Pater Peter Uzor: „Die Menschen um Jesus sind wie Spiegel für uns“
In seiner Predigt zu Palmsonntag 2026 beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor die Spannung, die zwischen Palmsonntag bis zum Karfreitag liegt, die Spannung des menschlichen Lebens.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:
Der Palmsonntag beginnt mit Jubel – und endet mit der Passion. Zwischen diesen beiden Polen spannt sich heute unser Gottesdienst. Am Anfang hören wir die Menschen rufen: „Hosanna dem Sohn Davids!“ Jesus zieht in Jerusalem ein, die Menschen breiten ihre Kleider aus, sie schwenken Palmzweige. Es ist ein Moment großer Hoffnung.
Und nur wenige Minuten später hören wir die andere Stimme: die Stimme der Passion. Von Verrat, Verlassenheit, Spott und schließlich vom Kreuz.
Kaum ein Tag im Kirchenjahr zeigt so deutlich die Spannung des menschlichen Lebens.
Jubel und Enttäuschung. Hoffnung und Scheitern. Nähe und Verlassenheit. Der Palmsonntag hält uns gewissermaßen einen Spiegel vor: Das ganze Leben kommt darin vor.
Wenn wir die Passionsgeschichte hören, begegnen uns viele Menschen. Und jeder von ihnen kann uns ein Stück weit spiegeln.
Da ist die Menge, die heute jubelt und wenige Tage später „Kreuzige ihn!“ ruft. Vielleicht erkennen wir darin auch unsere eigene Wankelmütigkeit: Wie schnell können Stimmungen umschlagen.
Da sind die Jünger, die Jesus versprechen, bei ihm zu bleiben – und dann doch davonlaufen, als es ernst wird. Auch wir kennen Momente, in denen unser Glaube stark klingt, aber schwach wird, wenn er Mut braucht.
Da ist Petrus, der Jesus dreimal verleugnet – aus Angst. Auch wir kennen Situationen, in denen wir lieber schweigen, statt zu unserem Glauben zu stehen.
Aber es gibt auch andere Gestalten: Simon von Kyrene, der Jesus das Kreuz ein Stück mitträgt. Die Frauen, die bei ihm bleiben. Der Hauptmann unter dem Kreuz, der erkennt: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn.“
Die Passion zeigt uns also nicht nur, was damals geschah. Sie fragt auch: Wo stehe ich in dieser Geschichte?
Denn diese Geschichte ist nicht nur Vergangenheit. Sie wird lebendig, wenn wir uns darin wiederfinden. Wenn aus der Passion – aus dem Leiden – Compassion wird: Mitleiden, Mitgehen, Mittragen.
Und genau dazu lädt uns die Karwoche ein.
Jesus geht diesen Weg bewusst. Er reitet nicht auf einem Kriegspferd nach Jerusalem, sondern auf einem Esel. Er kommt nicht als mächtiger Sieger, sondern als König der Liebe. Ein König, der nicht herrscht, indem er andere niederdrückt, sondern indem er sich selbst hingibt.
Und gerade darin liegt das Geheimnis unseres Glaubens: Der Weg Gottes führt nicht am Leiden vorbei, sondern hindurch – und gerade so öffnet er einen neuen Weg.
Palmsonntag erinnert uns deshalb an zwei Wege: an den bejubelten Weg nach Jerusalem – und an den schweren Weg zum Kreuz. Beide gehören zusammen. Und beide gehören auch zu unserem Leben.
So gehen wir in diese Heilige Woche. Nicht als Zuschauer, sondern als Menschen, die mitgehen. Mit unseren Hoffnungen und mit unseren Brüchen, mit unserem Glauben und auch mit unseren Fragen.
Und wir dürfen darauf vertrauen: Der Weg Jesu endet nicht im Grab. Der Weg durch das Leiden führt zum Leben. Amen.
Anbei der Song „Fürchte dich nicht“ von Samuel Harfst, der die Worte von Pater Peter nachklingen lässt:



