Foto: Sarah Kosian / PromisGlauben

Pater Peter Uzor: „Reich ist der Mensch, der Gott gefunden hat“

Seine Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 1Kön 3:5,7-12; Evangelium Mt 13,44-52) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor unter die Überschrift „Die Wahl des bleibenden Wertes in einer Welt des Habens“.  Zu seiner Predigt sendet Pater Peter folgende zwei Gedanken zum Lesungs- und Evangeliumstext voraus:

In der alttestamentlichen Lesung wird berichtet, dass König Salomo nicht um Reichtum oder Erfolg bittet, sondern um ein hörendes Herz – ein Herz, das auf Gott hört und die Menschen wahrnimmt. Ich finde, das ist auch heute eine der schönsten Bitten, die wir an Gott richten können.

Mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker erinnert Jesus daran, dass die Beziehung zu Gott der größte Schatz unseres Lebens ist. Alles andere vergeht irgendwann, aber wer Christus gefunden hat, besitzt etwas, das ihm niemand nehmen kann.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:

 

Stellen Sie sich vor, Gott würde heute Nacht zu Ihnen kommen und sagen: „Bitte mich um etwas. Ich gebe dir, was du willst.“ Was würden Sie sich wünschen?

Die meisten von uns hätten sofort eine Liste im Kopf. Gesundheit. Sicherheit. Vielleicht ein bisschen mehr Geld, damit die Sorgen aufhören. Erfolg für die Kinder. Ein langes Leben. Das sind keine schlechten Wünsche – sie sind zutiefst menschlich.

Genau das ist die Situation, in der sich der junge König Salomo in der ersten Lesung befindet. Gott sagt ihm: „Bitte, was ich dir geben soll.“ Ein junger König, kaum im Amt, mit einem riesigen Volk auf seinen Schultern – und Gott öffnet ihm einen Wunsch, ohne Grenzen.

Und was antwortet Salomo? Er bittet nicht um Reichtum. Nicht um Macht über seine Feinde. Nicht einmal um ein langes Leben. Er bittet um ein „hörendes Herz“ – im hebräischen Urtext steht dort lev schome’a, wörtlich: ein Herz, das zuhören kann. Ein hörendes Herz – ein Herz, das auf Gott hört. Ein Herz, das die Menschen wahrnimmt. Ein Herz, das zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Ein Herz, das unterscheiden kann zwischen dem, was dem Leben dient, und dem, was ihm schadet. Ein Herz, das nicht zuerst an sich selbst denkt, sondern an das Wohl der anderen.

Und bemerken Sie: Salomo bittet nicht für sich selbst. Er sagt, er brauche dieses Herz, um „dein Volk zu regieren und zwischen Gut und Böse zu unterscheiden“. Es geht ihm nicht um sein eigenes Wohlergehen, sondern darum, den Menschen, die ihm anvertraut sind, wirklich dienen zu können.

Ein Herz, das hört, bevor es entscheidet. Das ist die erste, große Weisheit, die uns die Schrift heute schenkt: Der wertvollste Besitz eines Menschen ist nicht das, was er anhäuft, sondern das, was er in sich trägt – die Fähigkeit, richtig zu unterscheiden und wirklich zuzuhören.

Und Gott freut sich über diese Bitte, weil Salomo nicht das Naheliegende, sondern das Wesentliche gewählt hat.

Natürlich sind Geld, Erfolg oder ein schönes Zuhause nichts Schlechtes. Sie können große Gaben Gottes sein. Aber sie werden gefährlich, wenn sie zum Maßstab unseres Lebens werden. Denn dann beginnen wir, den Wert eines Menschen nach seinem Besitz zu beurteilen und nicht mehr nach seinem Herzen.

Genau diese Frage – Was ist wirklich wertvoll? Was ist das Wesentliche?  nimmt Jesus im heutigen Evangelium auf, und er tut es mit drei kleinen Geschichten, die uns eigentlich alle sehr vertraut vorkommen.

Ein Mann pflügt einen fremden Acker und stößt zufällig auf einen verborgenen Schatz. Reiner Glücksfall. Ein Kaufmann dagegen sucht jahrelang, systematisch, mit Erfahrung und Mühe – und findet schließlich die eine kostbare Perle, nach der er sein ganzes Leben gesucht hat.

Zwei ganz unterschiedliche Wege. Der eine findet den Schatz überraschend. Der andere nach langer Suche. So unterschiedlich sind auch unsere Glaubensgeschichten.

Manche Menschen erfahren Gott ganz plötzlich. Ein Erlebnis, eine Krankheit, eine Begegnung oder ein Wort verändert ihr Leben. Andere suchen viele Jahre. Sie stellen Fragen, zweifeln, kämpfen und entdecken Gott Schritt für Schritt.

Beides gibt es. Entscheidend ist nicht, wie der Schatz gefunden wird. Entscheidend ist, dass sein Wert erkannt wird. Beide Männer verkaufen alles, um diesen Schatz zu besitzen. Man könnte fragen: Ist das nicht übertrieben? Nein. Denn wenn jemand etwas findet, das unendlich kostbarer ist als alles andere, dann verändert sich seine ganze Werteskala. Genau das meint Jesus mit dem Reich Gottes.

