Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Ladenthin hat ein Buch vorgelegt mit dem Titel „Mach’s gut? Mach’s besser! – Eine kleine Ethik für den Alltag“. Über die Inhalte seines Buches sprach er aktuell mit Deutschlandfunk. Dabei sprach er auch darüber, dass auch Atheisten religiös seien, ohne es zu merken.

Denn bei der Ethik gebe es mit der schlichten Frage, warum wir eigentlich ethisch sein sollen, ein „ganz bestimmtes Problem“. Denn diese Frage könne nicht wieder durch die Ethik beantwortet werden, da ja die Ethik selbst begründet werden soll. Weiter führt Ladenthin fort:

„Wir müssen also fragen: Warum handeln wir so? Und nun muss es dafür ein Motiv geben, eine Motivation. Und diese Motivation finden wir ja nicht im Alltag einfach vor, sondern wir denken sie uns. Wir sagen, wir sind sittlich, weil es der Freiheit dient, weil es dem Menschen dient, weil es dem Fortschritt dient. Aber auch das sind Glaubensakte.“

Insofern würden sich diejenigen, die nicht an eine ganz bestimmte Konfession glauben, nicht von denen unterscheiden, die das tun. Denn auch Atheisten gehen von einer Voraussetzung aus, die sie nicht beweisen können. Weiter sagt Ladenthin:

„Wieso gibt es Fortschritt? Wer hat diesen Fortschritt geschaffen? Woher kommt er? Das sind ja Fragen, die durchaus analog in den Konfessionen verhandelt werden. Also, mir ist ganz wichtig, ich möchte niemanden an eine Konfession binden, aber ich möchte ihn schon binden an die Frage: Warum handelst du eigentlich sittlich? Und da bin ich immer gespannt auf die Antworten, die kommen.“

So seien auch Atheisten bzw. Menschen, die keine wie auch immer gearteten metaphysischen Kräfte am Werk sehen, quasi religiös, ohne es zu merken. Denn auch sie setzten etwas voraus, was sie nicht wiederbegründen können, so Volker Ladenthin. Und weiter:

„Und das wäre für mich eine Definition dessen, was wir im Christentum Gott nennen – etwas vorauszusetzen, was gilt, was aber nicht wiederbegründbar ist, weil es alles andere begründet.“

Dies sein „eine treffliche Definition der Vorstellung von Gott“.Eine solche analoge Vorstellung hätten auch Menschen, „die nicht in einer Konfession sind“. Denn auch sie gingen von metaphysischen Voraussetzungen aus, „die sie nicht wiederbegründen können“. So sei jeder Mensch religiös:

„Genauso, wie jeder Mensch sich ethisch entscheiden muss. Es gibt keine Situation, in der man das nicht muss. Genauso, wie jeder Mensch sich ästhetisch entscheiden muss, genauso muss sich jeder Mensch im religiösen Sinne entscheiden. Wir sind mit unserer Natur religiös. Wir können das gar nicht abstreifen.“

Wichtig ist ihm dabei, das vom Konfessionellen zu unterscheiden. Religiös heiße nicht zwingend, einer bestimmten Konfession anzugehören, sondern, darüber nachzudenken, „wie ich mit diesen letzten Fragen umgehe“.

Das komplette Interview gibt’s unter deutschlandfunk.de