In seinen Gedanken zum 4. Adventssonntag geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf die Frage ein, wie uns ein bewusstes Erleben der Adventszeit dabei helfen kann, unsere Wartezeiten im Leben mit Leben zu füllen.

Hier die Worte seiner Predigt:

Wir sind am Ende der diesjährigen Adventszeit angekommen. Alles ist schon lange im Weihnachtsmodus. Deshalb hier und heute noch einmal ganz bewusst: Advent, 4. Advent.
Leider war diese Adventszeit für sehr viele Menschen wieder eine Zeit des Hetzens und Rennens. Wer aber ungeduldig durch´s Leben geht, fühlt sich permanent angespannt, innerlich unruhig, er ist gereizt und ärgerlich, er zieht Probleme und Widerstände an, so jemand kann sich schlecht konzentrieren, er setzt sich und andere unter Druck und kann nicht selten schlecht abschalten oder schlafen.

Unsere moderne „Alles-und-sofort-Gesellschaft“ befeuert die Ungeduld und macht Menschen zunehmend ganzheitlich krank.

Der Advent wäre dafür genau die richtige Medizin gewesen, denn er ist von der Grundidee her eine ausgewiesene Wartezeit, ein „in Erwartung sein“ auf das, was wir an Weihnachten feiern.

Wie die Menschen damals auf den Messias warteten, auf einen, der sie erlöst aus den Verstrickungen ihres Lebens, so warten wir Menschen auch heute.

Warten hatte und hat für die Menschen damals wie heute ganz unterschiedliche Facetten. Unserem eigenen Warten möchten wir mit diesem Impuls auf die Spur kommen.

Unsere Warte-Zeiten heute … Wir warten, beim Arzt, an der Kasse, auf den Urlaub, auf einen Anruf. Wir warten darauf, dass etwas anders wird im Leben … Für Viele sind Warte-Zeiten vergeudete, verplemperte, überflüssige Zeiten. Wir sitzen die Zeit ab, wie wenn es eine Strafe wäre. In dieser Zeit hätten wir etwas anderes tun, die Zeit sinnvoll nutzen oder die vertane Zeit für etwas anderes „Wichtigeres“ einsparen können.

Warten lernen fordert uns heraus.

Schon als Kind hatte ich wohl wie viele andere auch eine Ungeduld im Warten. Im Laufe der Zeit bin ich darauf gekommen, dass es wertvoll sein könnte, das Warten wirklich zu lernen und zu üben. Ob Warten sich lohnt ist ungewiss, ob am Ende dabei etwas Wertvolles oder nur eine leere Enttäuschung herauskommt, bleibt offen.

Ist das wirklich so? Bleibt es offen, oder kann ich mein Warten gestalten und damit auch das erwartete Ziel beeinflussen?

Wie so oft ist die richtige innere Einstellung der Wegweiser zum Glück.
Wer irrational, also unvernünftig Unmögliches erwartet, der muss regelrecht enttäuscht werden.
Erwartungen müssen im Leben einen soliden Wurzelgrund haben.

Ich kann nach der Amputation meines Beines nicht erwarten, dass am nächsten Tag alles wieder dran ist und ich mit zwei Beinen weiter durch´s Leben laufen kann.

Ich kann aber erwarten, dass ich mit der weiß Gott schmerzvollen und unabänderlichen Situation umgehen lerne und dadurch trotzdem in meinem Leben zu Glück und Zufriedenheit finden kann.

Im christlich-religiösen Leben ist es genauso, wie Margot Bickel in einem Gedicht auszudrücken versucht:

Komm auf uns zu, wenn wir an dir zweifeln und fragen:
„Müssen wir auf einen anderen warten?“;
uns weigern, Gemeinschaft im Leiden und in der Geduld zu werden;
dir nicht zutrauen, dass du alle Einsamkeit und alles Leid austreibst.
Mach unsere Herzen weit, dass wir dich erkennen.
Komm auf uns zu, wenn wir durch unsere Erwartungen
andere blockieren; zweifeln und meinen, wir hätten nichts mehr zu erwarten: den Schritt nicht wagen über menschliche Gerechtigkeit hinaus.
Nimm uns mit auf deinen Weg.

In den Beziehungsgeschichten zwischen Menschen und Gott, Mensch und Mensch, Mensch und Natur … hat das Warten und die Erwartung einen festen Platz.

Diese Zeiten gilt es zu gestalten, denn von Nichts kommt nichts – Beziehungen bedürfen der Pflege und des Kontaktes, um einander Raum zu geben. Der Advent lädt uns ein, unsere Wartezeiten mit Leben zu erfüllen.

Nutzen Sie die kleinen Pausen, Leer- und Wartezeiten bis zum Hl. Abend, der Christmette und dem weihnachtlichen Beisammensein, um aktiv und positiv auf den Besuch Gottes in unserem Inneren zu warten. Es könnte dann nämlich vorkommen, dass wir kurz und leise ein Glücksgefühl verspüren und Gottes Nähe spüren. Eine alte spirituelle Weisheit sagt nämlich: Wenn du dich wirklich auf die Suche machst, dann kommt dir das Gesuchte entgegen, denn es ist schon da und will gesucht und erwartet werden. Amen.

 

Pfarrer Christoph Kreitmeir ist Klinikseelsorger, Buchautor und Vortragsredner. Mehr Infos, Gedanken und Impulse von ihm gibt’s HIER