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In seinem Impuls zum heutigen Sonntagsevangelium (Markus 7,31-37), in dem von der Heilung eines Taubstummen durch Jesus berichtet wird, bringt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Björn Wagner das Evangelium mit seinen eigenen Erfahrungen in Verbindung und sensibilisiert für den Umgang mit Menschen mit Handicap.

 

Hier der Impuls zu Markus 7,31-37 von Pfarrer Björn Wagner:

 

Als ich ein Kind war, war ich in einer Einrichtung für Schwerhörige. Im Nachbarhaus waren die Gehörlosen oder die Taubstummen, wie manche sie noch nannten. Sie hörten sich komisch an, irgendwie gepresst kam aus ihnen das heraus, was sich nach Sprache anhören sollte.

Wie auch? Sie hörten ja niemanden sprechen, nur Mundbewegungen sahen sie. Wie er klingt, der sprechende Mensch, das konnten sie gar nicht wissen. Aber sie wollten eben auch sprechen – mit Gefühlen aus Bauch und Rachen. Wenn ihnen schon das Hören verschlossen blieb, so sprechen, dass sich im Leib etwas rührt, wollten sie schon.

Es gibt allerdings eine Sprache, die alle Menschen kennen: Die leise Sprache der Gefühle, die sich in Mimik und Gestik zeigt.

Die Gehörlosen in der Einrichtung von damals waren aufmerksam im Beobachten und Schauen, sie versuchten, den anderen durch freundlichen oder missbilligenden Blickkontakt zu zeigen, wie sie gerade drauf waren. Das bleibt mir gut in Erinnerung.

Und es waren Menschen, die ihnen gut taten: die Lehrerinnen, die Erzieherinnen, die Klassenkameraden und Freunde.

Und es gab da viel Umarmung und öfter als sonst eine Kopfnuss oder einen Schlag beim Streit. Irgendwie musste man sich ja ausdrücken bei der ganzen Isolation.

Im heutigen Evangelium heilt Jesus einen Taubstummen. Lassen wir uns anrühren, lösen wir Isolationen auf und öffnen uns denjenigen, die in „ihrer eigenen Welt leben“ – damit sie an unserer teilhaben und wir ihre kennenlernen.

Amen.

 

Anbei ein Lied der Band Pur, das schön zu den Worten von Pfarrer Wagner passt: