In Berlin wächst wieder das Interesse am Thema Religion. Dieses Phänomen beschreibt der Berliner Tagesspiegel mit der Schlagzeile „Berlin erlebt einen Frühling der Religionen.“ Sogar Erzbischof Heiner Koch findet das neue Studienangebot der katholischen Theologie an der Berliner Humboldt-Universität so spannend, dass er ab Herbst selbst nochmal studieren will. Auch in seinem aktuellen Buch „Zu Gott ums Eck – Wie Kirche zu den Menschen kommt“ beschäftigt sich der 64-jährige mit diesem Phänomen in Berlin.

Wie wichtig die vernunftbegründete Auseinandersetzung im Glauben ist, um zum einen die Zeichen der Zeit zu erkennen und zum anderen nicht blind alles zu glauben, kann man erkennen, wenn man sich die Entwicklungen  in so manch christlichen Milieus ansieht. Dabei ist ein blinder Glaube, der einfache Antworten gibt und dazu auffordert, unhinterfragt zu folgen, oft der Nährboden für fundamentalistische Ansichten – gerade da, wo Menschen auf der Suche sind…

An der Humboldt-Universität (HU) in Berlin stellt sich aktuell der Studiengang katholische Theologie  komplett neu auf, wobei fünf Professuren neu besetzt werden – je eine für biblische, historische, systematische und praktische Theologie sowie eine für theologische Ethik. Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, soll das Institut im Herbst zum Beginn des Wintersemesters mit einem Bachelorstudiengang „Katholische Theologie“ starten, in dem zukünftige Lehrkräfte für den Religionsunterricht ausgebildet werden. Einen der neuen Ansätzen der katholischen Theologie in Berlin stellt das zweite Bachelor-Programm mit dem Thema „Religion und Gesellschaft“ dar.

Seine Motivation, selbst wieder die Studentenbank zu drücken, beschreibt der Berliner Erzbischof Heiner Koch mit dem Interesse, neue gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren. Dazu sagte er am vergangenen Freitag bei der Vorstellung des Studiengangs an der HU:

„Mich interessiert besonders die Frage, wie Glauben in der säkularen Gesellschaft geht. Da will ich mich auf den letzten Stand bringen.“

Bereits im Vorfeld brachte der 64-jährige seine Erwartung zum Ausdruck, „dass das Institut als wissenschaftlicher Dialogort zwischen Theologie und säkularen Wissenschaften entsteht“. Diese Konstellation gebe es „in keiner anderen Stadt in Deutschland“, so Koch weiter.

Wie der christliche Glaube wieder mehr Menschen faszinieren kann, ist auch Thema des neuen Buches von Erzbischof Heiner Koch mit dem Titel „Zu Gott ums Eck – Wie Kirche zu den Menschen kommt“, das am 25. März 2019 im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist. Darin erzählt er auf 192 Seiten über Begegnungen mit den Menschen in seiner Erzdiözese. Im Interview zu diesem Buch mit domradio.de sprach er auch über die besondere Situation in Berlin. Dazu sagte er u.a.:

„Wissen Sie, hier in Berlin lernen Sie kennen, wie wertvoll und großartig unser Glauben ist. (…) Hier lernt man wirklich Christus, den Glauben und das Evangelium zu schätzen.“

Und weiter:

„In Berlin sind wir Katholiken für viele so exotisch, dass wir wieder interessant sind.“

Die Menschen der Hauptstadt seien dabei „respekt- und erwartungsvoll“, so Erzbischof Koch. Weiter betonte er:

„Irgendwie warten sie [in Berlin] darauf, dass es hier Christen gibt.“

Beeindruckend schildert der Berliner Erzbischof anschließend, wie ihn ein atheistischer Professor, der den Atheismus als Grundperspektive wissenschaftlichen Handelns sieht, zum Besuch der Beerdigung seiner Frau bat und das mit folgenden Worten begründete:

„Sonst ist keiner mit Ihrer Hoffnung dabei.“

Das komplette Interview zur Story des Buches „Zu Gott ums Eck“ mit Erzbischof Heiner Koch gibt’s unter domradio.de

Quellen: tagesspiegel.de und domradio.de