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Pater Peter Uzor: „Was wir wirklich glauben, zeigt sich in dem, was wir tun“

In seiner Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis (Lesungen: Ez 18,25-28 und Phil 2,1-11; Evangelium: Mt 21,28-32) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor in Auslegung der beiden Lesungstexte und des Evangeliums, wie christliche Umkehr auf dem Weg vom Nein zum Ja aussieht.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:

 

Kennen Sie das: Man verspricht etwas mit den besten Absichten – und dann bleibt es doch nur ein Wort? Oder umgekehrt: Man sagt erst schroff „Nein“, und dann, nach einer Nacht des Nachdenkens, tut man es doch? Genau von dieser alltäglichen Erfahrung erzählt Jesus heute im Evangelium. Zwei Söhne, ein Vater, eine einfache Bitte: Geh heute in den Weinberg und arbeite. Der erste Sohn sagt unverblümt: Nein, ich will nicht. Doch später überlegt er es sich anders und geht. Der zweite Sohn antwortet höflich: Ja, Herr, ich gehe. Aber er geht nicht. Jesus fragt seine Zuhörer: Wer von beiden hat den Willen des Vaters getan? Die Antwort liegt auf der Hand: der erste – trotz seines schroffen Neins.

Diese kleine Geschichte, die Jesus im Tempel erzählt, wenige Tage vor seinem Tod, richtete sich damals an die Hohepriester und Schriftgelehrten. Sie hatten Nein gesagt zu Johannes dem Täufer und Nein zu Jesus – obwohl sie tief im Inneren spürten, dass seine Botschaft von Gott kam. Zöllner und Dirnen dagegen, Menschen, die ihr Leben lang Nein gesagt hatten zu Gott, begannen umzukehren. Deshalb sagt Jesus den Frommen diesen harten Satz: Die Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

Aber dieses Gleichnis ist nicht nur eine Geschichte von damals. Es ist unsere Geschichte.

Es geht nicht darum, ob wir schon immer fromm waren, ob wir einen guten Ruf haben, ob wir schöne Worte über Gott finden. Man kann den Namen des Herrn ständig auf den Lippen tragen, jeden Sonntag hier sitzen, und doch innerlich unverändert bleiben.

Was wir sagen, zählt – aber was wir wirklich glauben, zeigt sich in dem, was wir tun.

Die Heilsgeschichte ist voll von Menschen, die genau diesen Weg vom Nein zum Ja gegangen sind. Petrus verleugnet Jesus dreimal – und wird später der Fels der Kirche. Thomas zweifelt hartnäckig an der Auferstehung – und bekennt dann: Mein Herr und mein Gott. Paulus verfolgt die ersten Christen mit aller Härte – und wird zum größten Missionar der Kirche. Augustinus verbringt Jahre in einem Leben, das seiner Mutter Monika schlaflose Nächte bereitet – und wird einer der größten Theologen der Kirchengeschichte. Ihre Geschichten sagen uns etwas sehr Tröstliches:

Unsere Vergangenheit muss nicht unsere Zukunft bestimmen.

Genau das sagt uns auch der Prophet Ezechiel in der ersten Lesung. Die Menschen beschweren sich: Gott sei ungerecht. Sie meinen, die Vergangenheit müsse alles entscheiden. Aber Gott sagt: Wenn ein Ungerechter von seinem Unrecht umkehrt, wird er leben. Und wer immer treu war, aber jetzt vom rechten Weg abweicht, kann sich nicht auf seine guten Taten von gestern berufen wie auf ein Guthaben, mit dem er heutiges Versagen bezahlt.

Gott schaut nicht in erster Linie auf unsere Bilanz von gestern. Er fragt: Wie antwortest du heute?

Diese Umkehr, von der das Evangelium spricht, ist mehr als ein flüchtiges Gefühl des Bedauerns. Im biblischen Sinn heißt sie: eine echte Kehrtwende. Sie hat drei Schritte: Zuerst erkennen wir, dass etwas in unserem Leben nicht Gottes Willen entspricht. Dann nehmen wir diese Wahrheit an, ohne Ausreden zu suchen. Und schließlich handeln wir anders. Es genügt nicht, „Entschuldigung“ zu sagen, wenn wir bewusst im selben Verhalten verharren. Umkehr wird glaubwürdig, wenn sie sichtbare Frucht trägt – auch wenn diese Frucht langsam wächst.

Wo aber finden wir das Maß, das Vorbild für diese Umkehr? Die zweite Lesung gibt uns die Antwort, und sie ist die schönste, die ich kenne. Paulus schreibt den Philippern: Seid untereinander so gesinnt, wie es Christus Jesus entspricht. Er, der Gott gleich war, hat sich selbst erniedrigt, wurde Mensch, wurde Diener – gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Das ist kein Gehorsam der Lippen. Es ist ein Ja, das ganz und gar Tat wird.

Wenn wir also fragen, wie christliche Umkehr aussieht, dann heißt die Antwort: Sie sieht aus wie Christus. Sie tauscht Stolz gegen Demut, Selbstsucht gegen Dienst, Groll gegen Vergebung.

Die beiden Söhne im Gleichnis stehen für zwei unvollkommene Antworten auf Gott: offener Widerstand, der noch heilbar ist durch Umkehr – und äußere Anpassung ohne inneres Engagement. Christus selbst zeigt uns die vollkommene Antwort: ein demütiges Ja, das zur gehorsamen Tat wird.

Liebe Schwestern und Brüder: Die entscheidende Frage heute ist nicht: War ich immer ein guter Christ? Die bessere Frage lautet: Antworte ich heute auf Gott?

Wenn wir schlecht begonnen haben, ist es nicht zu spät, uns zu ändern. Ein verspätetes Ja ist immer noch ein Ja. Und wenn wir gut begonnen haben, dürfen wir nicht meinen, das genüge für immer – wir sind eingeladen, treu zu bleiben, jeden einzelnen Tag neu.

Jeder von uns hat schon einmal Nein gesagt zu Gott – durch Worte, durch Schweigen, durch Bequemlichkeit. Aber die Konsequenzen unserer Fehler müssen nicht das letzte Wort behalten. Sie können uns zur Umkehr führen, wenn wir es zulassen. Gehen wir heute mit diesem einen Gedanken nach Hause: Es ist noch Zeit, in den Weinberg zu gehen. Möge der Herr unser Herz wandeln und unser Leben zu einem echten, tatkräftigen Ja an ihn machen. Amen.