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Der Journalist und Bestseller-Autor Peter Seewald, der viele Jahre für den Stern, den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung gearbeitet hat, widmete sich in den letzten Jahren vornehmlich religiöser Themen. Intensiv beschäftigte er sich in Interviews mit Papst Benedikt XVI., woraus Bücher wie „Salz der Erde“ (1996), „Gott und die Welt“ (2000) oder „Licht der Welt“ (2010) entstanden. Diese Veröffentlichungen wurden vielfach übersetzte Bestseller. Wie auf Wikipedia zu lesen ist, waren diese Interviews mit Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) laut Seewald auch Anlass seiner Rückbesinnung, die schließlich in seinem Wiedereintritt in die katholische Kirche resultierte. Nun kam gerade seine Papst-Biographie „Benedikt XVI. – Ein Leben“ heraus, die Seewald selbst als „Jahrhundertbiographie“ bezeichnet.

Das 1184 Seiten starke Werk „beschreibt die Wegscheiden im Leben des 93-Jährigen mit Empathie, meist nimmt [Seewald] ihn gegen Kritik in Schutz.“ Wie domradio.de berichtet, vermittelt er immer dann wirklich neue Erkenntnisse, „wenn er aus persönlichen Gesprächen mit dem Alt-Papst (oder mit dessen Sekretär) schöpft“.

Im Interview mit CNA beschreibt Seewald die Entstehung des Buches wie folgt:

„Ich begann damit im Laufe des Jahres 2012, als Papst Benedikt noch im Amt war. Wir führten die Gespräche bis 2018 weiter, zuletzt im seinem kleinen Kloster in den Vatikanischen Gärten.“

Außerdem sagt Seewald über Benedikt XVI.:

„Das Leben Joseph Ratzingers ist eine Jahrhundertbiografie. Man hatte dabei immer gedacht, der Aufstieg des früheren Theologie-Professors sei ein glatter Durchmarsch gewesen, eine Karriere ohne Brüche. Doch es gibt darin unzählige Auf und Abs, mit Dramen, die an den Rand des Scheiterns führten. Da waren die Erfahrungen in der Nazizeit, als es hieß, katholische Priester würden nach dem ‚Endsieg‘ entweder Berufsverbot bekommen oder im KZ landen. Als Student hatte er sich in ein Mädchen verliebt ­– eine Geschichte, die seine Entscheidung für den Priesterberuf existentiell machte.“

Weiter stellt der 65-Jährige in seinem neuen Buch die Bedeutung von Joseph Ratzinger für die Neuausrichtung der katholischen Kirche im II. Vatikanischen Konzil heraus. Dazu betonte er im CNA-Interview:

„Mir war auch nicht bewusst, dass Ratzingers Anteil am Konzil nicht marginal, sondern riesig ist. Er selbst hat das immer heruntergespielt. Aber an der Seite von Kardinal Frings war er im Grunde der maßgebliche Spin-Doctor des Vatikanums. „

 

domradio.de verweist im Artikel zum neuen Seewald-Buch auf die immense Bedeutung von Joseph Ratzinger für die katholische Kirche mit folgenden Worten: „Joseph Ratzinger, hat drei Pontifikate geprägt: Das von Johannes Paul II. (1978-2005), dessen theologischen Kurs er als ‚Chef-Dogmatiker‘ entscheidend mitbestimmte. Dann sein eigenes, kirchenpolitisch eher glückloses als Benedikt XVI. (2005-2013). Und schließlich auch das von Papst Franziskus, den er nun fast schon ebenso lang, wie er aktiv Papst war, als emeritierter Papst begleitet und sich dabei selten, aber stets Kontroversen auslösend, zu Wort meldet.“

Die Deutsche Welle berichtet, dass die Biographie nicht zuletzt deshalb so überzeugend sei, da „der 65-jährige Seewald, knapp 100 Kilometer von den Orten der Ratzinger-Kindheit im katholischen Milieu aufgewachsen, später aus der Kirche ausgetreten und durch die Auseinandersetzung und Annäherung an Ratzinger [dorthin] zurückgekehrt ist.“

Gegenüber katholisch.de betonte Peter Seewald aktuell selbst:

„Heute bin ich davon überzeugt, dass der Mann eine der verkanntesten Persönlichkeiten unserer Zeit ist.“

Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, sprach Peter Seewald, um ein differenziertes Bild von Joseph Ratzinger zu gewinnen, nicht nur in Interviews mit ihm selbst, sondern darüber hinaus mit etwa 100 Zeitzeugen, die sein Menschsein und seine berufliche Laufbahn beleuchten und das Bild Ratzingers vervollständigen.

