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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mt 13, 1-9 und 18-23) zeigt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir  auf, wie wir durch das Gleichnis vom Sämann unseren Lebensweg nachvollziehen können.

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

„Lebensweg oft hart und steinig,
auf der Strecke kein Versteck,
auch Gelehrte sind sich einig,
niemand kehrt die Steine weg.

Selbst muss man für Ordnung sorgen,
jeder ist sein Lebens Schmied,
manches Leid liegt tief verborgen,
das im Voraus keiner sieht.

Auch Glück kreuzt oft den langen Weg,
man muss es schnell erhaschen,
befestigen am Zaun, nicht schräg,
sonst schlüpft es durch die Maschen.

Häufig geht auch viel daneben,
weil man den Stolperstein nicht sieht,
dann ist die Strecke wieder eben
und von vorn beginnt das alte Lied.“

 

Lebensweg heißt dieses Gedicht von Horst Rehmann und es drückt sehr gut unsere Lebenserfahrungen aus. Gute Gedichte haben ja die Gabe, Erfahrenes, Erlittenes, Erspürtes in Worte zu gießen, weil sie gut beobachten.

Jesus zeichnete sich auf besondere Weise durch eine wache und sensible Beobachtungsweise aus, er ging mit offenen Ohren und Augen durch die Welt, bedachte und erfühlte das Erlebte, brachte es mit seiner Rückbindung an Gott in Verbindung und erzählte als Ergebnis den Menschen Lebensweisheiten in Gleichnissen. Fast jeder konnte sie verstehen. Fast jeder kann sie bis heute verstehen. Und wenn doch nicht ganz, dann gab er manchmal auch eine griffige Deutung hinzu.

All das bisher Gesagte können wir heute im Gleichnis vom Sämann hören und für unseren Lebensweg nachvollziehen.

Jesus spricht davon, dass da ein GUTER, Gott, wie ein Sämann guten Samen auf den Acker der Welt, auf den Acker unserer Seele aussät … und dem ausgestreuten Samen geht es dann sehr unterschiedlich.

Vieles von dem, was uns einmal in der Kindheit an Gutem in die Seele gelegt, gesät wurde, wurde gleichsam von Vögeln weggepickt oder, wie Jesus es sehr deutlich sagt, vom Bösen weggenommen. Es ist auf den Weg gefallen, es ist für immer verloren.

Kein gutes Gefühl bleibt da beim Hören zurück.

Wer in seinem Leben wenig Erdreich und keine oder nur dürftige Wurzeln hat, bei dem wird das Gegebene keine Frucht bringen können, denn es fiel auf felsigen Seelengrund.

Seelische Unbeständigkeit lässt einen bei Verlockungen oder Bedrohungen schnell straucheln, fallen und ausdorren.

Hier bleibt beim Zuhören ein Gefühl der Trauer über das Gesagte zurück, aber auch der Apell, beständiger und wurzelfester zu werden.

Aufgekeimte Samen, die heranwachsen dürfen, können aber auch – und das kennen wir alle nur allzugut – von allerlei Dornen überwuchert und erstickt werden.  Jesus benennt diese Dornen mit den Sorgen dieser Welt oder dem trügerischen Reichtum. Wir können dies aber sicherlich noch durch eigene Dornenerfahrungen ergänzen, denn diese sind viele. Das Heranwachsen der Lebenspflanze ist zwar möglich, wird vielfach behindert und eingeschränkt und bringt keine Frucht. Auf die Frucht kommt es aber an!

Hier bleibt beim Nachspüren des Gehörten ein weiteres Gefühl von Traurigkeit, von Hilflosigkeit, Ohnmacht und von Resignation zurück.

Gibt es denn gar keine positive Nachricht im Sämannsgleichnis von Jesus? Doch – und diese Botschaft hinterlässt ein Gefühl von „Hoffnung“, „Zuversicht“ und „Es lohnt sich doch!“: „Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“ (Mt 13, 23)

Der göttliche Sämann hat reichlich ausgesät, er weiß um die gefährdenden Umstände, aber er weiß auch darum, dass ein Teil Frucht bringen kann, Frucht bringen wird.

Und genau darum geht es auch bei uns, die wir einerseits der Ackerboden für den göttlichen Samen sind und gleichzeitig andererseits aber auch ähnlich mit den Samen verfahren sollen, die wir in unserem Leben aussäen. Reichlich aussäen, in dem Wissen, dass vieles nicht aufgehen wird, dass aber einiges doch Frucht bringen kann, Frucht bringen wird, wenn wir beständig, tapfer, zuversichtlich, treu, auf Gottes Beistand vertrauend und immer wieder neu nicht aufhören mit dem Anfangen.

Catharina Elisabeth Goethe, die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe, schenkt uns eine Weisheit, die ich gerne an Sie weitergebe, die ich gerne in Ihre Seele hineinsäe:

„Ich freue mich des Lebens, suche keine Dornen, hasche die kleinen Freuden. Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich. Kann ich den Stein aus dem Weg räumen, so tue ich es; ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum – und so finde ich alle Tag etwas, das mich freut. Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh, mein Angesicht fröhlich.“

Amen.