglichkeit haben aller Seelen zu gedenken. Der alljährliche Besuch der Gräber unserer Verstorbenen an Allerheiligen, bei dem der Priester die Gräbersegnung hält, verweise darauf, dass die Verstorbenen für uns ein Segen sind, was sich auch in der Redensart Er hat das Zeitliche gesegnet“ spiegelt. Dazu erklärte Anselm Grün u.a.:

„Wir erleben die Verstorbenen als gute Wurzeln, die unserem Lebensbaum beim Aufblühen helfen.“

In diesem Sinne wünscht Anselm Grün seinen Followern bei Instagram, dass „Ihr im Blick auf die Verstorbenen das Heilige in Euch immer mehr zum Leuchten bringt, auf Eure je persönliche Weise“.

Quelle: instagram.com

 

Anbei der Insta-Post zu Allerheiligen von Pater Anselm Grün:

 

 

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Liebe Instagramgemeinde! Morgen feiern wir das Fest Allerheiligen. Der deutsche Soziologe Max Weber hat in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhundert von der Entzauberung der Welt und des Menschen gesprochen. Das hat dazu geführt, dass der Mensch nur noch als Leistungsträger gezählt hat. Der moderne Soziologe Hans Joas protestiert gegen diese Entzauberung und spricht von der Sakralisierung der Welt. Er meint, in der Welt gäbe es das Heilige, das der Welt einen anderen Glanz verleiht. Und auch im Menschen ist das Heilige, das ihn verzaubert, berührt und verwandelt. Das Fest Allerheiligen lenkt unseren Blick auf die vielen Menschen, die Gott durch seinen Heiligen Geist verzaubert hat, durch die er auf je persönliche Weise sein unsichtbares Licht in den Menschen sichtbar gemacht hat. Die Heiligen sind gleichsam wie Prismen, durch die sich das Licht Gottes für uns spiegelt. Das gilt jedoch auch für uns. Wir sind Hüter und Hüterinnen des Heiligen. In uns ist etwas, das dem Zugriff der Welt entzogen ist, worüber die Welt keine Macht hat. Dort sind wir frei, dort sind wir ganz wir selbst. So zeigt uns das Fest Allerheiligen unsere unantastbare Würde. Das deutsche Wort für „hagios = heilig“ ist Hag. In uns ist ein Hag, in den der Lärm der Welt, in den auch die negativen Emotionen der Welt nicht eindringen können. Dort sind wir innerlich geschützt. Am Nachmittag von Allerheiligen besuchen wir die Gräber unserer Verstorbenen. Der Priester hält Gräbersegnung – auch wenn sie vielleicht wegen Corona nicht stattfinden kann. Der Sinn ist: die Verstorbenen sind für uns ein Segen. Wir sagen ja, wenn einer stirbt: Er hat das Zeitliche gesegnet. Das ist ein schönes Bild. Die Verstorbenen werden für uns zum Segen, wenn wir unsere Beziehung zu ihnen reinigen von Verletzungen und Trübungen, wenn wir sie als innere Begleiter erleben, die uns den Rücken stärken und uns beistehen, wenn wir nicht mehr weiter wissen. So dürfen wir die Verstorbenen durchaus bitten – ähnlich wie wir es bei den Heiligen tun – , dass sie für uns eintreten.

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Im Interview mit uns sprach Anselm Grün über die Bedeutung von Gemeinschaft im Glauben und Verwandlung des Menschen durch den Glauben: