Foto: Meli Straub (www.meli-photodesign.de)

Die katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin Jacqueline Straub ist eine junge, mutige Frau, die ihrer Berufung nachgeht. Sie möchte katholische Priesterin werden. Dafür studierte sie Theologie und veröffentlichte bereits drei Bücher zu ihrer Haltung zum Frauenpriestertum, Zölibat und dringend notwendigen Reformen in der katholischen Kirche (zuletzt: „Kickt die Kirche aus dem Koma“).

Dafür sieht die 28-jährige sich aber auch seit Jahren mit Angriffen konfrontiert, obwohl ihre Position durchaus theologisch diskursfähig ist und der Maßgabe des II. Vatikanischen Konzils, nämlich „die Zeichen der Zeit zu erkennen“, alles andere als entgegenläuft.

Auf ihrer Webseite beschreibt sie mit Verweis auf das Zitat des Hl. Augustinus „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst“ ihre Berufung wie folgt:

„Mein Glaubensweg begann mit 15 Jahren, als ich mit einer Freundin in einem christlichen Jugendcamp war. In dieser Zeit entwickelte sich auch mein «Brennen». Seitdem spüre ich in meinem Herzen die Berufung, römisch-katholische Priesterin zu werden. Durch einige Pilgerfahrten unter anderem nach Rom, Assisi, Taizé und Jerusalem wurde mein Glaube an Gott und an die Kirche gestärkt. Mein Glaube wuchs ebenso durch Begegnungen und das Dienen als Ministrantin in meiner Heimatpfarrei Pfullendorf (Baden-Württemberg). Durch den Dienst am Altar wurde meine Berufung zur Priesterin immer größer.“

Mit ihrem Anliegen ist Jacqueline Straub aber bei weitem nicht allein. Nach dem seit Jahren immer stärkerem Aufkommen und Bewusstsein wie weit der sexuelle Missbrauch insbesondere von Kindern sowie der Machtmissbrauch in der katholischen Kirche reichte, sind immer weniger gläubige Katholiken bereit, ein „Weiter so“ konservativster Kreise zu ertragen. So startete diese Woche die Aktion Maria 2.0, mit der Reformen in der katholischen Kirche und mehr Rechte für Frauen eingefordert werden.

Die Initiatorinnen fordern Frauen, aber auch Männer auf, eine Woche lang keine Kirchen zu betreten und ehrenamtliche Tätigkeiten ruhen zu lassen. Der Protest richtet sich dabei gegen Machtstrukturen in der Kirche und die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger. Neben dem Zugang von Frauen zu allen Kirchen-Ämtern fordern die Initiatorinnen unter anderem auch die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche.

Unterstützung findet die Aktion auch bei hohen Amtsträgern, wie etwa dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der betonte:

„Ich finde die Aktion gut, um ein Zeichen zu setzen für mehr Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche.“

Bode sagte weiter, dass er sich zwar schwer damit tue, wenn Frauen am Sonntag auch die Eucharistiegemeinschaft aufkündigen und in Pfarrsälen eigene Feiern abhalten:

„Aber die Ungeduld vieler Frauen in der katholischen Kirche muss man sehr wahrnehmen. Dahinter steckt eine ganz tiefe Verletzung, dass sie sich in der Kirche nicht so angenommen fühlen, wie es ihrem Einsatz entspricht.“

In einem Interview mit der Zeitung Die Welt sprach Jacqueline Straub über die Protest-Aktion Maria 2.0. Dabei gab sie zu bedenken, dass Frauen „eine riesengroße Rolle in der Kirche“ spielen würden und „der ganze Laden zusammenbrechen“ würde, wenn „alle Frauen, die sich für die Kirche engagieren, kollektiv einen Monat lang streiken“ würden.

