Foto: Maximilian Bühn, CC-BY-SA 4.0, August Diehl Photo Call Der junge Karl Marx Berlinale 2017 02, cropped, CC BY-SA 4.0

Der Schauspieler August Diehl spielt im aktuellen Terrence Malick-Film „Ein verborgenes Leben“, der seit 30. Januar in den deutschen Kinos läuft, den österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der als gläubiger Katholik den Eid auf Hitler verweigerte und dafür hingerichtet wurde. Für diese Rolle hat August Diehl sich intensiver mit der Bibel beschäftigt, ist in Kirchen gegangen und begann zu beten, was er nach eigener Aussage zuvor noch nie getan habe.

In Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zum Kinostart brachte August Diehl seinen tiefen Respekt für die Gewissensentscheidung von Franz Jägerstätter  zum Ausdruck, den er wie folgt beschrieb:

„Jägerstätter war ein Bauer in Niederösterreich, ein sehr gläubiger Katholik.“

Zur Entscheidung Jägerstätters, nicht für die Nazis zu kämpfen, betonte August Diehl im RND-Interview:

„Er entschied für sich, keinen Schwur auf Adolf Hitler zu leisten – was jeder Wehrmachtsoldat tun musste. Denn er hatte schon einen Schwur auf Gott abgelegt.“

Diese Entscheidung sei „mit einem grausamen, inneren Kampf verbunden“ gewesen, zu der Franz Jägerstätter „bis zum bitteren Ende“ gestanden habe, so August Diehl. Am 9. August 1943  wurde Jägerstätter von den Nazis in das Zuchthaus Brandenburg an der Havel gebracht und dort um 16 Uhr durch das Fallbeil hingerichtet.

In seiner Entscheidung habe „keine politische Absicht“ gelegen. Dazu erklärte August Diehl weiter:

„Das war eine rein persönliche Angelegenheit. Jägerstätter folgte seinem Gewissen.“

Für August Diehl hat so eine existenzielle Entscheidung, die Franz Jägerstätter getroffen hat, damit zu tun, „wie nahe man bei sich selbst ist“. Dass Franz Jägerstätter in einer tiefen Beziehung zu Gott lebte, beschreibt der 44-jährige Schauspieler als „ein schöner Zufall“.

Diese Haltung brachte Diehl auch im Interview mit dem monopol-Magazin zum Ausdruck, in dem er auf die Frage, ob der Glaube bei der Entscheidung des ‚glühenden Katholiken‘ Jägerstätter eine Rolle gespielt habe, dass im Film „Ein verborgenes Leben“, auch wenn die Titelfigur sehr gläubig war und auch der Regisseur Terence Malick sehr gläubig ist, vielmehr das Gewissen des Menschen eine Rolle spielt, „ein unglaubliches Gefühl davon, was richtig und was falsch ist“, so Diehl. In seinen Augen müsse man nicht zwingend spirituell sein, um so eine existenzielle Entscheidung zu treffen. Dazu erklärte August Diehl weiter: Man braucht einfach nur ein geschärftes Bewusstsein des Gewissens. Wenn man das hat, dann kann man sagen: ‚Ohne mich‘.“

Im RND-Interview brachte August Diehl auf die Frage, ob er für den Film seine Beziehung zu Gott überprüft habe, zum Ausdruck, dass der christliche Glaube zuvor keine Rolle in seinem Leben gespielt hat. Dennoch konnte er eine besondere Kraft verspüren, die in den Texten der Bibel liegt. Die Auseinandersetzung mit dem Glauben erlebte August Diehl als inspirierend. Dazu erklärte der 44-jährige:

„Ich habe sehr viel in der Bibel gelesen – auch noch während der Dreharbeiten, jeden Abend und jeden Morgen. Ich bin in Kirchen gegangen und habe mich gezwungen zu beten. Zuvor hatte ich das noch nie getan, eine unglaubliche Erfahrung.“

Dabei habe er sich anfangs „lächerlich gefühlt“. Diese Sichtweise schwand aber mit zunehmendem Lesen in der Bibel, was er wie folgt beschrieb:

„Aber diese Lektüre verströmt eine wahnsinnige Kraft – selbst dann, wenn man sie für sinnlos hält. Das Vaterunser ist ein unglaublicher Text, beinahe wie ein Mantra.“

Bei seiner Beurteilung der Kirche in der heutigen, deren Rolle im Dritten Reich in den Augen Diehl’s „in der Tat nicht sehr rühmlich“ war, hob der Schauspieler im Interview mit der Tiroler Tageszeitung das Wirken von Papst Franziskus hervor. Dazu sagte er:

„Ich habe das Gefühl, dass der jetzige Papst die Kirche, die schon sehr abgehoben war, den Gläubigen wieder näherbringen möchte.“

Im Interview mit der Tiroler Tageszeitung  betonte August Diehl auch die Rolle, die der Glaube bei einer solch einer überzeugten Einstellung, wie sie Franz Jägerstätter an den Tag legte, spielen kann. Dazu sagte Diehl:

„Wenn einer stark gläubig ist, so ist dies wie Musik, so ist es leichter zu verstehen, wenn er sagt: ‚Nein, das kann ich nicht tun‘!“

Weiter erklärte er:

„Diese Rolle hat mich in der Tat sehr stark beschäftigt. Sie war etwas, was einen in die Stille zwingt. Sie war fast wie ein Gebet, das starke Kraft hat und einen überzeugt, dass der Glaube Berge versetzen kann.“

Dabei betonte er auch „das Spirituelle, das wir als Kinder in uns haben, das uns wissen lässt, was falsch und richtig ist“. Dies habe Franz Jägerstätter auch im Erwachsenenalter an den Tag gelegt. Nach Auffasung von August Diehl hat der gläubige Katholik bis zu letzt „das Stur­e und ganz Starke, was ein Kind hat, und er hat es ausgesprochen: ‚Nein, das ist falsch!'“

Von Franz Jägerstätter, dessen Urne mit seiner Asche nach Kriegsende nach St. Radegund gebracht und dort am 9. August 1946 beigesetzt wurde, ist der Ausspruch überliefert:

„Besser die Hände gefesselt als der Wille!“

Quellen: rnd.de, monopol-magazin.de, mdr.de, tt.com, wikipedia.org

 

Rezensionen zum Film „Ein verborgenes Leben“ gibt’s u.a. unter pro-medienmagazin.de und die-tagespost.de

 

Hier der Trailer zum Film: