Am heutigen Donnerstag feiern katholische Christen das Fronleichnamsfest. In mehreren Bundesländern ist Fronleichnam gesetzlicher Feiertag. Im Mittelpunkt des Hochfestes zehn Tage nach Pfingsten steht die Einsetzung der Eucharistie, für Katholiken ein Realsymbol für die Gegenwart Christi.

Aufklärung darüber, warum dieses Fest nichts mit Leichen, aber dafür mit einer sehr lebendigen Prozession zu tun hat, gibt’s unter katholisch.de

 

Unser geistlicher Begleiter Christoph Kreitmeir bringt in seinen heutigen Gedanken und Impulsen eine indianische Legende mit der Bedeutung von Fronleichnam zusammen und mündet in ein gutes Wort, das Mutter Theresa uns geschenkt hat.

Er schreibt:

Die Bibel geht mit Selbstverständlichkeit davon aus, dass Gott, den „niemand je gesehen hat“ (Joh. 1,18), sehr wohl erfahrbar ist. Die Bibel sagt, dass die Welt eine theologisch-spirituelle Aussage hat, die wir verstehen können, ja dass es durchaus nicht unmöglich ist, in ihren Spuren zu lesen.

So heißt es im 19. Psalm: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund.“

Und ganz unbefangen erklärt das Buch Hiob (12,7-9): „Doch frag nur die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie künden es dir. Rede zur Erde, sie wird dich lehren, die Fische des Meeres erzählen es dir. Wer wüsste nicht bei alledem, dass die Hand des Herrn dies gemacht hat?“

Unsere Welt ist durchlässig für die Wahrheit, die sich hinter Gottes Namen verbirgt. Die Natur ist transparent für ein uns entzogenes Geheimnis. Sie weist über sich selbst hinaus auf etwas, das nicht Natur ist und doch in ihr zur Erscheinung kommt. Doch wie bringen wir all dieses Glaubenswissen mit den Erfahrungen unseres modernen und technischen Weltbildes in Einklang?

Dazu schreibt Kreitmeir weiter:

Lassen Sie uns einen Versuch machen …

In einer indianischen Legende fragt ein junger Krieger den weisen Medizinmann: „Was muss ich tun, um Gott sehen zu können?“ Der Weise antwortet: „Wenn du die Sterne sehen willst, so geh hinaus in die Nacht. Willst du die Vögel hören, so setze dich unter einen Baum. Wenn du aber Gott anschauen willst, so geh auf die Straße, und schau die Menschen an.“

In dieser Legende wird viel über Gott ausgesagt. Wir können aber auch Aussagen über die Beziehungen des Menschen zu Gott aus dieser Legende herauslesen, wenn wir in den Sternen und Vögeln Hinweise auf Gott sehen.

Der Stern kann ein Wegweiser für die Reise unseres Lebens sein. „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“, sagen die Weisen aus dem Morgenland. Vielleicht ist bei der Formulierung von den Sternen in der Nacht auch die tiefere Wahrheit gemeint, dass viele Menschen Gott erst in Not und Leid entdecken.

Der Hinweis auf die Vögel, die in den Bäumen zwitschern, könnte bedeuten, wie sehr Gott uns auch aus der Natur anspricht, aus der Welt der Pflanzen und Tiere. Gott schenkt ihnen das Leben; so ist ihr Leben ein Zeichen für den lebendigen Gott.

Ganz besonders aber ‑ und das ist die eigentliche Aussage der indianischen Legende ‑ können wir Gott in unseren Mitmenschen erkennen.

Melden sich da aber nicht manchmal Zweifel an?

Sind es nicht die Menschen selbst, die so viel Böses, Unheimliches und Unmenschliches auf diese Erde bringen?

Spricht nicht aus ihren Augen oft Fanatismus und Hass?

Sind sie es nicht, die den Unfrieden in die Welt tragen?

Die mit ihrem Egoismus die Liebe Gottes verdecken?

Wie sollen wir in diesen Menschen Gott erkennen?

Die Indianergeschichte will uns sagen: Der dreifaltige Gott, dessen Fest wir heute an Fronleichnam feiern, ist nicht fern, sondern er lebt in unseren Straßen.

Da, wo sich das Leben von uns Menschen abspielt, ist er anwesend. Wenn Gott auch nicht in jedem Menschen sichtbar wird, so ist er doch in jedem gegenwärtig. Und deshalb bringt die kath. Kirche ihr Wertvollstes – das Allerheiligste – an Fronleichnam auf die Straßen der Menschen, mitten hinein in den Alltag.

Manchmal ist das Antlitz Gottes durch menschliche Schuld entstellt. Oft aber leuchtet es auf: in der Treue zweier Menschen zueinander, in der Hilfeleistung für einen Armen und Kranken, in der Versöhnung verfeindeter Menschen oder in der Hoffnung auf ein gutes Wort.

So ein gutes Wort hat uns Mutter Teresa geschenkt, die trotz aller Fehler der Menschen durch ihre Liebe zu Gott an das Gute glaubte:

Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. Liebe diese Menschen trotzdem.

Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. Tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde.
Sei trotzdem erfolgreich.

Das Gute, das du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein.
Tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar. Sei trotzdem ehrlich und offen.

Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern.
Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern.

Woran du Jahre gebaut hast, das mag über Nacht zerstört werden. Baue trotzdem weiter.

Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. Hilf diesen Menschen trotzdem.

Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. Gib der Welt trotzdem das Beste.

Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott.
Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen dir und anderen.

Mutter Teresa hielt jeden Tag mehrere Stunden Anbetung vor dem allerheiligsten Sakrament. Sie wusste wohl warum, denn am deutlichsten erkennen wir Gott und seinen Geist in der Gestalt, der Botschaft Jesu und in seinem Sakrament der Eucharistie. In ihm ist Gott uns unbeschreiblich nahe.

Gott ist in unserem Leben gegenwärtig ‑ mit seinem Wohlwollen und mit seiner Liebe. Er ist in jedem Menschen, auch wenn er ihn nicht erkannt hat. Diese Gewissheit möchten wir nicht für uns behalten, sondern sie an unsere Mitmenschen weitergeben. Mutter Teresa will uns dazu ermutigen – trotz allem! Amen.

Autor: Christoph Kreitmeir