Papst Franziskus hat seine dritte Enzyklika „Fratelli tutti“ veröffentlicht, mit der er thematisch einen großen Bogen über seine drei Enzykliken spannt: Erst die Beziehung zum Schöpfer (Lumen fidei, 2013), dann die Beziehung zur Schöpfung (Laudato si‘, 2015), nun die Beziehung zum Mitgeschöpf. Mit einem eindringlichen Plädoyer für Geschwisterlichkeit und Freundschaft über alle Grenzen hinweg wendet sich das Kirchenoberhaupt in „Fratelli tutti“ an die Menschheit.

Dem päpstlichen Lehrschreiben geht es darum, das weltweite Verlangen nach Geschwisterlichkeit und sozialer Freundschaft zu fördern. Im Hintergrund steht die Corona-Pandemie, die, wie Franziskus formuliert, „unerwartet ausbrach, als ich dieses Schreiben verfasste“. Auf rund 150 Seiten entwirft der Papst Leitlinien für eine gerechte und friedliche Gesellschaft nach der Corona-Krise. Dabei mahnt Franziskus zu einer Abkehr von Egoismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Nur so ließen sich die Folgen der Corona-Pandemie und globale Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und Migration bewältigen.

Die Enzyklika ist nach seinen Anfangsworten dem Ordensgründer Franz von Assisi (1181/82-1226) und dessen Offenheit gegenüber allen Menschen verpflichtet. Einleitend schreibt Papst Franziskus:

 „‚Fratelli tutti‘ schrieb der heilige Franz von Assisi und wandte sich damit an alle Brüder und Schwestern, um ihnen eine dem Evangelium gemäße Lebensweise darzulegen. Von seinen Ratschlägen möchte ich den einen herausgreifen, mit dem er zu einer Liebe einlädt, die alle politischen und räumlichen Grenzen übersteigt. Er nennt hier den Menschen selig, der den anderen, ‚auch wenn er weit von ihm entfernt ist, genauso liebt und achtet, wie wenn er mit ihm zusammen wäre‘.“

Anlässlich der Unterzeichnung reiste der Papst eigens in die umbrische Pilgerstadt Assisi, um am Grab des Heiligen in der Basilika San Francesco eine Messe zu feiern.

Im Lehrschreiben mahnt Franziskus zu einer Abkehr von Egoismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Nur so ließen sich die Folgen der Corona-Pandemie und globale Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und Migration bewältigen. Ein wesentlicher Schlüsselsatz im neuen Werk von Papst Franziskus lautet:

„Träumen wir von einer einzigen Menschheit, wie Weggefährten vom gleichen menschlichen Fleisch, wie Kinder der gleichen Erde, die uns alle beherbergt, jedem mit dem Reichtum seines Glaubens oder seiner Überzeugungen, jedem mit seiner eigenen Stimme, allen Geschwistern.“

Mit „Fratelli tutti“ wendet sich der Papst an die gesamte Menschheit und liefert ein eindringliches Plädoyer für Geschwisterlichkeit und Freundschaft über alle Grenzen hinweg.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, sieht die Sozialenzyklika von Papst Franziskus als „Weckruf“ an. Im Kern gehe es darin um die Würde des Menschen, die sich aus der Gottesebenbildlichkeit heraus begründe. Weiter betonte Bätzing: „Die Enzyklika ist ein Weck-, Mahn- und Hoffnungsruf. Ein Weckruf, dass wir zueinander finden. Ein Mahnruf, dass wir den Nächsten nicht vergessen. Ein Hoffnungsruf, der uns auffordert, Mauern niederzureißen und Zusammenhalt zu stärken.“

 

Anbei eine Auflistung von Artikeln zur neuen Enzyklika von Papst Franziskus:

Enzyklika „Fratelli tutti“: Papst ruft zu neuer Weltordnung auf (katholisch.de)

„Fratelli tutti“: Papst Franziskus‘ Programm für eine brüderliche Welt (katholisch.de)

10 Schlüsselzitate aus „Fratelli Tutti“ (catholicnewsagency.com)

Dokumentation: Die wichtigsten Auszüge aus „Fratelli tutti“ (katholisch.de)

Aufruf zu einer neuen Weltordnung (domradio.de)

„Eine Utopie anderer Zeiten“: Enzyklika „Fratelli tutti“ im Wortlaut (kathpress.at)