Papst Franziskus hat als erster Papst den Irak bereist. Mit diesem historischen Besuch schenkt er den leidgeprüften Christen des Landes Hoffnung und setzt ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Verständigung. Gestern begann seine viertägige Reise.

Zum Auftakt seines Besuchs rief der 84-Jährige Iraks Führung auf, allen religiösen Gruppen Rechte und Schutz zu gewähren. Gegenüber Staatschef Barham Salih erklärte Franziskus im Präsidentenpalast, dass es von entscheidender Notwendigkeit sei, alle politischen, sozialen und religiösen Gruppen zu beteiligen und die Grundrechte aller Bürger zu garantieren.

Mit eindringlichen sowie einprägsamen Sätzen plädierte er demütig für Frieden und Freiheit. Dabei fasste er auch die Corona-Krise ins Auge, die seiner Meinung nach vor allem ein Aufruf sei, „unsere Lebensstile, den Sinn unserer Existenz zu überdenken“.

Mit Blick auf Unterdrückung und Krieg betonte Franziskus:

„Niemand darf als Bürger zweiter Klasse angesehen werden.“

und:

„Die Waffen sollen schweigen.“

Mit Blick auf die Entwicklungen im Irak, der in den letzten Jahrzehnten „unter den Katastrophen der Kriege, der Geißel des Terrorismus und konfessionellen Konflikten gelitten“ habe, erinnerte Franziskus daran, dass dies zu „Tod, Zerstörung und Trümmern“ geführt habe. Insbesondere erwähnte Franziskus das Schicksal der religiösen Minderheit der Jesiden, die  vor allem von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) massiv verfolgt worden war. Sie seien „unschuldige Opfer sinnloser und unmenschlicher Barbarei“ geworden, so der 84-Jährige.

Im Zuge dessen forderte Franziskus die irakische Bevölkerung zu Frieden und „geschwisterlichem Zusammenleben“ auf. Ein wirksamer Prozess des Wiederaufbaus sei nur möglich, wenn man sich trotz aller Unterschiede als „Mitglieder der einen Menschheitsfamilie“ sehe. Dabei bezeichnete der Papst den Irak als eine „Wiege der Zivilisation“, die durch den gemeinsamen Stammvater Abraham Juden, Christen und Muslime eng miteinander verbinde. Die verschiedenen Religionen, Kulturen, Ethnien seien eine jahrtausendealte „wertvolle Ressource“ und kein Hindernis. Auch die Präsenz der Christen stelle ein „reiches Erbe“ dar und sei zu bewahren.

Staatschef Barham Salih unterstütze die Worte von Franziskus. Seine Reise in den Irak sei Beweis für die Sorge des Papstes um das Land. Dazu betonte Salih, dass die Anwesenheit des Papstes die Iraker „mit Stolz“ erfülle. Weiter erklärte er, dass die Christen in der Region viel Leid erfahren und Krisen erlebt hätten, die sie zur Auswanderung gezwungen haben. Ohne Christen sei die Region aber nicht vorstellbar. Ein Erfolg werde sich erst dann einstellen, wenn eine Rückwanderung ohne Zwang beginne, so der irakische Staatschef.

Auch der sunnitische Kairoer Großimam Ahmad Al-Tayyeb, der zu den höchsten Lehrautoritäten im sunnitischen Islam gehört und gemeinsam mit Papst Franziskus 2019 das sogenannte Abu-Dhabi-Dokument unterzeichnet hatte, würdigte via Twitter den „mutigen“ Papstbesuch als „eine Botschaft von Frieden, Solidarität und Unterstützung für alle Iraker“.

Quellen: handelsblatt.com, katholisch.de, Twitter

 

Update: Die Ansprache, die Papst Franziskus am Sonntag, den 7.3.2021, zum Angelusgebet in der syrisch-katholischen Kathedrale von Karakosch/Irak gehalten hat, in vollem Wortlaut und offizieller deutscher Übersetzung gibt’s unter

vaticannews.va

 

Hier der angesprochene Tweet von Papst Franziskus:

 

Anbei der angesprochene Tweet von Großimam Ahmad Al-Tayyeb: