Der Benediktinermönch und Bestseller-Autor Anselm Grün, der mit seinen Büchern und in seinen Vorträgen immer wieder Menschen ermutigt, erkrankte vor vier Jahren an Nierenkrebs. Aktuell sprach der 73-jährige erstmals in einem Interview über diese Lebenskrise und wie er damit umgegangen ist.

Die Diagnose habe in damals „schon sehr verunsichert“ verbunden mit dem Bewusstsein, dass das, was er leidenschaftlich gerne tut und was sein Leben ausmacht, nun zu Ende sein könnte. Zuversicht habe ihm in dieser Situation die Gebetszeile „Dein Wille geschehe“ aus dem Vater unser gegeben, die er wie folgt beschreibt:

„Das ist nichts Angstmachendes, sondern drückt aus: Wenn Gott mir die Kraft gibt, dann kann ich weitermachen. Wenn nicht, muss ich auch damit einverstanden sein.“

Als große Herausforderung empfand er es, sich der eigenen Endlichkeit zu stellen sowie festzustellen:

„Die Frage nach dem Warum bringt nichts.“

Auch habe es keinen Zweck, nach Schuld zu fragen, was einen zudem nur noch weiter schwäche. Vielmehr gelte es den Status quo zu akzeptieren und sich der Herausforderung zu stellen. Dazu betonte Grün weiter:

„Ich musste in aller Demut anerkennen: Ja, ich bin krank, warum auch immer, und ich muss mich dem jetzt stellen.“

Mit Gott gehadert habe er nicht. Er habe sich aber die Frage gestellt, was die Erkrankung nun für sein geistiges leben bedeute, und seine Sorgen und Hoffnung vor Gott getragen. Dazu äußerte er:

„Natürlich habe ich das, was mich bewegte, auch vor Gott getragen. Es war immer die Hoffnung dabei, dass Gott mir hilft und dass es gutgehen wird.“

Auch wenn er gerne lebe, habe er keine Angst vor dem Tod, aber großen Respekt vor der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, so Grün. Halt gibt ihm sein gewachsener Glaube, den er wie folgt beschreibt:

„Ich glaube, dass ich in Gottes Liebe hinein sterbe.“

Trotzdem bliebe „ein großes Unbehagen“ beim Gedanken an die eigene Endlichkeit und den damit verbundenen Kontrollverlust. Diesbezüglich hält Anselm Grün fest:

„Es ist eine Herausforderung, mich ganz in Gottes Hand fallen zu lassen.“

Aber in der Angst stecke zugleich auch immer die Hoffnung, dass es gutgehen wird. Heute sei ihm folgendes klar:

„Ich kann Krankheit sicher nicht total loslassen. Ich kann jedoch die Verkrampfung loslassen und ja sagen zu dem, was ist.“

Gesunde Menschen können von kranken lernen, ihre Maßstäbe zurechtzurücken, sich zu fragen, was wichtig in ihrem Leben ist und lernen, ihre Begrenztheit zu akzeptieren, so Grün. Auch für ihn sein die Erkrankung ein Impuls gewesen, seine Prioritäten neu zu ordnen, immer in dem Bewusstsein:

„Bei jeder Fahrt zu einem Vortrag mache ich erst das Kreuzzeichen und bitte Gott um seinen Segen. Aber ich weiß, es kann immer die letzte Fahrt sein.“

Menschen, die an einer Erkrankung leiden empfiehlt er im Neuen Testament im 2. Korintherbrief, das vierte und fünfte Kapitel und im Alten Testament Jesaja 43. Dort finde man „Worte der Hoffnung“.

Das komplette Interview gibt’s unter infranken.de