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Am Dienstag hatte die ökumenische Gemeinschaft St. Egidio zu einem eindrucksvollen und berührenden Gebetstreffen nach Rom eingeladen. Neben dem Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, nahm auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomaios I., an dem ökumenischen Friedensgebet christlicher Konfessionen in der Kirche Santa Maria in Aracoeli am Kapitol teil. Parallel zu den Christen beteten Angehörige anderer Religionen in Räumlichkeiten rund um den Kapitolhügel. Auf dem Kapitol selbst fand anschließend eine Begegnung der Religionsvertreter statt.

Bei diesem internationalen Friedenstreffen der Kirchen und Religionen in Rom war ein breit geteilter Wille spürbar, als Religionen Kräfte des Friedens zu werden.

Papst Franziskus sprach in seiner eigenen Kurzpredigt vom Mangel an Liebe, der der „tiefe Grund unserer persönlichen, sozialen, internationalen und ökologischen Probleme ist.“ Nur an sich selbst zu denken – so der Papst – ist die Ursache allen Übels. Dabei erklärte er weiter:

„Nur die Liebe löscht den Hass, nur die Liebe überwindet die Ungerechtigkeit ganz und gar. Nur die Liebe macht Platz für den anderen. Nur die Liebe ist der Weg zur vollen Gemeinschaft unter uns.“

Am Ende seines Impulses betonte Papst Franziskus:

„Möge der Herr uns helfen, gemeinsam auf dem Weg der Geschwisterlichkeit zu gehen, damit wir glaubwürdige Zeugen des wahren Gottes sein können.“

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sprach in seiner Kurzpredigt über die Verwundungen, die die Pandemie hinterlässt und von der Heilung, die der Prophet Jesaja verspricht und die einher geht mit Gerechtigkeit. Dabei steht für Bedford-Strohm im Zentrum: „die Dreiheit von Beten, Gerechtigkeit üben und als Kirchen die Spaltungen überwinden und eins werden“.

In der anschließenden Zeremonie kamen auf dem Kapitolsplatz direkt vor der Kirche Vertreter zahlreicher Religionen zusammen, um gemeinsam einen Friedensappell zu unterzeichnen und dabei jeweils ein Licht anzuzünden. Neben Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus sprachen auch Vertreter anderer Religionen und der italienische Staatspräsident Sergio Matarella.

Auf seiner Facebook-Seite erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm diesbezüglich:

„Es ist nur eine Veranstaltung in Rom. Und die Friedenserklärung sind zunächst nur Worte. Aber wenn die Botschaft in den jeweiligen Religionen verbreitet wird, wenn alle entschlossen sind, entschieden gegen den Missbrauch der Religion für Gewalt einzutreten, dann kann das dazu helfen, dass die Religionen Kräfte des Friedens und der Versöhnung in den Gesellschaften werden.“

Mit ähnlichen Worten resümierte der evangelische Ratsvorsitzende gegenüber Vatican-News das ökumenisch und interreligiös angelegte Friedenstreffen vom Dienstag in Rom:

„Zunächst waren dort Menschen unterschiedlicher Konfessionen zusammen, wir haben gespürt, Christus ist in der Mitte, nichts trennt uns voneinander. Und dann sind wir hinaus auf den Kapitolplatz, und es sind die Vertreter der Religionen gekommen, und es war ein ganz breiter Wille spürbar: wir wollen als Religionen Kräfte des Friedens werden.“

Wie auf katholisch.de berichtet wird, betonte Papst Franziskus, dass die Welt heute „einen brennenden Durst nach Frieden“ habe, wobei allerdings kein Volk Frieden, Sicherheit und Glück allein erreichen könne. Frieden sei nur durch Kooperation, Dialog und Geschwisterlichkeit möglich, lautete eine durchgehende Mahnung auch aller anderen Sprecher aus Judentum, Hinduismus und Buddhismus. Zudem, so der Papst weiter, zeige das Treffen in Rom deutlich, „dass die Religionen keinen Krieg wollen, sondern vielmehr alle, die Gewalt religiös zu verklären suchen, Lügen strafen“.

Großimam Ahmad Al-Tayyeb von Kairo verurteilte in einer verlesenen Rede den islamistischen Terroranschlag von Paris. Als Großimam der Al-Azhar erkläre er „vor dem allmächtigen Gott, dass ich mich sowie die Lehren des Islam und des Propheten von dieser abscheulichen kriminellen Tat distanziere und von allen, die solche abweichenden, falschen Gedanken annehmen“.

In einem abschließend unterzeichneten Friedensappell heißt es:

„Es ist erneut Zeit für die kühne Vision, dass Friede möglich ist, dass eine Welt ohne Krieg keine Illusion ist.“

Darin appellieren die Unterzeichner „an die Regierenden, die Sprache der Spaltung zurückzuweisen, die sich oft aus Gefühlen der Angst und des Misstrauens nährt“.

Quellen: vaticannews.de, domradio.de, katholisch.de, Facebookseiten von Heinrich Bedford-Strohm und der Deutschen Bischofskonferenz