Der Titel der Aktion Maria 2.0 wolle zum Ausdruck bringen, dass die Gottesmutter Maria zu Lebzeiten Jesu „mutig und selbstbewusst“ war. Weiter ziele die Aktion darauf ab, die Spitze der katholischen Kirche zu verändern. In diesem Zusammenhang sprach Jaqcqueline Straub im Welt-Interview mit folgenden Zeilen etwas aus, was schwer zu leugnen ist:

„In den letzten Jahrzehnten waren es fast zu 100 Prozent Männer in Führungspositionen, die für all diese Skandale sorgten, die Menschen seelisch und körperlich zerstörten. Sexueller Missbrauch von Kindern und Unterdrückung von Frauen.“

Ihrer Ansicht nach sind feministische Forderungen und Katholizismus „absolut vereinbar“, was sie mit Blick auf die Person Jesus von Nazareth erläuterte, der „sehr emanzipiert“ gewesen sein. So habe Jesus bereits vor 2000 Jahren „den gleichberechtigten Umgang mit Frauen“ geführt. Weiter betonte die 28-jährige im Welt-Interview:

„Auch die frühen Christen lebten in selbstverständlicher Gleichberechtigung von Mann und Frau. Frauen den Männern gleichzustellen wäre also eine längst überfällige Rückbesinnung auf das Christliche.“

Dabei verwies die Theologin auf Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960-er Jahren, wo von den Bischöfen selbst eingeräumt wurde, „dass eine Diskriminierung von Frauen dem Heilsplan Gottes widerspreche“. Dieser Aussage seien aber „keine Taten, keine Veränderungen innerhalb der Kirchenstruktur“ gefolgt, so Jacqueline Straub weiter.

Für diejenigen, die in Reformprozessen den Untergang der katholischen Kirche prognostizieren, gibt Jacqueline Straub zu bedenken, dass es „in der gesamten Kirchengeschichte immer Reformen und Veränderungen“ gab und dass es dabei stets Zweifler zur Wort, die das Überleben der Kirche gefährdet sahen. Dies sei auch beim Zweiten Vatikanischen Konzil so gewesen, wobei die Folge eine andere war, nämlich ein Aufschwung im Zuge dessen, die Menschen „wieder Lust auf die katholische Kirche“ gehabt hätten, so die junge Theoligin weiter.

Die im Zuge der ganzen Skandale der letzten Jahre verloren gegangene Glaubwürdigkeit der Kirche und die auch damit verbundene Entfremdung der Menschen vom Glauben und der Kirche sieht sie als fatal an. Es ist ihrer Ansicht nach höchste Zeit, dass Bischöfe und Kardinäle das Evangelium mit Freude verkünden und in einer Weise, die „auch junge Menschen anspricht“. Zudem müsse die Kirche „eine respektvolle Haltung zu Homosexualität, zu den wiederverheirateten Geschiedenen, überhaupt zur Sexualität finden“. Dazu betont Jacqueline Straub gegenüber der Welt weiter:

„Es braucht eine neue Sexualmoral. (…) Wir dürfen Sexualität nicht mehr verteufeln und müssen auch den Katechismus in dieser Hinsicht infrage stellen.“

Und weiter:

„Eine Sexualmoral bringt überhaupt nichts, wenn sich niemand an sie hält. Nicht einmal das eigene Personal.“

Sie glaube vielmehr, dass die Sehnsucht nach Nähe „in uns Menschen so angelegt ist“.

Es gelte nicht einfach auzutreten und damit „das Schiff den Ewiggestrigen“ zu überlassen, so die 28-jährige an anderer Stelle. Vielmehr brauche es mutige und aufgeschlossene Kräfte in der Kirche.

Jacqueline Straub – eine mutige junge Frau, die zum Nachdenken über Reformprozesse in der katholischen Kirche anregt, die von theologischer Seite diskursfähig sind.

Einen sehr lesenswerten Artikel, der aufzeigt, dass Maria 2.0 nachhaltig sein werde, gibt’s unter katholisch.de

Quellen: jacqueline-straub.de, katholisch.de, welt.de