Der Glaube ist keine zusätzliche Dekoration unseres Lebens. Er ist kein schönes Hobby für den Sonntag. Er ist der Schatz, von dem aus alles andere seinen Platz bekommt.

Wenn Gott in der Mitte unseres Lebens steht, verändert sich unser Blick.

Dann fragen wir nicht mehr zuerst: Was bringt mir das? Sondern: Ist das gut? Ist es wahr? Dient es dem Leben? Führt es mich näher zu Gott und zu den Menschen?

Diese neue Sichtweise brauchen wir heute dringender denn je.

Denn unsere Zeit leidet nicht zuerst an einem Mangel an Dingen. Sie leidet oft an einem Mangel an Orientierung. Wir besitzen mehr Möglichkeiten als jede Generation vor uns. Wir kommunizieren schneller. Wir reisen weiter. Wir haben mehr Informationen als jemals zuvor. Und trotzdem fragen viele Menschen: Wofür lebe ich eigentlich? Was trägt mich wirklich? Was bleibt, wenn Gesundheit, Erfolg oder Ansehen einmal wegbrechen?

Die heutigen Lesungen geben darauf eine erstaunlich klare Antwort: Nicht das, was wir besitzen, macht unser Leben reich. Sondern das, was unser Herz besitzt.

Ein Mensch kann viel Geld haben und innerlich arm sein. Ein anderer besitzt wenig und strahlt dennoch Frieden, Hoffnung und Güte aus.

Wir alle kennen solche Menschen. Menschen, die zuhören können. Menschen, die Versöhnung stiften. Menschen, die Zeit schenken. Menschen, bei denen man sich angenommen fühlt. Solche Menschen hinterlassen Spuren, die viel länger bestehen als jedes Bankkonto oder jedes Gebäude.

Darum ist Salomos Bitte so aktuell.

Vielleicht sollten wir morgens nicht zuerst darum bitten, dass alles nach unseren Vorstellungen gelingt. Vielleicht sollten wir Gott vielmehr sagen: „Herr, schenke mir heute ein hörendes Herz. Ein Herz, das nicht nur meine eigenen Sorgen kennt. Ein Herz, das den anderen wahrnimmt. Ein Herz, das unterscheiden kann zwischen dem, was nur glänzt, und dem, was wirklich wertvoll ist.“

Das Evangelium endet mit einem dritten Bild. Jesus spricht von einem großen Netz, das viele verschiedene Fische einfängt. Das Netz ist ein Bild für die Kirche. In diesem Netz finden sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Junge und Alte. Suchende und Überzeugte. Starke und Schwache. Heilige und Sünder.

Die Kirche war nie eine Gemeinschaft vollkommener Menschen. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen, die immer wieder neu lernen, sich von Gott formen zu lassen. Darum spricht Jesus auch vom Unterscheiden. Nicht alles, was wir im Leben sammeln, ist wirklich wertvoll. Auch wir müssen immer wieder sortieren. Welche Gedanken nähren mein Leben? Welche Gewohnheiten helfen mir? Welche Beziehungen tun gut? Was bindet mich an Gott – und was entfernt mich von ihm?

Diese Fragen sind unbequem. Aber sie führen in die Freiheit. Denn das Reich Gottes ist nicht nur ein Geschenk. Es ist auch eine Entscheidung. Jeden Tag neu.

Auch wir verkaufen nicht buchstäblich alles wie die Männer im Evangelium. Aber wir geben jeden Tag etwas von unserem Leben weg. Wir schenken Zeit. Wir setzen unsere Kraft ein. Wir investieren unsere Aufmerksamkeit. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wofür?

Denn worin wir unsere Zeit, unsere Liebe und unsere Kraft investieren, das zeigt, was uns wirklich wichtig ist. Vielleicht ist das die wichtigste Gewissenserforschung dieser Woche: Was ist der Schatz meines Herzens? Ist es nur das, was vergeht? Oder ist es Christus, der bleibt?

Liebe Schwestern und Brüder,

die Welt wird uns auch morgen wieder sagen, dass wir immer mehr brauchen. Jesus sagt heute etwas ganz anderes. Nicht wer immer mehr besitzt, ist reich.

Reich ist der Mensch, der Gott gefunden hat.

Denn wer Gott gefunden hat, besitzt einen Schatz, den niemand stehlen kann. Eine Hoffnung, die Krisen überdauert. Einen Frieden, den Geld nicht kaufen kann. Und eine Liebe, die sogar stärker ist als der Tod.

Bitten wir deshalb heute mit Salomo nicht zuerst um mehr Besitz, sondern um mehr Weisheit. Bitten wir um ein hörendes Herz. Ein Herz, das den wahren Schatz erkennt. Ein Herz, das den Mut hat, sich immer wieder neu für Christus zu entscheiden.

Denn wer diesen Schatz gefunden hat, verliert vielleicht manches – aber er gewinnt das Entscheidende: ein erfülltes Leben mit Gott, das schon hier beginnt und in seiner Ewigkeit vollendet wird. Amen.

Anbei eine Interpretation von Sr. Edit Luljeta Krasniqi des Songs „Jesus Christus soll euer Reichtum sein“, der die Worte von Pater Peter Uzor nachklingen lässt:

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