Peter Seewald, der nahe Passau in einer katholischen Familie aufwuchs und Oberministrant in seiner Heimatgemeinde war, tauschte recht früh in seinem Leben seine ursprünglich enge religiöse Bindung gegen eine kirchenkritische Haltung im Zuge der 68er-Bewegung, während der er Anhänger des Marxismus wurde und die 1973 zum Kirchenaustritt führte. Dazu sagte Seewald einmal:

„Ich war vollkommen weg von Religion und Kirche und hatte damit nichts mehr am Hut.“

Aus den Gesprächen mit Papst Benedikt XVI. resultierte eine Rückbesinnung, die schließlich in seinem Wiedereintritt in die katholische Kirche mündete. Was macht Joseph Ratzinger so überzeugend, dass jemand, der sich mit ihm und dessen Leben beschäftigt, wieder in die Kirche eintritt? Darüber sprach Peter Seewald vor Jahren mit br-online sowie im Interview mit dem Münchner Kirchenradio, wie in der Schulveröffentlichung „Was Promis glauben – Gedanken über Gott, Religion und Kirche“ (kath. Schulkommissariat in Bayern, 2012) nachzulesen ist. So erklärte der Journalist u.a.:

„In meiner Zeit beim SZ-Magazin habe ich dann angefangen, immer wieder religiösen Themen nachzugehen. Ich habe immer wieder Geschichten vorgeschlagen wie: ‚Was ist heute mit der Spiritualität? Wo ist Gott? Interessiert sich noch jemand dafür? usw.’ Ich habe damals auch angefangen, in der Richtung zu provozieren, dass auf Partys unter Kollegen die Frage gestellt habe: ‚Moment mal, es könnte doch sein, dass die Kirche zumindest nicht überall Unrecht hat. Es könnte ja sein, dass sie in manchen Punkten auch Recht hat, dass sogar der Papst Recht hat.‘ „

Dazu betonte er weiter:

„Ich hatte dann auch erkannt, wohin eine Gesellschaft geht, die sich von Gott trennt. Man musste schon blind sein, um nicht zu sehen, dass quasi der Grundwasserspiegel unserer Kultur pausenlos sinkt. Für mich hat sich daher die Frage gestellt, ob das nicht auch etwas mit der Verkennung der Kirche zu tun hat. Hat diese Senkung der Kultur vielleicht nicht auch damit zu tun, dass wir das Angebot der Kirche so vernachlässigt haben?“

Im Zuge der Veröffentlichung seines Buches „Licht der Welt“ im Jahr 2010 erklärte Peter Seewald:

„Für heutigen Lifestyle sind Positionen, wie sie von der katholischen Kirche vertreten werden, zu einer ungeheuren Provokation geworden. Wir haben uns angewöhnt, traditionelle, erprobte Standpunkte und Verhaltensweisen als etwas zu betrachten, was man zugunsten billiger Trends besser brechen sollte. Das Zeitalter des Relativismus jedoch, glaubt der Papst, einer Weltanschauung, „die nichts als endgültig anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich und seine Wünsche gelten lässt“, neige sich dem Ende zu. Heute wächst jedenfalls die Schar derjenigen, die an dieser Kirche nicht nur die Liturgie schätzen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit; und inzwischen wird nach vielfachem Wir-tun-nur-so-als-ob der Bewusstseinswandel deutlich, christliches Zeugnis wieder ernst zu nehmen und seine Religion authentisch zu leben.“

So ist für Seewald, der mittlerweile sogar versucht, ein Verständnis für die Motivation konservativer Katholiken zu wecken, heute klar:

„Kirche ist nichts Gestriges. Glaube hat etwas zu sagen. Und das Christentum ist, wenn ich das recht verstanden habe, nicht in erster Linie die Auseinandersetzung um Zölibat und den Primat des Papstes, sondern die Auseinandersetzung um die Frage, wie wir richtig leben könnten.“

Quellen: die-tagespost.de, randomhouse.de, domradio.de, wikipedia.org, dw.de, katholisch.de, br.de, mediummagazin.de, Was Promis glauben – Gedanken über Gott, Religion und Kirche (kath. Schulkommissariat in Bayern, 2012)

Autorin: Stefanie Maier