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Autor und Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir führte eine Begebenheit in seinem seelsorgerlichen Wirken erschütternd klar vor Augen, wie weit weg die österliche Hoffnung im Denken der Menschen in unseren Breitengraden heutzutage ist. An Stelle von Ostern ist vielfach im Sinne einer „Das ist halt so“-Mentalität eine schlicht hingenommene Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit getreten, die Kreitmeir so sehr irritierte, dass er auf der Startseite seiner Homepage der Frage „Gibt es eine Auferstehung?“ nachging. Dort schreibt er:

„Nach einer wirklich schönen Palmsonntagsmesse in der Klinikkapelle im Klinikum Ingolstadt und anschließenden Krankenkommunionen auf den Krankenstationen erlebte ich eine Ernüchterung in der Geriatrie, wo ich bei 20 halbwegs fitten SeniorInnen wie jeden Sonntag eine Wortgottesfeier hatte. Ich erklärte den GottesdienstbesucherInnen den Ablauf der Karwoche und fragte dann, wer denn an ein Leben nach dem Tod glaube? 12 verneinten es und ich musste meinen Schock darüber zurückhalten.“

Ernüchternd stellt Kreitmeir fest, dass „das Gift des Zweifels“ bei den alten Menschen angekommen ist. Voller Hoffnung führt er fort:

„Falls ich alt werden sollte, dann möchte ich noch mehr glauben als ich es jetzt schon tue.“

Sein Erlebnis hat er dann per WhatsApp an verschiedene Bekannte und Freunde weitergeleitet. Verschiedene Antworten, die er erhielt, machte er nun auf seiner Webseite öffentlich. In den veröffentlichten zehn Aussagen spiegelt sich die Sorge Kreitmeirs wieder. So ist u. a. zu lesen:

„Ich kenne Dein Erschrecken! Und ich teile Deinen Wunsch nach einem festeren Glauben, einer immer intensiveren Gottesbeziehung. Und ich hoffe immer, dass unser Bemühen darum – zusammen mit Gottes Gnade – uns vor dem großen Zweifel bewahren kann. Damit wir im letzten Augenblick ein großes „Ja“, einen übergroßen Dank (wie z.B. die Hl.Klara) oder ein „in deine Hände …“ sprechen können.“

Ein anderer schreibt:

„Puh, das ist hart. (…) Ich sage dir, ich möchte lieber früh sterben, dafür mit aller Hoffnung und allem Glauben an Jesus und die Ewigkeit, als 80 werden und nur noch an meinen Trinknapf zu denken.“

Ein weiterer Kommentar teilt seine Gefühle wie folgt mit:

„Das ist wirklich erschreckend. Dabei wäre es so einfach. Einfach sich trauen und auf seine innere Stimme hören.“

Christoph Kreitmeir selbst schreibt im Anschluss von einem Zeugen der Auferstehungshoffnung. Dazu führte er aus, dass der ihm bekannte Bernhard M. vor einiger Zeit eine Krebsdiagnose bekam. In dieser Zeit schuf er eine besondere „Pieta“, also die Darstellung von Maria, die ihren toten Sohn im Schoß liebevoll trägt. Dieses Kunstwerk ist auf der Startseite der Homepage von Christoph Kreitmeir mit einer Beschreibung von Bernhard M. zu bestaunen.

Überdies schrieb Bernhard M.:

Seit ich mit der Krebsdiagnose lebe, habe ich eine direktere Beziehung zum Sterben entwickelt: Nicht alle Menschen sterben nach langer, schwerer Krankheit unter körperlichen Schmerzen. Doch die meisten Menschen, insbesondere in den christlichen Ländern haben Angst vor dem Tod, weil ihm etwas Schreckhaftes anhaftet.“

Weiter stellt Bernhard M. die Frage „Warum eigentlich?“ und teilt seine Gedanken dazu wie folgt mit:

Treffen wir nicht dort unsere Lieben, die uns vorausgegangen sind?

Ist dieser Ort nicht dort, wo auch wir sind, nämlich hier? Wir sind umgeben von der Welt des Geistes und haben diese schon oft wahrgenommen, zumindest als wir noch im Kindesalter waren, aber auch als Erwachsene, wenn wir achtgegeben haben. Wir haben uns ihrer bedient, haben sie wie oft gefühlt und angenommen oder ignoriert – im Guten wie auch im Bösen. Glauben, so habe ich vor wenigen Tagen gelesen, heißt, Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, anerkennen.“

Bernhard M. führt mit Blick auf das Osterfest fort:

In wenigen Tagen singen die Menschen wieder wie alle Jahre in den Kirchen aus vollen Herzen: Der Tod hat keinen Stachel mehr, Halleluja! Gerade das müsste doch uns Christen mit Blick auf den Tod zuversichtlich stimmen, mit Freude auf das Kommende zugehen lassen, Schmerz und Trauer, so auch bei den Hinterbliebenen, besänftigen.“

Und beschließt seine Gedanken mit folgenden Worten:

Vor vielen Jahren besuchte ich Südkorea. Bei einer Fahrt durch die Straßen begegnete uns ein Fahrzeug mit ca. 10-15 Personen hinten auf der Ladepritsche auf Bänken sitzend. Alle waren weiß gekleidet und schienen in freudiger Stimmung zu sein. Schaut – eine Hochzeit! Nein, erklärte uns unsere koreanische Reiseleiterin. Diese Menschen fahren zu einer Beerdigung. Haben diese denn einen anderen Gott?“

Diesem Zeugen der Auferstehungshoffnung glaubt Christoph Kreitmeir. Der Tod muss nicht das letzte Wort haben.

 

Mehr geistliche Impulse gibt’s unter christoph-kreitmeir.de