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Pater Kreitmeir: „Fasten lässt in uns die Sehnsucht nach Mehr neu aufleben“

In seiner Predigt zum 1. Fastensonntag (Lesung: Gen 2, 7-9;3, 1-7; Evangelium: Mt 4, 1-11) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir den tiefen Sinn der christlichen Fastenzeit.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

 

Seit Aschermittwoch sind wir Christen in die österliche Bußzeit, die Fastenzeit eingetreten. Interessanterweise ist es dieses Jahr so, dass bei den Moslems nun auch der Ramadan, der Fastenmonat begonnen hat. Jeder wird für sich Wege finden, den eigenen Konsum in vielerlei Hinsicht zu reduzieren, um ganzheitlich freier zu werden. Körperlich, geistig und seelisch freier werden von belastenden Kilos oder seelischen Belastungen. Dabei kann das Fasten eine wirkliche Hilfe sein und es wird auch neu entdeckt.

Nicht wenige Menschen wenden sich der „Heilkraft des Verzichts“ deshalb zu, weil seelische Überbelastung, wie zum Beispiel Burnout, oder körperliche Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, sie dazu gleichsam „zwingen“.

Das Verzichten, das Fasten birgt aber auch spirituelle Schätze in sich, die wieder neu entdeckt werden wollen.

Die Kirche bietet uns mit der 40-tägigen Fastenzeit dafür eine besondere Zeit, neu zu sich und zu Gott zu kommen. Dabei sind Fasten, Gebet und das Erkennen seiner eigenen Grenzen Hilfen, um seinem Leben eine neue, sinnvolle und befreiende Orientierung zu geben.

Wie mit einem Paukenschlag zeigt das heutige Evangelium wie Jesus nach 40 Tagen und Nächten in der Wüste entscheidende Versuchungen durchmachen musste.

Die entscheidenden Versuchungen Jesu in der Wüste betrafen das ganze Menschsein:

  • Die erste Versuchung betrifft existentielle Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken. Es geht um die tiefer liegende Frage, was uns nährt und wovon wir wirklich leben?
  • In der zweiten Versuchung geht es um geistig-geistliche Grundbedürfnisse und hier vor allem um das Gottvertrauen.
  • Und die dritte Versuchung tangiert die psychischen Grundbedürfnisse. Es geht um Macht und Ehre, um Prestige. Wer bin ich?

Wer fastet, kommt in Kontakt mit seinen Urfragen, seinen Beschränkungen, seinen eingeschliffenen Verhaltens- , Denk- und Fühlweisen.

Er wird sich bedürftig erleben. Das oft so Selbstverständliche wie Essen, Trinken, sicherer Wohnraum, Kraft und Energie werden als wertvolle Geschenke erlebt.

Wer fastet, kommt mit tieferen Quellen der Seele und der Geistigkeit in Berührung.

Für die einen sind diese Quellen rein humanistischer Art, für andere zeigt sich ein spiritueller Hintergrund, Gott. In allen Religionen spielt das Fasten eine wichtige Rolle.

Fasten lässt in uns die Sehnsucht nach Mehr neu aufleben, Träume werden lebendig und bringen uns in Kontakt mit unseren Schattenseiten. Verdrängtes, Verstecktes, Ungewolltes kommt aus der Deckung hervor, will beachtet und integriert werden.

Für Christen gilt das Beispiel Jesu, wie er mit den Bedürfnissen des Alltages umging, wie er fastete, wie er betete. Wir Christen sehen in Jesus Christus Gottes Sohn. Gott bringt seinen Sohn in der Wüste an die Grenzen der Belastbarkeit. Sein Festhalten am Eigentlichen und wirklich Lebenswichtigen durch alle Versuchungen hindurch gibt uns Hoffnung und Mut für unser Leben.

Jesus zeigt uns das Land der Freiheit, das durch Wüstenzeiten hindurch entdeckt und errungen werden will, das uns aber auch geschenkt wird. Jesus ist entschieden in seinem Tun, er weist den Satan, den „Schattenbruder unserer Seele“ in seine Schranken … „und dieser ließ von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm“.

Wer Jesus glaubt, wer an Jesus glaubt, der erfährt den „Lichtbruder an seiner Seite“, der ihm den Weg zu innerer und äußerer Freiheit zeigt.

Jesus macht uns den Weg frei zu uns selbst, zu größerer Menschlichkeit, zu ihm, zu Gott.

Wer auf Jesus in den Licht- und Schattenseiten des Lebens vertrauen lernt, der wird das große Vertrauen ins Leben, der wird Gottvertrauen lernen. Er wird die echte „Freiheit eines Christenmenschen“ entdecken und leben können.

Fastenzeit ist keine Zeit der Trübsal,

sondern eine Einladung, intensiver, bewusster, erfüllter zu leben –

nicht mehr an der Oberfläche bleiben,

nicht mehr nur um sich selbst kreisen,

unangenehme Fragen an sich heranlassen

und zu sich selbst finden:

 

Warum bin ich oft traurig oder unzufrieden?

Was gibt mir wirklich Halt, Kraft und Orientierung?

Wo ist meine Sehnsucht hin? Wonach sehne ich mich?

 

Ich will wieder echte Freude spüren,

Liebe und Geborgenheit, ja Heimat erfahren,

in mir, bei anderen, bei Gott!

Lebendig will ich sein und jetzt in diesen 40 Tagen

mich auf-machen zur wahren Lebensquelle.

 

Danke, Jesus, dass du bei dieser Reise

mein Lichtbruder sein wirst, damit ich hinter

meinem Schatten das finde, was wirklich zählt. Amen.

 

 

Anbei ein Lied des christlichen Liedermachers Siegfried Fietz zur Fastenzeit, das die Worte von Pater Kreitmeir nachklingen lässt:

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