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Pater Kreitmeir: „Hinter Jesus und seinem Tun steht die göttliche Liebe“

In seiner Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: Jes 55, 10-11; Evangelium: Mt 13, 1-9) erklärt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, warum das Reich Gottes so zögerlich kommt und welche Wirkmacht die leibgewordene Liebe Gottes innehat.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Im Alten wie auch im Neuen Testament finden sich viele Bilder und Gleichnisse aus der Natur, die uns die Augen öffnen wollen für das Wirken des Wortes Gottes, für die Realität des Reiches Gottes in uns, unter uns und in unserer Welt.

Jesus spricht sehr gerne in Gleichnissen vom Reich Gottes.

Der große jüdische Religionsphilosoph Martin Buber benannte Jesu Lehre weniger als eine Lehre, sondern mehr als ein Fensteraufmachen und die Einladung, genauer hinzusehen.

Jesu Gleichnisse erschließen die Tiefenwahrheit des Wirklichen und jeder und jede kann sie in ihrer Einfachheit nachvollziehen.

Hinter Jesu berühmtem Gleichnis vom Sämann steht die Tatsache, dass er sein öffentliches Wirken mit einer großen Verheißung begonnen hatte: „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1, 15).

In diesen Worten stecken viel Hoffnung und Erwartung, die Erwartung etwa, dass sich die Verheißungen des Alten Testamentes erfüllen werden. So eine kraftvolle Verheißung hörten wir in der Lesung aus dem Propheten Jesaja: „Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55, 10-11)

Wir wissen aber aus unserem Leben, dass nicht alles funktioniert, dass nicht jedes ausgesandte Wort den Empfänger offen und aufnahmebereit antrifft. So viele, unzählige Worte sind gleichsam nutzlos in den Wind gesprochen und vieles kommt anders, als wir es erwartet oder uns gewünscht haben.

Und das ist auch die Erfahrung der Gläubigen, die im Laufe ihres Lebens schon ins Straucheln kommen können. Ist das Reich Gottes wirklich im Kommen? Warum siegen immer die Bösen, die Brutalen, die, welche mit Gewalt das Gute verhindern wollen? Ist das Wort Gottes wirklich so wirkmächtig, wie es mit den Worten des Propheten Jesaja dargestellt wird?

Das ist die Situation, in die hinein Jesus das Gleichnis vom Sämann erzählt und in der wir dieses Gleichnis hören. Dieses Gleichnis ist sehr realistisch: Dreiviertel der Aussaat geht daneben.

Jesus will uns erklären, warum das Reich Gottes so zögerlich kommt und warum das Wort Gottes anscheinend so wenig Frucht bringt.

Die Wirksamkeit des Wortes Gottes hängt nämlich auch von der Beschaffenheit des Bodens ab, auf den der Same fällt. Ein Teil des Samens fällt auf den Weg und die Vögel kommen und fressen ihn. Ein anderer Teil fällt auf felsigen Boden und ein weiterer Teil in die Dornen.

Gott verändert den Boden nicht gewaltsam. Er respektiert die Freiheit und nimmt sozusagen dieses Schicksal des Samens in Kauf.

Aber das Kommen des Reiches Gottes kann trotzdem nicht aufgehalten werden. Der Same fällt auch auf guten Boden und bringt reiche Frucht, hundertfach, sechzigfach und dreißigfach.

Hinter aller nüchternen Realität steht die Hoffnung, ja die wissende Zuversicht Jesu, dass der Same aufgehen wird.

Jesus spricht Hoffnungsworte, weil er die menschgewordene Hoffnung und die leibgewordene Liebe Gottes ist, die mit ihrer Trotzdemkraft nicht aufgibt.

Der Philosoph Sören Kierkegaard nannte die Hoffnung einmal das Leiden an der Wirklichkeit und die Leidenschaft für das Mögliche.

Genau so redet und handelt Jesus: Leidenschaftlich für das Mögliche und leidend an der Realität, die er in ihrer Brutalität auskostete. Und trotzdem – TROTZDEM – nutzte er sein Zeitfenster in dieser Welt und hinterließ Spuren und aufgegangene Samen, deren Früchte nichts und niemand mehr zunichte machen kann.

Hinter Jesus und seinem Tun stand und steht die göttliche Liebe, der göttliche Vater. Seine Gleichnisse sind die Offenbarung dieses Gottes und seiner Wirkmacht der Liebe.

Eine Nachfolgerin Jesu, die weltbekannte heilige Mutter Teresa, lebte diese Trotzdemkraft des christlichen Glaubens und hinterließ uns wunderbare Weisungen in dem Text „Tu´s trotzdem“ (Hinweis: Diesen Text zum Nachlesen gibt es HIER).

 Das Gleichnis vom Sämann, welches diese Trotzdemkraft darstellt, ist auch eine Mahnung an die Zuhörer, eine Ermutigung, darauf zu achten, selbst ein gutes Erdreich zu sein. So ist dieses Gleichnis auch Anlass zur Frage, auf welchen Boden fällt der Same des Wortes Gottes bei mir. Fällt er auf den Weg oder auf felsigen Boden oder fällt er in die Dornen? Oder fällt er auf gutes Erdreich und bringt reiche Frucht. Amen.